Kettner Edelmetalle
19.02.2026
07:03 Uhr

BASF flĂŒchtet nach Indien: Berliner Verwaltungsjobs vor dem Aus

Was sich seit Jahren wie ein schleichender Exodus der deutschen Industrie anfĂŒhlt, nimmt nun eine neue, beunruhigende Dimension an. Der Chemiegigant BASF – einst Stolz und AushĂ€ngeschild des Industriestandorts Deutschland – verlagert nicht mehr nur ProduktionskapazitĂ€ten ins Ausland. Jetzt trifft es die Verwaltung. Und zwar mit voller Wucht.

Berlin im Fadenkreuz: Bis zu 2.000 Stellen könnten verschwinden

Im Zentrum des drohenden Kahlschlags steht die Berliner Service Gesellschaft der BASF, in der rund 3.000 BeschĂ€ftigte Aufgaben in den Bereichen Finanzen, Personal und Logistik fĂŒr den Gesamtkonzern abwickeln. Der Standort galt ĂŒber Jahre als stabiler Anker, als politische Erfolgsgeschichte gar. Doch damit dĂŒrfte es bald vorbei sein. Denn BASF plant, den Bereich „Global Business Services" in einem neuen Hub in Indien zu bĂŒndeln. Aus Standortkreisen verlautet, dass bis zu 70 Prozent der Verwaltungsstellen betroffen sein könnten – das wĂ€ren mehr als 2.000 ArbeitsplĂ€tze, die entweder ins Ausland wandern oder schlicht wegfallen.

Der Konzern selbst hĂŒllt sich in die ĂŒbliche Unternehmenssprache und spricht von einer „agileren, noch zielgerichteteren Organisation" sowie einer „deutlichen Steigerung der Kosteneffizienz". Man wolle „verstĂ€rkt kosteneffiziente Standorte" nutzen. Übersetzt aus dem PR-Deutsch bedeutet das nichts anderes als: Die Arbeit geht dorthin, wo sie billiger ist. Punkt.

Ein Muster der Abwanderung – und die Politik schaut zu

Die Verlagerung nach Indien ist kein isoliertes Ereignis, sondern fĂŒgt sich nahtlos in ein Muster ein, das jeden aufmerksamen Beobachter der deutschen Wirtschaftspolitik alarmieren sollte. Bereits unter dem frĂŒheren Vorstandsvorsitzenden Martin BrudermĂŒller wurden KapazitĂ€ten am Stammwerk in Ludwigshafen massiv gedrosselt und Stellen gestrichen. BrudermĂŒller hatte dabei kein Blatt vor den Mund genommen und die exorbitanten Energiekosten sowie die erstickende BĂŒrokratie in Europa als Standortbremsen angeprangert. Gleichzeitig flossen Milliarden in neue ProduktionsverbĂŒnde – etwa nach China.

Sein Nachfolger Markus Kamieth, der den Konzern seit 2024 fĂŒhrt, hĂ€lt diese Linie weitgehend bei. Zwar schloss er betriebsbedingte KĂŒndigungen in Ludwigshafen bis 2028 aus. Doch der Schwerpunkt der Umstrukturierung verschiebt sich nun sichtbar in die Verwaltung – und damit in Bereiche, die bislang als relativ sicher galten, weil sie nicht direkt an einzelne Produktionsanlagen gebunden waren. Diese vermeintliche Sicherheit entpuppt sich nun als trĂŒgerische Illusion.

Digitaler Hub als zweite Flanke des RĂŒckzugs

Als wĂ€re die Verlagerung der klassischen Verwaltungsaufgaben nicht genug, meldete BASF Ende Januar zusĂ€tzlich die Einrichtung eines globalen „Digital Hub" fĂŒr digitale Services – ebenfalls in Indien. Damit entsteht ein zweites Zentrum, das deutsche Aufgabenbereiche unmittelbar tangiert. Parallel laufen an mehreren deutschen Standorten GesprĂ€che ĂŒber weitere Stellenreduzierungen, unter anderem im brandenburgischen Schwarzheide. Die Gewerkschaft spricht von Hunderten betroffenen ArbeitsplĂ€tzen, doch BASF bleibt bei konkreten Personalzahlen auffĂ€llig vage.

Gewerkschaft IGBCE: Wut ĂŒber gebrochene Versprechen

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) reagiert mit einer SchĂ€rfe, die das Ausmaß der EnttĂ€uschung erahnen lĂ€sst. Und das aus gutem Grund. Denn der Berliner Standort war einst ein tarifpolitisches Vorzeigeprojekt, das die Gewerkschaft selbst mit ermöglicht hatte. Im Jahr 2005 wurde ein eigener Tarifvertrag geschaffen, damit BASF konzerninterne Dienstleistungen in Berlin bĂŒndeln konnte – statt sie in die Slowakei auszulagern. Die BeschĂ€ftigten akzeptierten dafĂŒr niedrigere GehĂ€lter und lĂ€ngere Arbeitszeiten als im FlĂ€chentarif. Ein ZugestĂ€ndnis, das nun wie blanker Hohn wirkt.

IGBCE-Chef Michael Vassiliadis fand deutliche Worte: Mit diesem „beschĂ€ftigungspolitischen Schlag" fĂŒhre BASF ein tarifliches Vorzeigeprojekt zu einem Ende, mit dem man Tausende gute ArbeitsplĂ€tze in der Bundeshauptstadt geschaffen habe. Die Gewerkschaft droht bereits mit der AufkĂŒndigung des unternehmensbezogenen Verbandstarifvertrags und sehe „keine Perspektiven fĂŒr eine WeiterfĂŒhrung", falls BASF ernsthaft verlagere.

Berlins Regierender BĂŒrgermeister fordert Transparenz

Auch die Berliner Landespolitik meldet sich zu Wort – ungewöhnlich deutlich, wie man anmerken muss. Regierender BĂŒrgermeister Kai Wegner erklĂ€rte, er habe die AnkĂŒndigung „mit großer Sorge zur Kenntnis" genommen. Berlin habe sich ĂŒber Jahrzehnte als verlĂ€sslicher, innovationsfreundlicher und stabiler Wirtschaftsstandort fĂŒr BASF erwiesen. Wegner fordert eine transparente Darstellung der weiteren Planungen, einen sozialvertrĂ€glichen Umgang mit den BeschĂ€ftigten, die frĂŒhzeitige Einbindung der BetriebsrĂ€te und einen klaren Zeitplan. Ob diese Forderungen mehr sind als politische PflichtĂŒbungen, wird sich zeigen.

Das eigentliche Problem: Deutschland macht sich selbst unattraktiv

Man kann BASF fĂŒr diese Entscheidung kritisieren – und das sollte man auch. Doch wer ehrlich ist, muss die Frage stellen, warum ein Weltkonzern seine Verwaltung lieber in Indien als in Deutschland ansiedelt. Die Antwort ist so unbequem wie offensichtlich: Deutschland hat sich durch eine Politik der immer höheren Energiekosten, der ausufernden BĂŒrokratie, der erdrĂŒckenden Steuerlast und einer ideologiegetriebenen Wirtschaftspolitik systematisch selbst ins Abseits manövriert.

Jahrelang wurde die Deindustrialisierung Deutschlands von weiten Teilen der politischen Klasse entweder geleugnet oder als notwendiger „Strukturwandel" schöngeredet. Die GrĂŒnen feierten den RĂŒckgang energieintensiver Industrien gar als Erfolg der Energiewende. Dass nun auch die Verwaltungsjobs abwandern – jene ArbeitsplĂ€tze also, die angeblich die Zukunft der deutschen Dienstleistungsgesellschaft darstellen sollten –, entlarvt diese ErzĂ€hlung als das, was sie immer war: ein gefĂ€hrliches MĂ€rchen.

Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hat zwar versprochen, den Wirtschaftsstandort Deutschland wieder zu stĂ€rken. Doch das 500 Milliarden Euro schwere Sondervermögen fĂŒr Infrastruktur, das die Inflation weiter anheizen und kommende Generationen mit Schulden belasten wird, ist kaum die Art von Standortpolitik, die Konzerne wie BASF zum Bleiben bewegt. Was es brĂ€uchte, wĂ€ren niedrigere Energiepreise, weniger BĂŒrokratie und eine wettbewerbsfĂ€hige Steuerstruktur. Stattdessen wird weiter umverteilt, reguliert und ideologisiert.

Der Fall BASF ist kein Einzelfall. Er ist ein Symptom einer tiefgreifenden Krise des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Und solange die Politik nicht bereit ist, die strukturellen Ursachen dieser Krise anzugehen, werden weitere Konzerne folgen. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern nur noch wann und wie viele. In Zeiten wie diesen, in denen die wirtschaftliche Substanz eines ganzen Landes erodiert, erscheint es umso wichtiger, das eigene Vermögen klug zu sichern. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich ĂŒber Jahrhunderte als verlĂ€sslicher Wertspeicher bewĂ€hrt – gerade dann, wenn politische Fehlentscheidungen die Kaufkraft des Geldes und die StabilitĂ€t ganzer Volkswirtschaften untergraben.

Wissenswertes zum Thema