Kettner Edelmetalle
24.02.2026
05:57 Uhr

Atomares Pokerspiel: Washington will Peking und Moskau an den Verhandlungstisch zwingen

Während die Welt gebannt auf die zahllosen Krisenherde blickt – vom Ukraine-Krieg bis zur Eskalation im Nahen Osten –, bahnt sich auf dem Parkett der nuklearen Diplomatie ein Machtkampf an, der das geopolitische Gleichgewicht der kommenden Jahrzehnte bestimmen könnte. Die USA streben offenbar einen neuen Vertrag über nukleare Rüstungskontrolle an und haben dazu in Genf Gespräche mit russischen und chinesischen Delegationen aufgenommen. Was auf den ersten Blick wie ein vernünftiger Schritt klingt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als diplomatisches Minenfeld.

Das Ende von New START und ein gefährliches Vakuum

Der Hintergrund ist brisant: Im Februar lief der sogenannte New START-Vertrag mit Russland aus – jenes Abkommen, das die Zahl einsatzbereiter strategischer Sprengköpfe auf jeweils 1550 begrenzte. Damit existiert erstmals seit Jahrzehnten kein einziges bilaterales Rüstungskontrollabkommen mehr zwischen den beiden größten Atommächten der Welt. Ein Zustand, der an die dunkelsten Tage des Kalten Krieges erinnert.

Russland hatte durchaus vorgeschlagen, das bestehende Abkommen zu verlängern. Doch US-Präsident Donald Trump und sein Außenminister Marco Rubio stellten eine klare Bedingung: Ein neues Abkommen müsse zwingend auch China einbeziehen. Eine Forderung, die auf den ersten Blick nachvollziehbar erscheint – schließlich hat sich die geopolitische Landschaft seit 2010 fundamental verändert.

Pekings nuklearer Schattenausbau

Und genau hier wird es interessant. Als der New START-Vertrag 2010 unterzeichnet wurde, verfügte China nach US-Schätzungen über bescheidene 200 Atomwaffen. Heute geht Washington davon aus, dass Peking bis 2030 über genügend Material für mehr als 1000 Sprengköpfe verfügen könnte. Der stellvertretende US-Staatssekretär für Rüstungskontrolle, Christopher Yeaw, formulierte es bei der UN-Abrüstungskonferenz in Genf unmissverständlich: China habe „entgegen anderslautenden Behauptungen sein Nukleararsenal bewusst und ungehindert massiv ausgebaut".

Doch Peking blockt. Chinas Botschafter für Abrüstung, Shen Jian, erklärte, sein Land habe derzeit keinerlei Pläne, sich an neuen Verhandlungen zur nuklearen Rüstungskontrolle zu beteiligen. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums setzte noch einen drauf: Das Arsenal Chinas sei deutlich kleiner als das der USA, weshalb es „weder fair noch vernünftig" sei, Peking in dieser Phase zum Beitritt aufzufordern. Man kennt diese Rhetorik – sie erinnert fatal an jene Ausflüchte, mit denen sich aufstrebende Mächte seit jeher der internationalen Verantwortung zu entziehen versuchen.

Geheimer Atomtest als Vertrauensbruch?

Zusätzlich vergiftet wird die Atmosphäre durch den Vorwurf Washingtons, China habe im Juni 2020 einen geheimen Atomtest durchgeführt – eine Anschuldigung, die Peking vehement zurückweist. Ob an den Vorwürfen etwas dran ist oder ob sie als diplomatisches Druckmittel dienen, lässt sich von außen kaum beurteilen. Fest steht: Das Misstrauen zwischen den drei Atommächten könnte kaum größer sein.

Trumps Strategie: Alle an einen Tisch

Man muss Donald Trump zugutehalten, dass sein Ansatz, alle relevanten Nuklearmächte in ein gemeinsames Abkommen einzubinden, strategisch durchaus Sinn ergibt. Ein bilateraler Vertrag zwischen Washington und Moskau, der Pekings rasant wachsendes Arsenal ignoriert, wäre in der heutigen multipolaren Welt schlicht anachronistisch. Die USA hätten bereits „gute bilaterale Gespräche" mit Großbritannien und Frankreich geführt, so ein hochrangiger US-Beamter. Die Einbeziehung aller fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates sei der „nächste logische Schritt" gewesen.

Ob dieser logische Schritt allerdings auch ein realistischer ist, steht auf einem ganz anderen Blatt. Denn während Trump verhandeln will, hat Russlands Präsident Putin den Ausbau seiner Atomstreitkräfte zur „absoluten Priorität" erklärt. Und China rüstet im Schatten der Weltöffentlichkeit munter weiter auf.

Was bedeutet das für Europa – und für Deutschland?

Für Deutschland und Europa sind diese Entwicklungen von existenzieller Bedeutung. Unter dem nuklearen Schutzschirm der USA hat sich die Bundesrepublik jahrzehntelang bequem eingerichtet – ohne selbst nennenswerte Verantwortung für die eigene Sicherheit zu übernehmen. Sollte das nukleare Gleichgewicht zwischen den Großmächten ins Wanken geraten, stünde Europa schutzloser da als je zuvor seit dem Ende des Kalten Krieges.

Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz täte gut daran, diese Entwicklungen nicht nur passiv zu beobachten, sondern aktiv auf eine Stärkung der europäischen Verteidigungsfähigkeit hinzuarbeiten. Das geplante 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur wäre womöglich in der Verteidigung besser angelegt als in ideologisch motivierten Klimaprojekten. Denn eines lehrt die Geschichte mit brutaler Klarheit: Frieden wird nicht durch Wunschdenken gesichert, sondern durch Stärke.

In Zeiten geopolitischer Unsicherheit und eines drohenden nuklearen Wettrüstens zeigt sich einmal mehr, wie wichtig es für den einzelnen Bürger ist, sein Vermögen krisenfest aufzustellen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich über Jahrhunderte als verlässlicher Wertspeicher in turbulenten Zeiten bewährt – unabhängig davon, welche Großmacht gerade am Verhandlungstisch sitzt oder eben nicht.

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