Kettner Edelmetalle
08.03.2026
16:45 Uhr

Ukraine bietet Golfstaaten Drohnen-Expertise an – Selenskyj sucht strategischen Tauschhandel

Die Ukraine positioniert sich zunehmend als gefragter Partner im Bereich der Drohnenabwehr. PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj kĂŒndigte an, dass ukrainische Drohnenexperten bereits ab der kommenden Woche in den Nahen Osten reisen wĂŒrden, um die Golfstaaten beim Abfangen iranischer Kampfdrohnen zu unterstĂŒtzen. Die AnkĂŒndigung erfolgte nach einem Treffen mit dem niederlĂ€ndischen Regierungschef Rob Jetten in Kiew.

Kriegserfahrung als Exportgut

Der Hintergrund dieses Angebots ist so pragmatisch wie aufschlussreich. Die Ukraine hat im Verlauf des nun seit ĂŒber drei Jahren andauernden Krieges gegen Russland umfangreiche Erfahrungen bei der Abwehr iranischer Schahed-Drohnen gesammelt. Moskau setzt diese vergleichsweise gĂŒnstigen Kampfdrohnen nahezu tĂ€glich gegen ukrainische Ziele ein. Aus dieser bitteren Notwendigkeit heraus hat Kiew eine Reihe kostengĂŒnstiger und dennoch effektiver Abfangdrohnen entwickelt, die nun auch fĂŒr andere Staaten von Interesse sein könnten.

„Sie werden sich die Situation anschauen und helfen", erklĂ€rte Selenskyj. Er betonte, dass er sich wĂŒnsche, dies möge eine Chance fĂŒr beide Seiten darstellen. Bereits am 3. MĂ€rz hatte der ukrainische PrĂ€sident den US-VerbĂŒndeten in der Golfregion vorgeschlagen, im Gegenzug fĂŒr Luftabwehrraketen ukrainische Abfangdrohnen zu liefern.

Ein strategisches KalkĂŒl mit doppeltem Boden

Hinter dem Angebot steckt ein handfestes strategisches Interesse. Die Ukraine leidet unter einem erheblichen Mangel an den teuren PAC-3-Raketen aus US-amerikanischer Produktion, die fĂŒr das Patriot-Luftabwehrsystem benötigt werden. Sollte sich der Konflikt zwischen den USA und dem Iran weiter in die LĂ€nge ziehen, dĂŒrften sich diese EngpĂ€sse nach EinschĂ€tzung Kiews noch deutlich verschĂ€rfen – schließlich beanspruchen dann auch die Golfstaaten verstĂ€rkt westliche LuftabwehrkapazitĂ€ten.

Selenskyj argumentiert, seine Abfangdrohnen wĂŒrden den Golfstaaten einen besseren und vor allem gĂŒnstigeren Schutz vor den iranischen Schahed-Drohnen bieten als konventionelle Luftabwehrraketen. Das Kosten-Nutzen-VerhĂ€ltnis spricht tatsĂ€chlich fĂŒr diesen Ansatz: Eine einzelne Patriot-Rakete kostet ein Vielfaches dessen, was eine Abfangdrohne ukrainischer Bauart verschlingt.

Offizielle BestÀtigung steht noch aus

Bemerkenswert ist allerdings, dass bislang weder von US-amerikanischer Seite noch von den Golfstaaten eine offizielle BestÀtigung vorliegt, dass die Ukraine tatsÀchlich um Hilfe gebeten wurde. Es handelt sich demnach zunÀchst um ein einseitiges Angebot Kiews, das freilich in der aktuellen geopolitischen Lage durchaus auf fruchtbaren Boden fallen könnte.

Die Entwicklung zeigt einmal mehr, wie der Ukraine-Krieg die globalen Sicherheitsarchitekturen verschiebt. Ein Land, das selbst dringend auf militĂ€rische UnterstĂŒtzung angewiesen ist, versucht sich nun als Exporteur von Verteidigungstechnologie zu etablieren. Ob dieser Tauschhandel tatsĂ€chlich zustande kommt, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch: Die Drohnentechnologie hat sich in den vergangenen Jahren zum entscheidenden Faktor moderner KriegsfĂŒhrung entwickelt – und die Ukraine verfĂŒgt auf diesem Gebiet ĂŒber einen Erfahrungsschatz, den kaum ein anderes Land vorweisen kann.

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