Comex-Serverausfall: Silbermarkt am Wendepunkt?
Es gibt Momente an den Finanzmärkten, die sich im Nachhinein als historische Wendepunkte herausstellen. Der 28. November 2025 könnte ein solcher Moment gewesen sein – zumindest für den Silbermarkt. Was an diesem Tag geschah, lässt selbst erfahrene Marktbeobachter aufhorchen: Die CME Group, Betreiberin der weltgrößten Terminbörse Comex, meldete einen mysteriösen Serverausfall ausgerechnet am sogenannten Notice Day, jenem Stichtag, an dem Marktteilnehmer ihre Absicht zur physischen Silberauslieferung verbindlich erklären müssen. Zufall? Oder brennt es bei der Comex tatsächlich lichterloh?
Der mysteriöse Serverausfall am Notice Day
Wer die Mechanismen der Terminmärkte kennt, weiß um die Bedeutung des Notice Day. An diesem Tag müssen Halter von Long-Kontrakten erklären, ob sie auf physischer Lieferung bestehen – oder ob sie sich mit einem Cash Settlement zufriedengeben. Gleichzeitig müssen Short-Seller bestätigen, dass sie das Metall tatsächlich liefern können.
Dass ausgerechnet an diesem neuralgischen Datum die gesamte Futures-Handelsinfrastruktur der CME ausfiel, sorgt in Fachkreisen für erhebliches Stirnrunzeln. 975 Silberkontrakte wurden allein am Folgetag für die physische Lieferung angefordert, was die Gesamtzahl der Lieferanfragen auf 8.305 erhöhte – das entspricht rund 41,5 Millionen Unzen Silber oder etwa 41% des geschätzten Streubesitzes.
„Es ist schon ein Bombenzufall, dass genau am Donnerstagnacht dieser Server und diese Anlage ausfällt. Ganz ehrlich, für mich stinkt's. Wo Rauch ist, da ist Feuer. Und ich glaube, dass es bei denen lichterloh brennt."
Diese Einschätzung des Rohstoffexperten Jochen Staiger trifft einen Nerv. Denn die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Das Verhältnis von Papiersilber zu physischem Silber an der Comex liegt mittlerweile bei 1 zu 357. Für jede reale Unze Silber existieren also 357 Papieransprüche. Ein Missverhältnis, das in keinem anderen Rohstoffmarkt auch nur annähernd erreicht wird.
Silber im siebten Defizitjahr – und kein Ende in Sicht
Die fundamentale Lage am Silbermarkt hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch zugespitzt. Wir befinden uns mittlerweile im siebten Jahr in Folge, in dem die weltweite Silbernachfrage das Angebot übersteigt. Kumuliert hat sich ein Defizit von rund 1,2 Milliarden Unzen aufgebaut – eine Zahl, die man sich auf der Zunge zergehen lassen muss.
Für das laufende Jahr prognostizieren Analysten ein weiteres Defizit zwischen 150 und 500 Millionen Unzen, je nach Einschätzung der industriellen Nachfrage, insbesondere aus dem Rüstungssektor. Und die Aussichten auf Besserung? Praktisch nicht existent.
- Neue Minenprojekte wie Wissler Silver oder Discovery Silver's Cordero-Projekt werden frühestens 2027/2028 in Produktion gehen
- Selbst bei optimistischer Schätzung bringen alle neuen Projekte zusammen nur 50 bis 60 Millionen Unzen zusätzliche Jahresproduktion
- Die gesamte Primär- und Sekundärproduktion fließt bereits heute vollständig in die industrielle Nachfrage
- Für Anleger bleibt schlicht nichts mehr übrig
- Recycling-Kapazitäten, insbesondere für Solarpaneele, werden erst ab Mitte der 2030er Jahre relevant
Wer sich angesichts dieser Fundamentaldaten mit physischen Edelmetallen eindecken möchte, sollte nicht zu lange zögern. Die Lager sind, wie Brancheninsider berichten, weitgehend leergefegt.
Die Preismanipulation bröckelt – das Papierkartenhaus wankt
Jahrzehntelang wurde der Silberpreis an der Comex durch massive Papierverkäufe künstlich gedrückt. Tage, an denen innerhalb von zwei Minuten 200 bis 300 Millionen Unzen Silber auf den Markt geworfen wurden, waren keine Seltenheit. Wohlgemerkt: Die gesamte jährliche Weltproduktion liegt bei rund 800 Millionen Unzen.
„Was soll denn der Blödsinn? Das mache ich doch nur, wenn ich einen Preis nach unten beeinflussen will. Kaufmännisch ist das kompletter Blödsinn. Das ist das, was die Leute jetzt begreifen: Wir werden beschissen nach Strich und Faden."
Die Analogie ist treffend: Kein vernünftiger Unternehmer würde den Preis seines eigenen Produkts mutwillig zerstören. Mercedes würde niemals die S-Klasse um 30% verbilligen – es sei denn, es gäbe einen verdeckten Grund dafür. Und genau dieser Grund liegt auf der Hand: Die Bullionbanken, allen voran JP Morgan, die in der Vergangenheit bereits zu Milliardenstrafen wegen Silberpreismanipulation verurteilt wurden, geraten zunehmend unter Druck.
Besonders brisant: Es kursieren Berichte, wonach JP Morgan seinen Edelmetall-Handelsdesk in New York aufgelöst und nach Singapur verlagert haben soll. Gleichzeitig kehren immer mehr große Player der Comex den Rücken und orientieren sich nach Asien. Das fallende Open Interest bei gleichzeitig steigenden Preisen ist ein klares Indiz dafür, dass die westlichen Terminmärkte an Relevanz verlieren.
Overnight-Liquidität als Warnsignal
Ein weiteres Alarmsignal kommt vom US-Repomarkt. Die Overnight-Liquiditätsraten zeigen deutliche Stresssymptome: 20 Milliarden Dollar wurden an einem Freitagabend eingeschossen, 25 Milliarden am darauffolgenden Montag. Es wird gemunkelt, dass die Bullionbanken an der Comex mit 50 Milliarden Dollar im Minus stehen – bei den aktuellen Eigenkapitalquoten ein existenzbedrohendes Szenario.
Silber als kritisches Mineral – eine geopolitische Zeitenwende
Die Aufnahme von Silber in die US-Liste der kritischen Mineralien markiert einen Paradigmenwechsel. Diese Liste umfasst alle Rohstoffe, die für Schlüsselindustrien unverzichtbar sind:
- Rüstung – Ohne Silber keine Raketen, keine Panzer, keine modernen Waffensysteme
- Solarenergie – Jedes Photovoltaikpaneel benötigt Silber
- Elektromobilität – Batterien und Elektronik sind silberabhängig
- Halbleiterindustrie – Silber ist in praktisch jedem Chip verbaut
- Atomkraft – Auch hier spielt Silber eine Rolle
Der entscheidende Punkt: Die USA importieren 80% ihres Silberbedarfs. Diese Abhängigkeit vom Ausland ist in Zeiten geopolitischer Spannungen ein strategisches Risiko ersten Ranges. Zum Vergleich: Beim ebenfalls neu aufgenommenen Uran liegt die Importquote sogar bei 99%, wobei der Großteil aus Russland, Weißrussland und Kasachstan stammt.
Für Anleger, die von dieser Entwicklung profitieren möchten, bieten sich verschiedene Einstiegsmöglichkeiten – von einzelnen Maple Leaf Goldmünzen bis hin zu umfassenden Krisenschutzpaketen.
Shanghai gegen Comex – der Kampf um die Preishoheit
Während die westlichen Edelmetallbörsen zunehmend unter Vertrauensverlust leiden, positioniert sich China mit der Shanghai Gold Exchange als Alternative. Der entscheidende Unterschied: An der Shanghai Exchange darf nur handeln, wer das Metall tatsächlich physisch hinterlegt hat. Papierspiele wie an der Comex sind schlicht nicht möglich.
China verfolgt dabei eine mehrstufige Strategie:
- Mehrwertsteuerbefreiung beim Edelmetallhandel
- Attraktivere Kurse als an westlichen Handelsplätzen – in Shanghai wurde Silber bereits bei 59,10 Dollar gehandelt, während der Westen noch deutlich darunter notierte
- Einlagerungsangebote für BRICS-Staaten und Länder des globalen Südens
- Aufbau einer vertrauenswürdigen Alternative zu LBMA und Comex
Die Konsequenzen sind weitreichend. Wie wir bereits in unserer Analyse zu Pekings goldener Waschmaschine dargelegt haben, nutzt China seine Edelmetallinfrastruktur zunehmend als geopolitisches Instrument.
Chinas wahre Goldreserven – ein offenes Geheimnis
Offiziell meldet China Goldreserven, die das Land auf Platz 5 der weltweiten Rangliste setzen. Doch Experten sind sich einig: Die tatsächlichen Bestände liegen um ein Vielfaches höher. Schätzungen reichen von 20.000 bis 40.000 Tonnen – was China faktisch zum größten Goldbesitzer der Welt machen würde, noch vor den USA mit ihren offiziellen 8.133 Tonnen in Fort Knox.
Die Logik ist bestechend: China ist der weltgrößte Goldförderer, exportiert kein einziges Gramm und importiert zusätzlich massiv aus aller Welt. Wohin fließt dieses Gold? Sicherlich nicht nur in die offiziell gemeldeten Reserven.
Das Ende des Anleihenzeitalters – Gold als neuer sicherer Hafen
Die tektonischen Verschiebungen im globalen Finanzsystem gehen weit über den Silbermarkt hinaus. Was wir derzeit erleben, ist nichts weniger als das Ende des Anleihenzeitalters, wie es Jeffrey Gundlach – Verwalter eines 150-Milliarden-Dollar-Anleiheportfolios – formuliert hat.
„Jeffrey Gundlach sagt, das Anleihenzeitalter ist am Ende. Wir gehen ins Gold. Ray Dalio mit 100 Milliarden bei Bridgewater Associates sagt dasselbe. Wir erleben einen Shift raus aus US-Anleihen, rein ins Gold."
Die Zahlen untermauern diesen Trend eindrucksvoll. Selbst Goldman Sachs und JP Morgan haben ihre traditionelle 60/40-Allokation (60% Anleihen, 40% Aktien) umgestellt auf 60% Aktien, 20% Gold und 20% Anleihen. Wenn die größten Finanzinstitutionen der Welt Gold als strategische Anlageklasse entdecken, sollte das jeden Privatanleger aufhorchen lassen.
Besonders alarmierend: Die Idee des US-Finanzstrategen Stephen Myron, hundertjährige Anleihen zu 0% Zinsen auszugeben, kommt einer offenen Enteignung gleich. Wer kauft eine Anleihe, die erst in 100 Jahren zurückgezahlt wird – und das ohne jegliche Verzinsung? Die Antwort: Niemand, der bei Verstand ist. Und genau das treibt das große Geld ins physische Gold.
Die Dollar-Schwäche verstärkt diesen Trend zusätzlich und macht Edelmetalle für internationale Anleger noch attraktiver.
Goldpreis 10.000 Dollar? Die Mathematik dahinter
Prognosen von 10.000 oder gar 15.000 Dollar pro Unze Gold klingen auf den ersten Blick fantastisch. Doch die Herleitung ist nüchterner, als man denkt.
Zunächst die inflationsbereinigte Betrachtung: Das Goldhoch von 1980 lag bei rund 850 Dollar. Legt man eine durchschnittliche Inflationsrate von nur 3% zugrunde, entspräche das heute einem Preis von etwa 3.145 Dollar – ein Niveau, das Gold bereits überschritten hat. Beim Silber ergibt die gleiche Rechnung ausgehend vom 1980er-Hoch von 50 Dollar einen inflationsbereinigten Preis von 169 Dollar.
Noch dramatischer wird es bei der Allokationsbetrachtung:
- 1980 lag der durchschnittliche Goldanteil in institutionellen Portfolios bei 10 bis 15%
- Heute liegt die weltweite Goldallokation bei unter 1% – laut Alasdair Macleod sogar bei nur 0,5%
- Eine Erhöhung auf nur 1% würde 25.000 Tonnen zusätzliche Goldnachfrage erzeugen
- Die jährliche Goldminenproduktion liegt bei rund 3.500 Tonnen
Die Schlussfolgerung ist mathematisch zwingend: Selbst eine moderate Verschiebung der globalen Vermögensallokation in Richtung Gold würde den Preis in Sphären katapultieren, die heute noch utopisch erscheinen. Wer frühzeitig positioniert sein möchte, findet mit dem Gold Starter-Set einen niedrigschwelligen Einstieg.
Deutschlands Gold in den USA – ein Trauerspiel
Ein besonders pikantes Kapitel in der globalen Goldgeschichte schreibt ausgerechnet Deutschland. Von den ursprünglich über 1.750 Tonnen Gold, die in den USA lagerten, wurden mit Müh und Not 300 Tonnen zurückgeholt – ein Prozess, der Jahre dauerte. Für weitere 1.350 Tonnen wurde ein Auslieferungsgesuch gestellt.
„Wenn ich das schon höre – Auslieferungsgesuch! Das ist mein Gold. Da muss ich kein Gesuch stellen. Ich sage: Freunde, ich hol's jetzt ab. Finito. Warum dauert das drei Jahre, bis 300 Tonnen zurückkommen? Die sind nackt, sonst gar nichts. Sie haben es acht- und zehnmal verliehen."
Diese Einschätzung mag drastisch klingen, doch sie trifft den Kern des Problems. Wenn eine Nation ihr eigenes Gold nicht zeitnah zurückerhält, wirft das fundamentale Fragen über die tatsächliche Verfügbarkeit auf. Auch Simbabwes Experiment mit einer goldgedeckten Währung zeigt, dass das Vertrauen in ungedeckte Fiat-Währungen weltweit schwindet.
MicroStrategy und die Bitcoin-Warnung
Ein Blick über den Edelmetall-Tellerrand offenbart die Fragilität anderer vermeintlich sicherer Anlagen. MicroStrategy, der weltweit größte institutionelle Bitcoin-Halter mit 650.000 Bitcoins, ist mittlerweile weniger wert als seine Bitcoin-Bestände. Die Marktkapitalisierung von 45,7 Milliarden Dollar liegt 10,2 Milliarden unter dem Wert der gehaltenen Bitcoins.
Die Fakten sind ernüchternd:
- Die Aktie ist seit Oktober um 57% eingebrochen
- Erstmals räumt der CEO ein, dass Bitcoin-Verkäufe als letzter Ausweg in Betracht gezogen werden müssen
- In 44 Tagen entscheidet MSCI über einen möglichen Ausschluss aus dem globalen Aktienindex
- JP Morgan schätzt daraus resultierende Zwangsverkäufe von 8,8 Milliarden Dollar
Der Kontrast zu Gold könnte kaum größer sein. Während digitale Assets von Strom, Internetzugang und privaten Schlüsseln abhängen, ist Gold seit 6.000 Jahren ein verlässlicher Wertspeicher. Bezeichnenderweise kauft selbst der Stablecoin-Anbieter Tether (USDT) massiv Gold – 26 Tonnen allein im dritten Quartal 2025, mehr als jede einzelne Zentralbank. Insgesamt hält Tether bereits 105 Tonnen und plant, bis Sommer 2026 auf 145 Tonnen aufzustocken.
Was Anleger jetzt beachten sollten
Die Gemengelage ist eindeutig: Leere Lager, strukturelle Defizite, geopolitische Verschiebungen und ein bröckelndes Vertrauen in das westliche Finanzsystem treiben die Edelmetallpreise. Silber hat innerhalb einer Woche 11,5% im Euro zugelegt und notiert auf einem nominellen Allzeithoch.
Für Anleger ergeben sich daraus klare Handlungsoptionen:
- Einsteiger sollten zeitnah eine Grundposition aufbauen – etwa mit dem Gold Starterpaket S oder dem Krisenschutzpaket S
- Bestehende Positionen sollten bei Rücksetzern aufgestockt werden – Korrekturen sind Kaufgelegenheiten, keine Verkaufssignale
- Eine Diversifikation über verschiedene Edelmetalle ist sinnvoll: Wiener Philharmoniker, Känguru oder Britannia bieten bewährte Qualität
- Wer größere Summen allokieren möchte, findet im Krisenschutzpaket M eine durchdachte Zusammenstellung
Die Büchse der Pandora ist geöffnet
Was am 28. November 2025 begann, lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Die Welt hat begriffen, dass die Comex-Lager leer sind, dass Papiersilber kein echtes Silber ist und dass die jahrzehntelange Preismanipulation an ihre Grenzen stößt. Die Verschiebung der Preismacht von West nach Ost – von der Comex und LBMA zur Shanghai Gold Exchange – ist in vollem Gange.
Die Preisprognosen mögen ambitioniert klingen: 63 bis 127 Dollar für Silber, 9.250 bis möglicherweise 15.000 Dollar für Gold. Doch wer hätte vor zehn Jahren geglaubt, dass Bitcoin von 50 Cent auf 125.000 Dollar steigt? Der Unterschied: Gold und Silber sind keine digitalen Konstrukte. Sie sind real, physisch greifbar und seit Jahrtausenden bewährt.
Die Gold-Silber-Ratio, die aktuell bei etwa 73 liegt und aus einer dreijährigen Unterstützung nach unten ausgebrochen ist, signalisiert weiteres Aufholpotenzial für Silber. Historisch betrachtet lag dieses Verhältnis über Jahrtausende bei 1 zu 16. Die Rückkehr zu einem faireren Verhältnis würde bei einem Goldpreis von 5.000 Dollar einen Silberpreis von über 300 Dollar implizieren.
Eines steht fest: Die Edelmetallmärkte befinden sich in einer Phase fundamentaler Neubewertung. Wer jetzt handelt, positioniert sich für das, was Marktbeobachter als die größte Edelmetall-Rally der Geschichte bezeichnen. Wer wartet, riskiert, zu spät zu kommen – denn wenn die breite Masse aufwacht und die Allokation von 0,5% auf auch nur 2 oder 3% steigt, werden die Preise Niveaus erreichen, die heute noch als unmöglich gelten.
Exotischere Münzen wie der China Panda, der American Eagle oder die Lunar-Serie bieten dabei nicht nur Werterhalt, sondern auch Sammlerwert – eine zusätzliche Dimension, die in Zeiten steigender Edelmetallpreise nicht zu unterschätzen ist.



