
321 Tage auf See: US-Flugzeugträger kehrt endlich zurück!

Nach fast elf Monaten ist es vorbei. Der US-Flugzeugträger USS Abraham Lincoln hat am Donnerstag, dem 8. Oktober 2026, an der Naval Air Station North Island in Coronado bei San Diego festgemacht. An Bord waren rund 5.000 Matrosen und Marines, die einen der härtesten Einsätze der jüngeren Marinegeschichte hinter sich haben.
Am Kai warteten Tausende Angehörige mit Blumen, Luftballons und Kuhglocken. Was dort zu Ende ging, war allerdings weit mehr als eine lange Dienstreise.
Geplant waren sieben Monate, daraus wurden fast elf
Am 21. November 2025 lief die „Abe“, wie die Besatzung ihr Schiff nennt, aus ihrem Heimathafen aus. Geplant war ein Einsatz von sieben Monaten im Indopazifik. Daraus wurden 321 Tage, davon 265 Tage am Stück auf See, ohne einen einzigen Hafen. Das ist ein Rekord.
Der einzige Landgang vor Weihnachten dauerte gerade einen Tag, Mitte Dezember auf Guam. Fachbeobachter vermuten, dass ein großer Teil der Crew das Schiff dabei gar nicht verlassen hat. Üblich sind Hafenaufenthalte alle 30 bis 45 Tage, jeweils für drei bis fünf Tage. Erst Anfang September gab es wieder Landgang, im thailändischen Laem Chabang.
Der Grund für die Verlängerung: Die Lincoln wurde in den Nahen Osten umgeleitet. Dort unterstützte sie ab dem 28. Februar die Operation „Epic Fury“, den Krieg der USA und Israels gegen den Iran. Laut US-Fachmedien hatte Kriegsminister Pete Hegseth selbst die beiden Verlängerungen des Einsatzes unterschrieben.
Hunger, Verfall und acht Suizidversuche
Über Monate drangen alarmierende Berichte von Bord nach außen. Die Rede war von schlechten Lebensbedingungen, knappen Lebensmitteln und fehlendem Nachschub. Hinzu kamen Berichten zufolge gefährliche Hygieneprobleme, heruntergekommene Einrichtungen und psychische Krisen in der Besatzung.
Die Navy räumte einen Teil der Probleme ein, vor allem bei Logistik und Nachschub. Ende September teilte der amtierende Marineminister Hung Cao dem Kongress mit, dass in der Trägerkampfgruppe acht Soldaten einen Suizidversuch unternommen hätten. Diese Zahl sollte jeden aufhorchen lassen, der Kriege nur von Landkarten im Fernsehstudio kennt.
Hegseth verteidigt den Einsatz und verleiht Orden
Einen Tag vor der Ankunft flog Hegseth zum Träger. Er zeichnete die Besatzung mit der Presidential Unit Citation aus, der höchsten Ehrung, die eine US-Einheit als Ganzes erhalten kann. Kritik an den Zuständen wies er zurück:
„There were a few folks in the media who tried to turn the USS Abraham Lincoln into some sort of a symbol, a symbol of dysfunction, or a symbol of low morale, or a symbol of a failed mission.“
Sinngemäß sagte er, einige Medienleute hätten die Lincoln zum Symbol für Versagen, schlechte Moral oder eine gescheiterte Mission machen wollen. Die Schiffsführung habe ihm das genaue Gegenteil geschildert. Ob die Familien der acht betroffenen Soldaten das genauso sehen, ist eine andere Frage.
Tränen am Kai und ein Baby, das den Vater zum ersten Mal sieht
Bei der Ankunft spielte die große Politik kaum eine Rolle. Eine Mutter sagte dem Sender CBS, sie danke Gott, dass alle zu Hause seien und es vorbei sei. Eine junge Frau namens Mackenzie wartete mit ihrem zehn Wochen alten Sohn auf dem Arm. Das Paar hatte die Schwangerschaft nach eigenen Angaben auf die geplante Rückkehr abgestimmt. Nun lernte der Vater sein Kind erst Wochen nach der Geburt kennen.
Ein Warnsignal, auch für Europa
Ganz ohne Vergleich ist die Lincoln nicht. Die USS Gerald R. Ford kam Medienberichten zufolge Anfang des Jahres sogar auf 326 Tage Einsatz. Das zeigt, wie stark die US-Marine inzwischen belastet ist. Für Europa, das sich seit Jahrzehnten auf den amerikanischen Schutzschirm verlässt, ist das ein deutliches Warnsignal. Auch die mächtigste Flotte der Welt hat Grenzen. Am Ende tragen sie Menschen aus Fleisch und Blut, keine Pressemitteilungen.
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