
Ukrainische Drohnenexperten im Nahen Osten: Selenskyj macht Kriegserfahrung zur Handelsware
WĂ€hrend der Krieg in der Ukraine unvermindert andauert und das Land weiterhin auf westliche Hilfe angewiesen ist, hat Kiew offenbar ein lukratives GeschĂ€ftsmodell entdeckt: Die im Krieg gegen Russland gewonnene Expertise in der Drohnenabwehr wird nun an zahlungskrĂ€ftige Golfstaaten exportiert. PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj verkĂŒndete, dass bereits 228 ukrainische Spezialisten in fĂŒnf LĂ€nder des Nahen Ostens entsandt worden seien â in die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Katar, Kuwait und Jordanien.
Vom Kriegsschauplatz zum Berater der Golfmonarchien
Die Ironie der Geschichte könnte kaum gröĂer sein. Ein Land, das seit 2022 selbst unter permanentem Drohnenbeschuss leidet und auf Milliardenhilfen des Westens angewiesen ist, tritt nun als Sicherheitsdienstleister fĂŒr einige der reichsten Nationen der Erde auf. Der Hintergrund: Im Zuge des eskalierenden Iran-Konflikts sehen sich die Golfstaaten mit genau jenen Shahed-Drohnen konfrontiert, die Russland seit Jahren gegen die Ukraine einsetzt. Selenskyj erklĂ€rte selbstbewusst, niemand verfĂŒge ĂŒber eine vergleichbare Erfahrung wie die Ukraine in der Abwehr dieser Waffen.
Sein SicherheitsratssekretĂ€r Rustem Umerow bereiste innerhalb einer einzigen Woche alle fĂŒnf Staaten und sprach von âlangfristiger Sicherheitskooperation", ohne jedoch konkrete Details zu nennen. Die ukrainischen Einheiten wĂŒrden zunĂ€chst zivile und kritische Infrastruktur schĂŒtzen, wobei eine Ausweitung der Einsatzgebiete bereits geplant sei.
Das KalkĂŒl hinter dem Engagement
Selenskyj machte keinen Hehl daraus, was Kiew im Gegenzug erwartet: Geld und Technologie. Die Ukraine versucht, ihre im Krieg entwickelten Drohneninnovationen als strategisches Kapital einzusetzen â ein durchaus cleverer Schachzug, der allerdings auch Fragen aufwirft. Denn wĂ€hrend ukrainische Spezialisten im Nahen Osten Drohnen abfangen, fehlen diese Experten möglicherweise an der eigenen Front.
Besonders pikant ist die Beziehung zu Washington. Selenskyj behauptete, auch die USA hĂ€tten um Kiews Hilfe gebeten und ukrainische Spezialisten seien auf einen amerikanischen MilitĂ€rstĂŒtzpunkt in Jordanien entsandt worden. US-PrĂ€sident Donald Trump, dessen VerhĂ€ltnis zu Selenskyj bekanntlich alles andere als herzlich ist, wies dies umgehend zurĂŒck und bestritt, dass Washington auf ukrainische Hilfe bei der Drohnenabwehr angewiesen sei.
Ein 50-Milliarden-Dollar-Deal als Fernziel
Seit ĂŒber einem Jahr versucht die Ukraine, ein umfassendes Drohnen-Kooperationspaket mit den Vereinigten Staaten im Wert von bis zu 50 Milliarden Dollar abzuschlieĂen. Im Kern geht es darum, die im Krieg erprobten Technologien â insbesondere Marinedrohnen und Langstreckendrohnen â gegen amerikanische Investitionen zu tauschen. Gemeinsame Drohnenproduktionen unterhĂ€lt Kiew bereits mit Deutschland, GroĂbritannien, DĂ€nemark und den Niederlanden; mit Norwegen soll eine weitere Kooperation anlaufen.
Man muss Selenskyj zugutehalten, dass er aus der Not eine Tugend macht. Doch die Frage bleibt, ob diese Strategie langfristig aufgeht oder ob sich die Ukraine damit in ein Geflecht aus AbhĂ€ngigkeiten und Verpflichtungen begibt, das am Ende mehr schadet als nĂŒtzt. Knapp 60.000 Shahed-Drohnen hat Russland bislang auf die Ukraine abgefeuert â zunĂ€chst aus iranischer Produktion, mittlerweile in Lizenz selbst hergestellt. Die Ukraine hat ihrerseits Drohnenangriffe auf russisches Territorium geflogen, wenn auch in deutlich geringerem Umfang.
Was bedeutet das fĂŒr Europa und Deutschland?
FĂŒr Deutschland und Europa sollte diese Entwicklung ein Weckruf sein. WĂ€hrend die Ukraine ihre Drohnentechnologie weltweit vermarktet, hinkt die europĂ€ische Verteidigungsindustrie in diesem Bereich dramatisch hinterher. Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hat zwar ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen auf den Weg gebracht, doch ob davon genĂŒgend in zukunftsweisende Verteidigungstechnologien flieĂt, darf bezweifelt werden. Die Golfstaaten verfĂŒgen ĂŒber hochmoderne amerikanische Luftabwehrsysteme â und dennoch reichen diese nicht aus, um SchwĂ€rme billiger Kamikaze-Drohnen effektiv zu bekĂ€mpfen. Die Munition fĂŒr konventionelle Abwehrsysteme ist knapp und um ein Vielfaches teurer als die angreifenden Drohnen selbst.
Die Lehre aus all dem ist so simpel wie unbequem: Asymmetrische KriegsfĂŒhrung mit kostengĂŒnstigen Drohnen hat das Schlachtfeld fundamental verĂ€ndert. Wer in dieser neuen RealitĂ€t nicht abgehĂ€ngt werden will, muss investieren â und zwar nicht in ideologische Luftschlösser, sondern in handfeste VerteidigungsfĂ€higkeiten. Die Ukraine hat das begriffen. Die Frage ist, ob Europa nachzieht, bevor es zu spĂ€t ist.
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