
Bauernaufstand gegen Mercosur: Deutsche Landwirte kämpfen ums nackte Überleben

Während die politische Elite in Brüssel und Berlin das Mercosur-Freihandelsabkommen als wirtschaftlichen Meilenstein feiert, stehen deutsche Bauern mit dem Rücken zur Wand. An mehreren Autobahnauffahrten in Brandenburg und anderen Bundesländern blockierten Landwirte am Donnerstag die Zufahrten – ein verzweifelter Hilferuf einer Branche, die sich von der eigenen Regierung im Stich gelassen fühlt.
Ein Abkommen, das Existenzen vernichtet
Die Worte eines brandenburgischen Landwirts könnten kaum deutlicher sein: „Dann bricht die Landwirtschaft hier komplett zusammen." Was nach Übertreibung klingen mag, ist für die betroffenen Bauern bittere Realität. Nach mehr als 25 Jahren zäher Verhandlungen steht das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den südamerikanischen Mercosur-Staaten kurz vor der Unterzeichnung. Am Freitag stimmt der EU-Rat ab, am Montag soll in Paraguay der finale Federstrich erfolgen.
Deutschland – wie könnte es anders sein – gehört zu den eifrigsten Befürwortern dieses Deals. Die Bundesregierung unter Friedrich Merz sieht offenbar kein Problem darin, die eigene Landwirtschaft auf dem Altar des Freihandels zu opfern. Günstig produzierte Waren aus Südamerika sollen künftig ungehindert auf den europäischen Markt strömen, während deutsche Bauern unter einer erdrückenden Last aus Auflagen, Steuern und Bürokratie ächzen.
Doppelmoral bei CO₂ und Pestiziden
Die Scheinheiligkeit der deutschen Klimapolitik offenbart sich in diesem Zusammenhang besonders drastisch. Zum 1. Januar wurde die CO₂-Steuer erneut erhöht – eine weitere Belastung für die heimischen Landwirte. Doch wie ein Bauer treffend bemerkte: „Wie ist denn die CO₂-Bilanz, wenn ich die Produkte aus Lateinamerika hierher hole?" Eine Frage, die in den Amtsstuben der Berliner Ministerien offenbar niemand zu stellen wagt.
Noch absurder wird es beim Thema Pflanzenschutz. In den Mercosur-Staaten kommen Pestizide zum Einsatz, die in Europa seit 30 Jahren verboten sind – und das aus gutem Grund. Während deutsche Bauern mit immer strengeren Auflagen konfrontiert werden, sollen sie künftig gegen Konkurrenten antreten, die unter völlig anderen Bedingungen produzieren. Von fairem Wettbewerb kann hier keine Rede sein.
Weizen in Biogasanlagen statt auf dem Teller
Besonders bitter schmeckt die Ironie, dass hierzulande große Mengen der Weizen- und Kartoffelernte in Biogasanlagen vernichtet werden, während gleichzeitig über Welternährung philosophiert wird. Ein Landwirt brachte es auf den Punkt: Wie soll die globale Ernährungssicherheit funktionieren, wenn Deutschland nicht einmal die eigenen Flächen so bewirtschaftet, dass die Produkte in die Nahrungskette gelangen?
Frankreich wehrt sich – Deutschland kuscht
Während in Paris Traktoren vor dem Eiffelturm und dem Arc de Triomphe auffahren und die französische Regierung das Abkommen blockiert, zeigt sich die deutsche Politik einmal mehr als williger Erfüllungsgehilfe Brüsseler Interessen. Rund 100 Traktoren rollten am Donnerstag in die französische Hauptstadt, begleitet von Transparenten mit der Aufschrift „Nein zu Mercosur" und der eindringlichen Frage: „Frankreich, willst Du Deine Bauern noch?"
Eine Frage, die man auch der deutschen Bundesregierung stellen sollte. Doch während Frankreich und Polen Widerstand leisten, scheint Berlin fest entschlossen, das Abkommen durchzuwinken. Italien, das bislang ebenfalls blockierte, signalisiert mittlerweile Zustimmungsbereitschaft – womit eine qualifizierte Mehrheit im EU-Rat greifbar nahe rückt.
Wo bleibt die Solidarität der Bevölkerung?
Die protestierenden Bauern vermissen den Rückhalt aus der Gesellschaft. An den Autobahnauffahrten stehen „leider nur die Bauern und ein paar vom Mittelstand", beklagte einer der Demonstranten. Der Rest des Volkes schweigt – oder ist zu beschäftigt mit anderen Dingen, um zu erkennen, dass hier die Grundlage der eigenen Ernährungssicherheit auf dem Spiel steht.
Es ist bezeichnend für den Zustand unserer Gesellschaft, dass diejenigen, die täglich für unsere Versorgung arbeiten, um ihre Existenz kämpfen müssen, während die Politik lieber globale Handelsabkommen feiert. Die deutschen Bauern haben Besseres verdient als eine Regierung, die ihre Interessen dem Freihandel opfert.










