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11.08.2026
13:40 Uhr
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Abtreibung bis zur Geburt: Massachusetts kippt die 24-Wochen-Grenze

Abtreibung bis zur Geburt: Massachusetts kippt die 24-Wochen-Grenze
Symbolbild: KI-generiert

Die demokratische Gouverneurin von Massachusetts, Maura Healey, hat am Montag ein Gesetz unterzeichnet, das die bisherigen Schranken fĂŒr SchwangerschaftsabbrĂŒche nach der 24. Woche aufhebt. Eine neue zeitliche Obergrenze enthĂ€lt das Gesetz nicht. Damit sind AbbrĂŒche im Nordoststaat der USA kĂŒnftig grundsĂ€tzlich bis zur Geburt möglich.

In Kraft tritt die Neuregelung nach Angaben aus dem BĂŒro der Gouverneurin 90 Tage nach der Unterzeichnung. Das ReprĂ€sentantenhaus des Bundesstaates hatte die Vorlage am 22. Juli mit 119 zu 33 Stimmen beschlossen, der Senat am 31. Juli mit 15 zu 4.

Aus vier Ausnahmen wird ein einziger Satz

Bislang war ein spĂ€terer Abbruch nur unter engen Bedingungen erlaubt: wenn ein Arzt ihn zum Schutz von Leben, körperlicher oder psychischer Gesundheit der Mutter fĂŒr notwendig hielt – oder bei einer tödlichen Fehlbildung beziehungsweise fehlender LebensfĂ€higkeit des Kindes außerhalb des Mutterleibs.

Diese Voraussetzungen fallen weg. Das Gesetz H.5595 reduziert die Regelung ab der 24. Woche im Kern auf die Formel, ein Abbruch dĂŒrfe auf Grundlage des „professionellen Urteils“ des Arztes vorgenommen werden.

Gestrichen wird zugleich die Pflicht, solche Eingriffe – außer im Notfall – in KrankenhĂ€usern mit geburtshilflicher Ausstattung durchzufĂŒhren. Und: Kein internes medizinisches PrĂŒfverfahren soll die Entscheidung von Ärztin und Patientin kĂŒnftig noch ĂŒberstimmen können. Wer hier Kontrollmechanismen abbaut, verlagert Verantwortung ins rechtlich UngeprĂŒfte – so lesen es Kritiker.

Healeys BegrĂŒndung – und der Gegenwind

Healey verweist auf tragische SpĂ€tdiagnosen. Man habe Geschichten voller „pain and anguish and heartache“ gehört, erklĂ€rte sie. Betroffene Frauen sollten nicht lĂ€nger hunderte Meilen reisen mĂŒssen, um behandelt zu werden.

Der Sprecher des ReprĂ€sentantenhauses, Ronald Mariano, argumentierte Medienberichten zufolge, Entscheidungen ĂŒber reproduktive Gesundheit mĂŒssten ausschließlich zwischen Patientin und Arzt fallen. Auch der zustĂ€ndige Gesundheitsminister des Bundesstaates stellte sich hinter das Gesetz.

Lebensschutz-Organisationen reagierten entsetzt. Die PrÀsidentin von SBA Pro-Life America, Marjorie Dannenfelser, erklÀrte laut Berichten:

„Wir mĂŒssen alles tun, um das hĂ€ssliche Kapitel der spĂ€ten Abtreibung in Amerika umzublĂ€ttern.“

Ihre Organisation fordert nationale Schutzregeln fĂŒr ungeborene Kinder statt der Devise, jeder Bundesstaat solle selbst entscheiden.

Wie viele FĂ€lle betrifft das ĂŒberhaupt?

Nach Daten des Gesundheitsministeriums von Massachusetts gab es 2024 insgesamt 99 AbbrĂŒche ab der 24. Woche, im Jahr davor 84. Kleine Zahlen, große Symbolik: Nach Angaben von Planned Parenthood schließt sich Massachusetts damit neun weiteren Bundesstaaten – darunter New Jersey, Colorado, Oregon und Vermont – sowie dem District of Columbia an.

Seit die Aufhebung von „Roe v. Wade“ 2022 die Regelungsmacht an die Einzelstaaten zurĂŒckgab, driften die USA in dieser Frage weiter auseinander denn je. WĂ€hrend konservative Staaten Fristen verkĂŒrzen, entgrenzen demokratisch regierte Staaten sie – Healey hatte zuvor bereits ein Schutzgesetz gegen Strafverfolgung aus anderen Staaten unterzeichnet.

Warum das auch Deutschland betrifft

Auch hierzulande wird ĂŒber eine Liberalisierung des Paragrafen 218 gestritten – zuletzt heftig im Sommer 2025, als eine Kandidatur fĂŒr das Bundesverfassungsgericht an der Frage nach dem Schutz des ungeborenen Lebens zu scheitern drohte. Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Fall Massachusetts, wohin die Reise gehen kann, wenn Grenzen erst einmal als bloße „Barrieren“ gelten: Der Schutz des SchwĂ€chsten wird zur Verhandlungssache.

Dieser Beitrag gibt unsere EinschÀtzung auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Rechtsberatung und keine medizinische Beratung dar.

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