
US-Marine kapert fünften Öltanker: Washingtons Würgegriff um Venezuela verschärft sich dramatisch
Die amerikanische Seemacht demonstriert einmal mehr ihre globale Reichweite. In einer nächtlichen Operation haben Marines und Matrosen der Joint Task Force Southern Spear den Öltanker Olina in der Karibik aufgebracht – das fünfte Schiff innerhalb weniger Wochen, das im Rahmen der verschärften Blockade gegen venezolanisches Öl beschlagnahmt wurde. Die Aktion erfolgte vom Flugzeugträger USS Gerald R. Ford aus und verlief nach Angaben des US Southern Command „ohne Zwischenfälle".
Schattenflotte unter falscher Flagge
Die Olina segelte nach Informationen der Schifffahrtsdatenbank Equasis unter der Flagge von Timor-Leste – allerdings handelte es sich dabei um eine Fälschung. Das Schiff hatte Venezuela verlassen und war vollbeladen mit Rohöl in die Region zurückgekehrt. Brisant dabei: Der AIS-Standorttracker des Tankers war zuletzt vor 52 Tagen in der venezolanischen Wirtschaftszone nordöstlich von Curaçao aktiv, wie das britische Risikomanagement-Unternehmen Vanguard mitteilte.
Washington hatte die Olina bereits im Januar vergangenen Jahres unter dem Namen Minerva M mit Sanktionen belegt. Der Vorwurf: Das Schiff gehöre zur sogenannten Schattenflotte – jenen Tankern, die mit minimaler Regulierung und ohne bekannte Versicherung operieren und damit internationale Sanktionsregime systematisch unterlaufen.
Eine Flottille auf der Flucht
Die Beschlagnahmung der Olina reiht sich in eine Serie von Aktionen ein, die Washington seit der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro am 3. Januar intensiviert hat. Bereits früher in dieser Woche wurde die M Sophia aufgebracht, ein weiterer Tanker aus einer Flottille von etwa einem Dutzend Schiffen, die Venezuela Anfang des Monats verlassen hatten.
Drei vollbeladene Tanker – die Skylyn, Min Hang und Merope – kehrten am Donnerstag in venezolanische Gewässer zurück. Sieben weitere Schiffe derselben Flottille sollten am Freitag und Samstag folgen. Sämtliches Öl an Bord dieser zehn Tanker gehört dem staatlichen venezolanischen Ölkonzern PDVSA, der auf Anfragen bislang nicht reagierte.
Hegseth: Blockade gilt weltweit
Verteidigungsminister Pete Hegseth ließ keinen Zweifel an der Entschlossenheit der Trump-Administration aufkommen. Die Blockade gegen sanktioniertes venezolanisches Öl bleibe „überall auf der Welt" in vollem Umfang in Kraft, erklärte er am Mittwoch. Eine unmissverständliche Botschaft an alle, die glauben, amerikanische Sanktionen seien nur leere Drohungen.
„Einmal mehr haben unsere gemeinsamen Einsatzkräfte heute Morgen eine klare Botschaft gesendet: Es gibt keinen sicheren Hafen für Kriminelle."
So formulierte es das US Southern Command auf der Plattform X. Die Wortwahl ist bezeichnend – Washington behandelt den Handel mit venezolanischem Öl nicht als politisches Vergehen, sondern als kriminelle Handlung.
Geopolitisches Kräftemessen mit wirtschaftlichen Folgen
Die aggressive Durchsetzung der Sanktionen wirft Fragen auf, die weit über Venezuela hinausreichen. Amerikanische Ölunternehmen befinden sich in einem Spannungsfeld zwischen den Geschäftsmöglichkeiten, die sich in Venezuela bieten, und den Bedenken ihrer Investoren. Indiens Reliance Industries führt Berichten zufolge Gespräche über eine US-Genehmigung zum Kauf venezolanischen Öls – ein Zeichen dafür, dass der globale Ölmarkt trotz aller Sanktionen nach Wegen sucht, an die Ressourcen des südamerikanischen Landes zu gelangen.
Ob Washington auch gegen die übrigen Tanker vorgehen wird, die derzeit Kurs auf Venezuela nehmen, bleibt abzuwarten. Die Botschaft jedoch ist unmissverständlich: Die Vereinigten Staaten sind bereit, ihre wirtschaftliche und militärische Macht einzusetzen, um ihre geopolitischen Interessen durchzusetzen – koste es, was es wolle.










