
Von der Leyen umgeht das Parlament: EU-Mercosur-Deal soll ohne demokratische Legitimation in Kraft treten

Was sich derzeit in den BrĂŒsseler Hinterzimmern abspielt, dĂŒrfte selbst hartgesottene EU-Kritiker in Erstaunen versetzen. Die KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen plant offenbar, das umstrittene Handelsabkommen mit den Mercosur-Staaten in Kraft zu setzen â und zwar bevor das EuropĂ€ische Parlament ĂŒberhaupt darĂŒber abstimmen kann. Ein demokratischer Offenbarungseid sondergleichen.
Ein Vierteljahrhundert Verhandlungen â und nun der Schnellschuss
Nach mehr als 25 Jahren zĂ€her Verhandlungen haben die EU-Staaten am 9. Januar den Vertrag mit Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay mehrheitlich gebilligt. Doch die Abstimmung offenbarte tiefe Risse innerhalb der Gemeinschaft: Frankreich, Polen, Ungarn, Ăsterreich und Irland stimmten dagegen, Belgien enthielt sich. Von der Leyen sprach dennoch von einem âhistorischen Abkommen" und plant bereits fĂŒr den 17. Januar die feierliche Paraphierung in Paraguay.
Das Freihandelsabkommen wĂŒrde eine Wirtschaftszone von ĂŒber 700 Millionen Verbrauchern schaffen und langfristig die meisten Zölle auf beiden Seiten des Atlantiks abschaffen. Klingt zunĂ€chst verlockend â doch der Teufel steckt bekanntlich im Detail.
Frankreichs berechtigte Bedenken werden ignoriert
PrĂ€sident Emmanuel Macron brachte die Kritik auf den Punkt: Der wirtschaftliche Gewinn des Abkommens sei fĂŒr das französische und europĂ€ische Wachstum begrenzt. Er rechtfertige nicht, sensible und wesentliche Agrarsektoren der europĂ€ischen ErnĂ€hrungssouverĂ€nitĂ€t preiszugeben. Paris hatte bis zuletzt auf strengere Umwelt- und Schutzklauseln gedrĂ€ngt â vergeblich.
In mehreren EU-LĂ€ndern gingen Landwirte auf die StraĂen, um gegen das Abkommen zu protestieren. Ihre Sorgen sind berechtigt: Billige Agrarimporte aus SĂŒdamerika könnten die ohnehin gebeutelte europĂ€ische Landwirtschaft endgĂŒltig in den Ruin treiben. Doch solche Bedenken scheinen in BrĂŒssel niemanden zu interessieren.
Merz applaudiert â Deutschland als SteigbĂŒgelhalter
UnterstĂŒtzung erhĂ€lt die Kommission ausgerechnet aus Deutschland und Spanien. Bundeskanzler Friedrich Merz nannte das Abkommen auf der Plattform X âein starkes Signal unserer strategischen SouverĂ€nitĂ€t". Strategische SouverĂ€nitĂ€t? Man fragt sich unwillkĂŒrlich, wessen SouverĂ€nitĂ€t hier eigentlich gemeint ist â sicherlich nicht die der europĂ€ischen Bauern oder der nationalen Parlamente.
Die Angst vor dem Volkswillen
Der eigentliche Skandal liegt jedoch in der geplanten Vorgehensweise. Weil das EuropĂ€ische Parlament ĂŒber den Vertrag tief gespalten ist, fĂŒrchtet BrĂŒssel eine mögliche Ablehnung. Der Europaabgeordnete Pascal Canfin von Renew Europe brachte es auf den Punkt: Die Kommission habe groĂe Angst vor dem Ergebnis des Parlamentsvotums. Daher erwĂ€ge sie eine vorlĂ€ufige Anwendung des Vertrags, ohne auf das Votum der Abgeordneten zu warten.
Man muss sich diese Dreistigkeit auf der Zunge zergehen lassen: Eine nicht direkt gewĂ€hlte KommissionsprĂ€sidentin plant, ein weitreichendes Handelsabkommen am demokratisch legitimierten Parlament vorbei durchzudrĂŒcken. Das ist keine Demokratie mehr â das ist institutionalisierte Selbstherrlichkeit.
Die EU auf dem Weg zur Autokratie?
Die demokratische Gewaltenteilung in der EU scheint zunehmend zur Farce zu verkommen. Von der Leyen kontrolliert die Exekutive, hat erheblichen Einfluss auf die Legislative und prÀgt durch PersonalvorschlÀge auch die Judikative. Wenn nun auch noch fundamentale Handelsabkommen ohne parlamentarische Zustimmung in Kraft gesetzt werden können, stellt sich die berechtigte Frage: Was bleibt dann noch von der vielgepriesenen europÀischen Demokratie?
Die BĂŒrger Europas bleiben einmal mehr auĂen vor. Ihre Interessen, ihre Sorgen, ihre Existenzen â all das scheint in den klimatisierten BĂŒros der BrĂŒsseler BĂŒrokratie keine Rolle zu spielen. Stattdessen werden Fakten geschaffen, bevor unbequeme Fragen gestellt werden können.
Es ist höchste Zeit, dass die europĂ€ischen Völker aufwachen und sich gegen diese schleichende EntmĂŒndigung zur Wehr setzen. Denn wenn selbst das EuropĂ€ische Parlament â bei all seinen SchwĂ€chen â umgangen werden kann, dann ist der Weg in die Technokratie nicht mehr weit.










