Kettner Edelmetalle
09.01.2026
12:34 Uhr

Sturmtief „Elli" legt Deutschland lahm: Tote auf den Straßen, Chaos auf den Schienen

Sturmtief „Elli" legt Deutschland lahm: Tote auf den Straßen, Chaos auf den Schienen

Deutschland versinkt im Schnee – und mit ihm offenbar auch die Fähigkeit dieses Landes, mit winterlichen Verhältnissen umzugehen. Das Sturmtief „Elli" hat am Freitag weite Teile der Republik in ein Verkehrschaos gestürzt, das seinesgleichen sucht. Während andere Nationen bei zwanzig Zentimetern Neuschnee allenfalls mit den Schultern zucken, bricht hierzulande die kritische Infrastruktur zusammen wie ein Kartenhaus im Herbstwind.

Bahnverkehr im Norden vollständig eingestellt

Die Deutsche Bahn hat den Fernverkehr im gesamten Norden Deutschlands komplett eingestellt. Hannover, eines der wichtigsten Drehkreuze des deutschen Schienennetzes, ist „bis auf Weiteres" vom Fernverkehr abgeschnitten. Die Auswirkungen reichen weit über die unmittelbar betroffenen Regionen hinaus: Strecken von Berlin nach Nordrhein-Westfalen und zwischen der Hauptstadt und Hamburg sind ebenfalls betroffen.

Die offizielle Begründung der Bahn klingt fast schon zynisch: Die Einstellung sei „notwendig, um Fahrgäste, Mitarbeitende und Fahrzeuge zu schützen". Man fragt sich unwillkürlich, ob nicht auch eine bessere Vorbereitung auf winterliche Verhältnisse zum Schutz der Fahrgäste beitragen könnte. Schließlich ist es nicht das erste Mal, dass Schneefall den deutschen Bahnverkehr in die Knie zwingt.

Regionalverkehr ebenfalls massiv betroffen

Doch nicht nur der Fernverkehr liegt darnieder. Die S-Bahn Hannover stellte den Betrieb vollständig ein, in Hamburg kämpfen alle S-Bahn-Linien mit erheblichen Einschränkungen. In Bremen fahren keine Busse mehr. Der niedersächsische Regionalbahnbetreiber Metronom spricht von „sehr hohen Verspätungen und zahlreichen Zugausfällen" – eine Situation, die voraussichtlich bis zum Nachmittag andauern werde.

Auch in Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein müssen Pendler mit Verspätungen und Ausfällen rechnen. Es ist ein Bild des Versagens, das sich quer durch die Republik zieht.

Tödliche Unfälle auf glatten Straßen

Während der Bahnverkehr zum Erliegen kommt, fordert das Winterwetter auf den Straßen bereits Menschenleben. Bei Reisbach in Niederbayern starben ein 27-jähriger Autofahrer und sein 18-jähriger Beifahrer, als ihr Fahrzeug vermutlich witterungsbedingt ins Schleudern geriet und mit einem entgegenkommenden Auto kollidierte. Zwei junge Leben, ausgelöscht durch Straßenglätte.

Aus ganz Bayern meldete die Polizei dutzende Unfälle. Auch in Baden-Württemberg, Hessen und Thüringen kam es zu zahlreichen Zusammenstößen. Die Polizei im niedersächsischen Cuxhaven bezeichnete die Lage als „sehr angespannt" – die Sichtweite betrage teils nur wenige Meter bei starken Schneeverwehungen.

Autobahnen gesperrt, Lastwagen stecken fest

Auf mehreren Autobahnen kam es zu längeren Sperrungen: Die A1 und A24 in Schleswig-Holstein, die A9 und A72 in Sachsen sowie die A70 in Bayern waren zeitweise nicht befahrbar. Vielerorts blieben Lastwagen stecken oder rutschten in Leitplanken – ein alltägliches Bild, wenn der Winter Deutschland überrascht, als käme er völlig unerwartet.

Schulen geschlossen, Veranstaltungen abgesagt

In Hamburg, Niedersachsen, Bremen und den meisten Teilen Schleswig-Holsteins fiel der Präsenzunterricht aus. Parks, Zoos und Friedhöfe blieben vorsorglich geschlossen. Auch der Flugverkehr war betroffen – der Hamburger Flughafen warnte vor „Einschränkungen und Verzögerungen".

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) bezeichnete die Lage als teils „sehr ernst", betonte aber gleichzeitig, dass Räumdienste, Bahn und Straßenmeistereien „sehr gut vorbereitet" seien. Eine Einschätzung, die angesichts des flächendeckenden Chaos zumindest fragwürdig erscheint.

Ein Land, das den Winter verlernt hat

Was sagt es über den Zustand unserer Infrastruktur aus, wenn bis zu zwanzig Zentimeter Neuschnee ausreichen, um das öffentliche Leben weitgehend lahmzulegen? In Hamburg waren mehr als 700 Mitarbeiter der Stadtreinigung mit 360 Fahrzeugen im Großeinsatz – und dennoch reichte es nicht, um den Verkehr aufrechtzuerhalten.

Die Meteorologen prognostizieren zwar ein Nachlassen der Schneefälle im Laufe des Freitags, doch die Gefahr massiver Schneeverwehungen soll erst in der Nacht sinken. Bis dahin bleibt den Bürgern nur der dringende Rat der Behörden: Möglichst zu Hause bleiben. Ein Armutszeugnis für ein Land, das sich einst als Industrienation verstand.

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