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09.01.2026
07:00 Uhr

Sturmtief „Elli" legt Deutschland lahm: Schulen dicht, Züge stehen still

Sturmtief „Elli" legt Deutschland lahm: Schulen dicht, Züge stehen still

Der Winter zeigt sich von seiner unbarmherzigen Seite. Sturmtief „Elli" hat Deutschland fest im Griff und sorgt für chaotische Zustände im ganzen Land. Was der Deutsche Wetterdienst prognostiziert hatte, ist nun bittere Realität geworden: Bis zu 20 Zentimeter Neuschnee, spiegelglatte Straßen und ein Verkehrssystem, das an seine Grenzen stößt.

Schneemassen und Eisglätte: Der DWD warnt eindringlich

Die Meteorologen in Offenbach sprechen Klartext. Von Südwesten her ziehen kräftige Schneefälle auf, die sich bis zur Elbe ausbreiten werden. Besonders bedrohlich: Der stürmische Ostwind sorgt für Schneeverwehungen, die den Verkehr massiv behindern können. In einem breiten Streifen von der Nordsee bis in den Osten Deutschlands werden verbreitet 10 bis 15 Zentimeter Neuschnee erwartet.

Die sogenannten Staulagen der Mittelgebirge trifft es am härtesten. An den windwärts gelegenen Berghängen können bis zu 20 Zentimeter des weißen Niederschlags fallen. Das Tückische dabei: Ein Großteil des Schnees fällt innerhalb von nur drei bis sechs Stunden – der DWD spricht von gebietsweisem Unwetter.

Chaos auf den Straßen: Erste Unfälle bereits gemeldet

Die Warnungen vor spiegelglatten Straßen sind keine leeren Worte. In Baden-Württemberg rutschte bereits ein Bus einen Hang hinunter, drei Menschen wurden dabei leicht verletzt. Auf der Autobahn 7 im unterfränkischen Landkreis Bad Kissingen fuhren sich etwa zwei Dutzend Lastwagen auf der schneebedeckten Fahrbahn fest. Das Technische Hilfswerk musste in der Nacht ausrücken, um die Fahrzeuge freizuschleppen.

Wer bei diesen Wetterverhältnissen Auto fährt, begibt sich in Gefahr. Die Lagezentren der Bundesländer berichten zwar von einem bislang relativ ruhigen Verlauf mit eher kleineren Unfällen – doch das kann sich schnell ändern. Mancherorts wurde der Busverkehr vorsorglich komplett eingestellt.

Deutsche Bahn: Zugbindung aufgehoben, Reisende sollen Fahrten verschieben

Die Deutsche Bahn hat die Konsequenzen gezogen und die Zugbindung aufgehoben. Wer kann, sollte seine Reise verschieben – so die dringende Empfehlung des Unternehmens. Bereits gekaufte Tickets können auch zu einem späteren Zeitpunkt genutzt werden. Verspätungen und Zugausfälle im Fernverkehr sind bis Samstag zu erwarten.

Schon am Donnerstagabend kam es zu Zugausfällen auf mehreren Fernverkehrsstrecken. Betroffen waren unter anderem die Verbindungen Kopenhagen-Hamburg, Westerland/Kiel-Hamburg, Binz/Stralsund/Rostock-Berlin sowie Norddeich/Emden-Hannover/Ruhrgebiet. Im Regionalverkehr wurden vorsorglich Verbindungen gestrichen.

Die Bahn hat sich durchaus vorbereitet: In Bayern können von mehr als 10.000 Weichen rund 8.140 beheizt werden, um ein Einfrieren zu verhindern. Bei Schneeverwehungen sollen schwere Lokomotiven über verschneite Gleise fahren und eine Spur für nachfolgende Züge ziehen. Dennoch räumt das Unternehmen ein, dass man selbst bei bestmöglicher Vorbereitung nicht gegen alle Witterungsfolgen gefeit sei.

Nordseeinseln abgeschnitten: Fährverkehr eingestellt

An der niedersächsischen Nordseeküste ist der Fährverkehr weitgehend zum Erliegen gekommen. Mehrere Inseln sind derzeit nicht per Schiff erreichbar – darunter Langeoog, Spiekeroog, Norderney und Wangerooge. Der starke Ostwind drückt das Wasser von der Küste weg, sodass die Fähren nicht oder nur eingeschränkt fahren können.

Schneefrei in neun Bundesländern: Schulen bleiben geschlossen

Für viele Schüler gibt es zumindest einen kleinen Lichtblick in dieser Wettermisere: Schneefrei. In Hamburg, Niedersachsen, Bremen und Teilen Schleswig-Holsteins fällt der reguläre Schulbetrieb flächendeckend aus. Die zuständigen Behörden haben teilweise Distanzunterricht und Notbetreuung für jüngere Kinder organisiert. Der Hauptgrund für die Schließungen: Die Schulbusse fahren nicht, und eine sichere Anreise kann nicht gewährleistet werden.

Auch in Teilen von Bayern, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin fällt der Präsenzunterricht aus oder Eltern können ihre Kinder vom Unterricht entschuldigen. Mancherorts sind sogar Kitas und Kindergärten betroffen.

Ein Wetterphänomen, das die Infrastruktur auf die Probe stellt

Sturmtief „Elli" offenbart einmal mehr, wie anfällig die deutsche Infrastruktur gegenüber extremen Wetterereignissen ist. Während in anderen Ländern mit regelmäßigen Schneefällen das öffentliche Leben weitgehend normal weiterläuft, gerät hierzulande bei 20 Zentimetern Neuschnee das gesamte System ins Wanken. Man darf sich durchaus fragen, ob Deutschland in den vergangenen Jahren nicht zu wenig in die Widerstandsfähigkeit seiner Verkehrsinfrastruktur investiert hat – ein Versäumnis, das sich bei jedem Wintereinbruch rächt.

Am Nachmittag und Abend sollen die Schneefälle allmählich nachlassen. Dann werden nur noch wenige Zentimeter Neuschnee erwartet. Bis dahin heißt es für alle Bürger: Vorsicht walten lassen, unnötige Fahrten vermeiden und sich auf mögliche Einschränkungen einstellen.

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