
Tragödie von Crans-Montana: Barbetreiber in Untersuchungshaft – Behördenversagen rückt in den Fokus
Die Silvesternacht 2025 sollte für Hunderte junge Menschen ein rauschendes Fest werden. Stattdessen endete sie in einer der schlimmsten Brandkatastrophen, die die Schweiz je erlebt hat. 40 Tote, darunter Jugendliche ab 14 Jahren, 116 Verletzte – und nun sitzt einer der Barbetreiber hinter Gittern. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis hat Untersuchungshaft gegen den französischen Staatsbürger Jacques Moretti verhängt. Der Grund: akute Fluchtgefahr.
Sechs Stunden Verhör – dann klickten die Handschellen
Nach einer mehr als sechsstündigen Befragung in Sitten fiel die Entscheidung. Der Betreiber der Bar "Le Constellation" wird sich nun aus der Untersuchungshaft heraus den schwerwiegenden Vorwürfen stellen müssen. Fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Brandstiftung – die Liste der Anschuldigungen ist lang und die Beweislast scheint erdrückend.
Dass Moretti und seine Mitbetreiberin Jessica Moretti zunächst auf freiem Fuß blieben, hatte in der Öffentlichkeit für erhebliche Empörung gesorgt. Wie konnte es sein, dass nach einer solchen Katastrophe die mutmaßlich Verantwortlichen tagelang unbehelligt blieben? Die Behörden reagierten offensichtlich auf den wachsenden öffentlichen Druck.
Partyfontänen als tödliche Brandbeschleuniger
Die ersten Ermittlungsergebnisse zeichnen ein erschreckendes Bild von Leichtsinn und mangelnder Sorgfalt. Funkenflug von sogenannten Partyfontänen an Champagnerflaschen soll auf eine brennbare Deckenverkleidung übergesprungen sein. Was als glamouröser Silvester-Effekt gedacht war, verwandelte sich binnen Sekunden in ein tödliches Inferno. Die Frage drängt sich auf: Wer hat diese gefährliche Kombination aus Pyrotechnik und brennbaren Materialien zugelassen?
Behördenversagen: Letzte Kontrolle im Jahr 2019
Besonders brisant ist das Eingeständnis der örtlichen Behörden, dass die Bar zuletzt vor mehr als sechs Jahren kontrolliert wurde. Sechs Jahre, in denen offenbar niemand nach dem Rechten sah. Sechs Jahre, in denen möglicherweise Sicherheitsstandards vernachlässigt wurden. Dieses Versäumnis wirft ein bezeichnendes Licht auf den Zustand der behördlichen Aufsicht – nicht nur in der Schweiz, sondern exemplarisch für viele westliche Länder, in denen Bürokratie und Personalmangel zu gefährlichen Lücken in der Sicherheitsüberwachung führen.
Schweizer Fußball trauert um neun junge Spieler
Die Dimension dieser Tragödie wird erst vollständig greifbar, wenn man die Opfer nicht als bloße Zahlen betrachtet. Der Schweizerische Fußballverband teilte mit, dass neun junge Spieler aus drei Westschweizer Vereinen ihr Leben verloren haben. Weitere wurden schwer verletzt. Ganze Mannschaften sind traumatisiert, Familien zerstört, Gemeinden in tiefe Trauer gestürzt.
Die Angehörigen der Opfer haben inzwischen rechtliche Schritte eingeleitet und beteiligen sich als Kläger an den Ermittlungen. Sie machen nicht nur die Barbetreiber, sondern auch andere Verantwortliche für das Unglück verantwortlich. Die Frage nach der Mitschuld der Behörden, die ihre Kontrollpflichten offensichtlich sträflich vernachlässigt haben, wird dabei eine zentrale Rolle spielen.
Ein Mahnmal für versagende Strukturen
Diese Katastrophe ist mehr als ein tragischer Einzelfall. Sie ist ein Symptom für ein System, das an vielen Stellen versagt. Wenn Sicherheitskontrollen über Jahre ausbleiben, wenn brennbare Materialien in Kombination mit Pyrotechnik verwendet werden dürfen, wenn Notausgänge möglicherweise nicht den Vorschriften entsprechen – dann ist das kein Zufall, sondern strukturelles Versagen.
Die Ermittlungen werden zeigen, wer letztlich die Verantwortung für diese 40 Toten trägt. Doch eines steht bereits fest: Das Vertrauen in behördliche Aufsicht und unternehmerische Sorgfaltspflicht hat in dieser Silvesternacht einen schweren Schlag erlitten. Die Opfer von Crans-Montana verdienen Gerechtigkeit – und die Gesellschaft verdient Antworten darauf, wie solche Tragödien in Zukunft verhindert werden können.










