
Venezuelas Öl-Bonanza: US-Konzerne zwischen Goldgräberstimmung und Investoren-Skepsis

Die Verlockung ist gewaltig, doch die Risiken sind es ebenso. Während Präsident Donald Trump amerikanische Ölkonzerne ins Weiße Haus einlädt, um über milliardenschwere Investitionen in Venezuela zu beraten, zeigen sich die Geldgeber der Branche deutlich zurückhaltender als die politische Rhetorik vermuten lässt.
Trumps Vision trifft auf nüchterne Realität
Energieminister Chris Wright wiederholte diese Woche auf einer Goldman-Sachs-Konferenz in Miami Trumps vollmundige Behauptung, amerikanische Ölfirmen stünden bereit, Milliarden in den Wiederaufbau der venezolanischen Ölwirtschaft zu pumpen. Die Ausgangslage scheint verlockend: Venezuela verfügt über die weltweit größten geschätzten Rohölreserven. Doch zwischen geologischem Potenzial und wirtschaftlicher Vernunft klafft ein gewaltiger Abgrund.
Die Investoren hinter den großen Ölkonzernen sehen die Sache deutlich nüchterner. David Byrns, Portfoliomanager bei American Century Investments – einem bedeutenden Anteilseigner von Chevron und Exxon Mobil – brachte die Bedenken auf den Punkt:
„Investoren werden langfristige Stabilität und günstige steuerliche Bedingungen sehen wollen, die vor dem Risiko einer Verstaatlichung schützen – etwas, das wir in Venezuela bereits erlebt haben."
Gebrannte Kinder scheuen das Feuer
Die Skepsis kommt nicht von ungefähr. Exxon und ConocoPhillips verließen das südamerikanische Land vor fast zwanzig Jahren, nachdem ihre Vermögenswerte unter der Maduro-Vorgängerregierung verstaatlicht wurden. Beiden Unternehmen schuldet Venezuela noch immer Milliarden Dollar. Auf privaten Treffen während der Miami-Konferenz machten Führungskräfte beider Konzerne eines unmissverständlich klar: Sie beabsichtigen nicht, überstürzte Entscheidungen zu treffen.
Matthew Sallee, Investmentchef bei Tortoise Capital und Chevron-Aktionär, formulierte die rote Linie seiner Firma unmissverständlich:
„Wenn Chevron sagt, wir werden mehrere Milliarden Dollar pro Jahr Venezuela widmen, würden wir wahrscheinlich verkaufen."
Die marode Infrastruktur als Achillesferse
Selbst Dienstleistungsunternehmen, die als erste von einem Venezuela-Boom profitieren würden, dämpfen die Erwartungen. Trey Adams, Präsident von Helmerich & Payne, betonte die Notwendigkeit des richtigen Timings und verlässlicher Partnerbeziehungen, bevor sein Unternehmen Bohrgeräte in die Region liefern würde.
Politische Instabilität als größtes Fragezeichen
Die zentrale Unsicherheit bleibt die politische Lage. Während Trump verkündet hat, die USA beabsichtigten Venezuela zu kontrollieren, ist völlig unklar, wie sich dies vor Ort gestalten wird. Außenminister Marco Rubio skizzierte einen Drei-Phasen-Plan: Stabilisierung, Erholungsphase mit Zugang für US-Ölkonzerne und schließlich ein Übergang. Doch wer die Übergangsperiode tatsächlich managen wird, bleibt die entscheidende Vorbedingung für Investoren.
Ali Moshiri, ehemaliger Chevron-Präsident für Afrika und Lateinamerika, plant zwar mit seiner neuen Firma Amos Global Energy den Markteintritt und führt bereits Gespräche über öffentliche Förderung. Doch auch er macht seine Pläne von einer klaren Entscheidung der US-Regierung über die Übergangsführung abhängig.
Druck aus Washington?
Eine weitere Sorge treibt die Branche um: Könnten Unternehmen, die sich einem schnellen Venezuela-Engagement verweigern, später Nachteile erleiden? Samantha Carl-Yoder von der Lobbyfirma Brownstein Hyatt Farber Schreck wirft unbequeme Fragen auf: Wird die Regierung Genehmigungen und Lizenzen als Druckmittel einsetzen? Werden finanzielle Anreize geboten?
Die Situation verdeutlicht einmal mehr, wie eng Wirtschaft und Politik in der Energiebranche verflochten sind. Für konservative Anleger, die auf Stabilität und Werterhalt setzen, zeigt sich hier erneut: Politische Unwägbarkeiten können selbst die vielversprechendsten Investitionen zunichtemachen. In solch unsicheren Zeiten bewähren sich physische Edelmetalle als krisenfeste Beimischung im Portfolio – unabhängig von den Launen wechselnder Regierungen.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist für seine Investitionsentscheidungen selbst verantwortlich und sollte vor einer Anlageentscheidung eigene Recherchen durchführen oder einen qualifizierten Finanzberater konsultieren.










