Kettner Edelmetalle
12.02.2026
14:23 Uhr

SĂŒdamerika als Rohstoff-Festung des Westens: Warum der Kontinent zum strategischen Trumpf wird

WĂ€hrend sich die geopolitischen Verwerfungen zwischen Ost und West immer weiter vertiefen und der Kampf um kritische Rohstoffe lĂ€ngst zu einem Schlachtfeld der GroßmĂ€chte geworden ist, rĂŒckt ein Kontinent in den Fokus westlicher Strategen: SĂŒdamerika. Eine neue Analyse des Risikoberatungsunternehmens Verisk Maplecroft kommt zu dem Schluss, dass die Region die stabilste und politisch tragfĂ€higste Option fĂŒr westliche Nationen darstelle, die ihre AbhĂ€ngigkeit von China bei kritischen Mineralien reduzieren wollen.

Der stille Krieg um Lithium, Kupfer und Seltene Erden

Die Studie erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem die Vereinigten Staaten unter PrĂ€sident Trump und ihre VerbĂŒndeten ihre BemĂŒhungen massiv verstĂ€rken, die Versorgung mit Lithium, Kupfer, Kobalt, Nickel, Graphit und Seltenen Erden zu sichern. Die Triebfedern sind offensichtlich: technologische AbhĂ€ngigkeit von Peking, fragile Lieferketten und eine Geopolitik, die sich in atemberaubendem Tempo verschiebt. Washington plant demnach die Ausweitung strategischer VorrĂ€te, und ein ambitionierter Zusammenschluss von 55 LĂ€ndern soll einen bevorzugten Handelsblock fĂŒr kritische Mineralien etablieren.

Man muss kein Geostratege sein, um zu erkennen, dass hier ein fundamentaler Paradigmenwechsel stattfindet. Jahrzehntelang hat der Westen – geblendet von billigen Importen und der Illusion grenzenloser Globalisierung – seine Rohstoffversorgung strĂ€flich vernachlĂ€ssigt. Nun, da China den WĂŒrgegriff um die Lieferketten immer enger zieht, erwacht man aus dem Dornröschenschlaf. Besser spĂ€t als nie, möchte man meinen.

Argentinien, Brasilien, Chile und Peru als StabilitÀtsanker

Verisk Maplecroft bewertete zehn SchwellenlĂ€nder mit bedeutenden Rohstoffreserven anhand seines Resource Nationalism Index und politischer Risikodaten. Das Ergebnis ist eindeutig: Argentinien, Brasilien, Chile und Peru stechen hervor, weil sie große Rohstoffvorkommen mit vergleichsweise moderaten staatlichen Eingriffen und politischen Risiken kombinieren. Andere untersuchte LĂ€nder – darunter die Demokratische Republik Kongo, Indien, Indonesien, Madagaskar, die Philippinen und Tansania – schneiden deutlich schlechter ab.

„Was SĂŒdamerika unterscheidet, ist nicht das Ausmaß der Reserven, sondern die Verteilung des Risikos", erklĂ€rte Jimena Blanco, Chefanalystin bei Verisk Maplecroft. Die Produzenten der Region wĂŒrden durchgĂ€ngig große Vorkommen technologiekritischer Mineralien mit vergleichsweise moderatem Ressourcennationalismus und politischem Risiko verbinden.

Die Anden als risikoarme Zone

Besonders bemerkenswert: Die meisten sĂŒdamerikanischen Produzenten gehören nicht zu den weltweit risikoreichsten Jurisdiktionen in Sachen Ressourcennationalismus. Peru, Chile und Argentinien zĂ€hlen zu den stĂ€rksten Performern weltweit, wĂ€hrend der Kongo, Indonesien und Tansania unter den 20 am stĂ€rksten exponierten LĂ€ndern von 198 bewerteten Staaten rangieren. Ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Geopolitische Ausrichtung: Wer steht auf welcher Seite?

Die Studie rĂ€umt auch mit Annahmen ĂŒber die geopolitische Ausrichtung auf. Mithilfe eines Geopolitical Alignment Tools, das Faktoren wie UN-Abstimmungsverhalten, Handelsabkommen und Sicherheitspartnerschaften erfasst, stellte Verisk Maplecroft fest, dass die meisten der zehn analysierten LĂ€nder auf der prowestlichen oder neutralen Seite des Spektrums stehen. Argentinien und die Philippinen wĂŒrden als enge US-VerbĂŒndete gelten, wĂ€hrend Chile, Madagaskar und Indien strategische Übereinstimmungen aufwiesen. Peru und Indonesien seien weitgehend neutral. Lediglich Brasilien, Tansania und der Kongo neigten stĂ€rker zu Washington-Rivalen – vor allem aufgrund engerer Beziehungen zu geopolitischen Gegenspielern der USA.

Die Überschneidung von betrĂ€chtlichen Reserven, handhabbarem politischem Risiko und gĂŒnstiger geopolitischer Ausrichtung mache SĂŒdamerika zum Dreh- und Angelpunkt westlicher Diversifizierungsstrategien, so der Bericht.

Europa schlĂ€ft – wieder einmal

Was bedeutet das fĂŒr Deutschland und Europa? WĂ€hrend die USA unter Trump mit charakteristischer Entschlossenheit strategische Rohstoffreserven aufbauen und bilaterale Kooperationsrahmen schmieden – wie etwa das im Dezember 2025 mit dem Kongo lancierte Strategic Minerals Cooperation Framework –, tut sich die EU mit dem ĂŒblichen bĂŒrokratischen Schneckentempo hervor. Zwar hat BrĂŒssel ein Freihandelsabkommen mit Indien geschlossen, das teilweise an Ambitionen bei Seltenen Erden geknĂŒpft sei, doch von einer kohĂ€renten, durchsetzungsfĂ€higen Rohstoffstrategie kann kaum die Rede sein.

Deutschland, das sich unter der neuen Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD eigentlich der wirtschaftlichen StĂ€rke verschrieben hat, mĂŒsste hier deutlich aggressiver vorgehen. Die AbhĂ€ngigkeit von chinesischen Lieferketten ist nicht nur ein wirtschaftliches, sondern ein sicherheitspolitisches Risiko ersten Ranges. Wer die Kontrolle ĂŒber kritische Rohstoffe verliert, verliert langfristig auch die Kontrolle ĂŒber seine technologische SouverĂ€nitĂ€t – und damit ĂŒber seine Zukunft.

Rohstoffe als das neue Gold der Geopolitik

„Die Sicherung technologiekritischer Mineralien ist nicht mehr nur eine wirtschaftliche Herausforderung", brachte es Blanco auf den Punkt. „Das Rennen wird nicht von dem gewonnen, der Risiken eliminiert, sondern von dem, der sie besser managt als die Konkurrenz." Ein Satz, der wie ein Weckruf klingen sollte – insbesondere fĂŒr europĂ€ische EntscheidungstrĂ€ger, die sich allzu oft in ideologischen Debatten ĂŒber KlimaneutralitĂ€t und Gendersternchen verlieren, statt die harten geopolitischen RealitĂ€ten anzuerkennen.

In einer Welt, in der Rohstoffe zunehmend als geopolitische Waffe eingesetzt werden, gewinnt auch die Frage der Vermögenssicherung fĂŒr den einzelnen BĂŒrger an Brisanz. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber – deren Preise nicht zufĂ€llig auf historischen HöchststĂ€nden notieren – bleiben in diesem Umfeld ein bewĂ€hrter Anker der StabilitĂ€t. Wer sein Portfolio gegen die UnwĂ€gbarkeiten einer zunehmend fragmentierten Weltwirtschaft absichern möchte, tut gut daran, physische Edelmetalle als festen Bestandteil seiner Vermögensstrategie zu betrachten.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Information und spiegeln die Meinung unserer Redaktion wider. Jeder Anleger ist selbst dafĂŒr verantwortlich, eigene Recherchen durchzufĂŒhren und gegebenenfalls professionelle Beratung einzuholen, bevor er Anlageentscheidungen trifft. Eine Haftung fĂŒr etwaige Verluste, die aus der Nutzung der hier bereitgestellten Informationen entstehen, wird ausdrĂŒcklich ausgeschlossen.

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