
Blutbad an türkischer Schule: Vierter Toter innerhalb von 48 Stunden – Gewalt eskaliert

Die Türkei wird von einer beispiellosen Welle schulischer Gewalt erschüttert. Am Mittwoch eröffnete ein Schüler in der südosttürkischen Provinz Kahramanmaraş das Feuer in zwei Klassenzimmern einer Schule und tötete dabei vier Menschen. Zwanzig weitere Personen wurden verletzt. Es handelt sich um den zweiten bewaffneten Angriff auf eine türkische Schule innerhalb von nur 48 Stunden – eine Häufung, die Fragen aufwirft, auf die niemand eine Antwort zu haben scheint.
Fünf Waffen, sieben Magazine – und ein Vater, der Polizist war
Die Details, die der Provinzgouverneur Mükerrem Ünlüer im Anschluss an die Tat bekanntgab, lassen fassungslos zurück. Der jugendliche Angreifer habe die Schule im Bezirk Onikişubat mit nicht weniger als fünf Schusswaffen und sieben Magazinen betreten. Sämtliche Waffen hätten seinem Vater gehört – einem pensionierten Polizeibeamten. Wie ein Minderjähriger ungehindert Zugang zu einem derartigen Arsenal erlangen konnte, dürfte in den kommenden Tagen Gegenstand hitziger Debatten werden.
Unter den Todesopfern befinden sich ein Lehrer und drei Schüler. Der Angreifer selbst kam den Behördenangaben zufolge ebenfalls ums Leben. Videoaufnahmen vom Tatort zeigten chaotische Szenen: Verletzte wurden hastig zu Krankenwagen getragen, Eltern rannten verzweifelt zum Schulgelände. Das Motiv der Tat sei bislang unklar, teilten die Ermittler mit.
Zweiter Angriff in zwei Tagen – ein beunruhigendes Muster
Was diese Tragödie besonders verstörend macht, ist die zeitliche Nähe zum vorherigen Vorfall. Erst am Dienstag hatte ein ehemaliger Schüler an einer Oberschule in der benachbarten Provinz Şanlıurfa das Feuer eröffnet und 16 Menschen verletzt – die meisten davon Schüler. Zwei schwere Angriffe auf Schulen innerhalb von zwei Tagen, in benachbarten Provinzen: Das ist kein Zufall mehr, das ist ein Alarmsignal.
Die Frage, die sich unweigerlich stellt, ist so simpel wie unbequem: Wie sicher sind Schulen noch? Und zwar nicht nur in der Türkei. Wer glaubt, derartige Gewaltexzesse seien ein rein amerikanisches oder türkisches Phänomen, der irrt gewaltig. Auch in Europa, auch in Deutschland, nehmen Gewalttaten an Schulen und im öffentlichen Raum zu. Die Ursachen mögen unterschiedlich sein – mangelnde Waffenkontrolle dort, gescheiterte Integration und gesellschaftliche Verrohung hier –, doch das Ergebnis ist stets dasselbe: Unschuldige Menschen, oft Kinder, zahlen den Preis.
Waffenzugang als Kernproblem
Dass ein Jugendlicher fünf Schusswaffen aus dem Haushalt eines pensionierten Polizisten entwenden konnte, ohne dass dies jemandem auffiel, wirft ein grelles Licht auf die Versäumnisse bei der Aufbewahrung von Waffen. Es ist eine bittere Ironie: Ausgerechnet ein ehemaliger Hüter des Gesetzes wurde unfreiwillig zum Waffenlieferanten seines eigenen Sohnes. Strengere Aufbewahrungspflichten, regelmäßige Kontrollen, konsequente Sanktionen – all das wäre nötig. Doch wie so oft dürfte nach der ersten Betroffenheit der politische Alltag die Debatte rasch wieder verdrängen.
Die Türkei steht nun vor der Aufgabe, zwei Schulangriffe in kürzester Zeit aufzuarbeiten und gleichzeitig zu verhindern, dass ein gefährlicher Nachahmungseffekt einsetzt. Ob die politisch Verantwortlichen in Ankara dieser Herausforderung gewachsen sind, bleibt abzuwarten. Die Erfahrung lehrt leider: Betroffenheitsbekundungen gibt es reichlich, strukturelle Veränderungen hingegen selten.
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