Kettner Edelmetalle
10.07.2025
06:55 Uhr

Trumps Zollkeule trifft Brasilien mit voller Wucht – EU vorerst verschont

Die Handelspolitik des wiedergewĂ€hlten US-PrĂ€sidenten Donald Trump nimmt immer schĂ€rfere Konturen an. WĂ€hrend die EuropĂ€ische Union vorerst aufatmen kann, mĂŒssen andere LĂ€nder mit drastischen Strafzöllen rechnen. Besonders hart trifft es Brasilien – mit beispiellosen 50 Prozent auf alle Importe. Doch hinter dieser Entscheidung steckt mehr als nur Wirtschaftspolitik.

Politische Rache als Handelsinstrument?

Was Trumps Brief an den brasilianischen PrĂ€sidenten Luiz InĂĄcio Lula da Silva so brisant macht, ist die unverhohlene Vermischung von Handelspolitik mit innenpolitischen Angelegenheiten eines souverĂ€nen Staates. Trump wirft Brasilien vor, zu einer "internationalen Schande" zu werden – nicht etwa wegen Menschenrechtsverletzungen oder Umweltzerstörung, sondern wegen des laufenden Prozesses gegen seinen politischen VerbĂŒndeten Jair Bolsonaro.

Der ehemalige brasilianische PrĂ€sident, oft als "Trump der Tropen" bezeichnet, steht wegen angeblicher Wahlmanipulation und eines mutmaßlichen Putschversuchs vor Gericht. Trump bezeichnet diese juristischen Verfahren als "Hexenjagd" und fordert deren sofortige Einstellung. Die Botschaft ist unmissverstĂ€ndlich: Wer Trumps Freunde verfolgt, zahlt einen hohen wirtschaftlichen Preis.

Die neue Zolllandkarte der Welt

Die Liste der betroffenen LĂ€nder liest sich wie ein Who's Who der SchwellenlĂ€nder und strategischen Partner. Von Algerien ĂŒber Indonesien bis zu den Philippinen – ĂŒberall sollen ab dem 1. August Strafzölle zwischen 20 und 50 Prozent greifen. Besonders pikant: Viele dieser LĂ€nder haben gar kein Handelsdefizit mit den USA. Brasilien etwa erzielte 2024 sogar einen HandelsĂŒberschuss von 7,4 Milliarden Dollar zugunsten der Vereinigten Staaten.

Die BegrĂŒndungen fĂŒr die Zölle variieren stark. WĂ€hrend bei manchen LĂ€ndern das Handelsdefizit als Argument herhalten muss, geht es bei anderen offenbar um geopolitische Machtspiele. Die BRICS-Staaten – Brasilien, Russland, Indien, China und SĂŒdafrika – könnten sogar mit zusĂ€tzlichen zehn Prozent Strafzöllen belegt werden, weil sie es wagen, ĂŒber Alternativen zum US-Dollar als LeitwĂ€hrung nachzudenken.

Kupfer als strategische Waffe

Besonders bemerkenswert ist Trumps AnkĂŒndigung, pauschal 50 Prozent Zölle auf alle Kupferimporte zu erheben. Seine BegrĂŒndung klingt martialisch: Kupfer sei das "zweitwichtigste Material des Verteidigungsministeriums". Amerika werde wieder eine "DOMINANTE Kupferindustrie" aufbauen – in Großbuchstaben, versteht sich.

Diese Entscheidung könnte weitreichende Folgen haben. Kupfer ist essentiell fĂŒr die Elektroindustrie, den Bausektor und die Energiewende. Höhere Kupferpreise wĂŒrden nicht nur die amerikanische Industrie belasten, sondern auch Verbraucher treffen. Doch Trump scheint bereit, diesen Preis fĂŒr seine Vision einer autarken amerikanischen Wirtschaft zu zahlen.

Europa im Auge des Sturms

Dass die EU bislang von neuen Zöllen verschont bleibt, dĂŒrfte in BrĂŒssel nur fĂŒr verhaltene Erleichterung sorgen. Die Drohkulisse steht, und Trump hat bereits angekĂŒndigt, weitere Briefe zu veröffentlichen. Die europĂ€ische Wirtschaft, ohnehin gebeutelt von hausgemachten Problemen wie der gescheiterten Energiewende und ĂŒberbordender BĂŒrokratie, kann sich neue Handelshemmnisse kaum leisten.

Die deutsche Exportwirtschaft zeigt bereits SchwĂ€chezeichen. Die Ausfuhren in die USA schrumpften zuletzt deutlich – und das noch ohne neue Zölle. Sollte Trump auch Europa ins Visier nehmen, könnte das der deutschen Wirtschaft den Rest geben. Besonders bitter: WĂ€hrend die Große Koalition unter Friedrich Merz vollmundig von Wirtschaftswachstum spricht, fehlen konkrete Maßnahmen zur StĂ€rkung der WettbewerbsfĂ€higkeit.

Die neue Weltordnung des Protektionismus

Trumps Zollpolitik markiert einen fundamentalen Bruch mit der jahrzehntelangen Freihandelsdoktrin. Statt auf Kooperation setzt er auf Konfrontation, statt auf Multilateralismus auf bilaterale Deals unter Androhung wirtschaftlicher Vergeltung. Diese "America First"-Politik mag kurzfristig populÀr sein, langfristig schadet sie jedoch allen Beteiligten.

Besonders perfide ist die Vermischung von Handelspolitik mit innenpolitischen Forderungen, wie im Fall Brasiliens. Wenn Handelsbeziehungen zur Geisel politischer LoyalitĂ€t werden, untergrĂ€bt das die Grundlagen der internationalen Ordnung. Andere LĂ€nder könnten diesem Beispiel folgen – mit unabsehbaren Folgen fĂŒr den Welthandel.

FĂŒr Anleger bedeutet diese Entwicklung vor allem eines: erhöhte Unsicherheit. Wenn Zölle willkĂŒrlich verhĂ€ngt und politisch motiviert eingesetzt werden, wird langfristige Planung zur GlĂŒckssache. In solchen Zeiten gewinnen krisensichere Anlagen an Bedeutung – allen voran physische Edelmetalle, die unabhĂ€ngig von politischen Launen ihren Wert behalten.

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Magazin
19.03.2025
14 Min.

Wer ist: Dirk MĂŒller

Dirk MĂŒller ist als Börsenmakler das Gesicht der Frankfurter Börse im Fernsehen und mittlerweile auch in Social Media. ZufĂ€llig immer im Bild unter der Kursanzeige auf dem Börsenparkett gewesen, wurd