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18.10.2026
12:07 Uhr
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Bruderzwist am Kaspischen Meer: Plant Ankara den Umsturz in Baku?

Bruderzwist am Kaspischen Meer: Plant Ankara den Umsturz in Baku?
Symbolbild: KI-generiert

Die Türkei und Aserbaidschan feiern sich gern als „eine Nation, zwei Staaten“. Jetzt liegen die beiden Länder so heftig über Kreuz wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Angefangen hat es mit einem Streit um Kopftücher an aserbaidschanischen Schulen, inzwischen steht sogar ein Putschverdacht im Raum. Am Wochenende musste die türkische Botschaft in Baku einen entsprechenden Medienbericht öffentlich dementieren.

Ein Foto, ein Verdacht und ein gelöschter Bericht

Es geht um ein Bild von Hakan Fidan. Der frühere Geheimdienstchef und heutige türkische Außenminister war Mitte Oktober zu einem Gipfel des asiatischen Sicherheitsforums CICA nach Baku gereist. Ein lokales Medium deutete ein Foto, das ihn mit Vertretern der „Youth Assistance Foundation“ zeigt, als Beweis für ein geheimes Treffen.

Der Bericht behauptete, die Stiftung und weitere Gruppen stünden unter türkischem Einfluss und wollten die jüngsten Proteste für einen Regimewechsel nutzen. Nach der Beschwerde der Botschaft wurde der Text gelöscht. Ob an den Vorwürfen etwas dran ist, weiß niemand. Beobachter vermuten aber, dass die Veröffentlichung von oben abgesegnet war, als deutliche Warnung an Ankara.

Ein Kopftuch löst die Krise aus

Der Anlass wirkt fast banal. Am 21. September beschloss Baku neue Regeln für Schuluniformen. Verboten ist Kleidung, die nicht zur Uniform oder zum säkularen Charakter der Schule passt. Das Kopftuch (Hidschab) wird laut Berichten nicht ausdrücklich erwähnt. Trotzdem verstanden viele Schulleitungen die Regel als Kopftuchverbot und schickten Mädchen nach Hause.

Es folgten die größten Proteste seit Jahren, das Innenministerium meldete 37 Festnahmen. Einen Tag nach dem Beschluss hatte Recep Tayyip Erdoğan vor der UN-Vollversammlung Kopftuchverbote an Schulen kritisiert, ohne ein Land zu nennen. Ein Berater Erdoğans und Abgeordnete seiner Partei AKP forderten Baku dagegen offen auf, die Regel zurückzunehmen.

Ilham Aliyev, der Präsident Aserbaidschans, warf ungenannten Staaten Einmischung vor. Medienberichten zufolge nannte seine Partei die türkischen Äußerungen „populistisch und unverantwortlich“. Sie erinnerte daran, dass auch die Türkei laut Verfassung ein säkularer Staat ist. Ein Seitenhieb, der in Ankara ankam.

Ein Flugzeug namens „Schuscha“

Dann folgte der diplomatische Affront. Zum selben Gipfel brachte die staatliche Fluglinie AZAL den israelischen Präsidenten Isaac Herzog nach Baku. Medienberichten zufolge flog die Maschine mitten durch den türkischen Luftraum, den Ankara für israelische Regierungsflugzeuge gesperrt hat. Der Dreamliner hieß „Schuscha“. Ausgerechnet: Mit der Schuscha-Erklärung von 2021 hatten Ankara und Baku ihr Bündnis besiegelt.

Viele Türken empfanden das als Ohrfeige. Seitdem erscheinen in aserbaidschanischen Medien Artikel gegen die Türkei, die manche für staatlich gelenkt halten. In den sozialen Netzwerken wird der Streit immer schärfer.

Die eigentlichen Konflikte

Das Kopftuch hat den Streit ausgelöst, die Ursachen liegen tiefer. Ankara stört sich an Bakus enger Partnerschaft mit Israel, mit dem die Türkei seit dem 7. Oktober 2023 offen rivalisiert. Baku dagegen ist misstrauisch gegenüber dem, was manche als neo-osmanische Machtansprüche der Türkei sehen.

Dazu kommt der Streit um Handelswege. Im August 2025 vermittelte Donald Trump einen Transportkorridor durch den Südkaukasus, die „Trump Route for International Peace and Prosperity“. Einige Aserbaidschaner fürchten, die Türkei wolle daraus einen NATO-Nachschubweg an Russlands Südgrenze machen. Dann drohe ein Krieg wie in der Ukraine. Manche Türken glauben wiederum, Israel schüre diese Angst gezielt.

Warum das auch Deutschland betrifft

Der Streit wirkt weit weg, hat aber Folgen für Europa. Aserbaidschanisches Gas fließt über die Türkei in die EU. Nach dem Bruch mit Moskau hat sich Brüssel 2022 von Baku doppelt so viel Gas zusagen lassen. Damit hängt die Energieversorgung Europas noch stärker an zwei Partnern, die kaum als Musterdemokratien gelten. Und deren Bündnis bröckelt jetzt.

Ende Oktober treffen sich Erdoğan und Aliyev beim Gipfel der Organisation der Türkischen Staaten in Ankara. Dann zeigt sich, ob die beiden sich versöhnen oder ob der Streit sich weiter verselbstständigt.

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