Kettner Edelmetalle
10.02.2026
11:58 Uhr

Spaniens Migrations-Amnestie: Wie Madrid die gesamte EU-Abschreckungspolitik torpediert

Was sich derzeit auf der Iberischen Halbinsel abspielt, dĂŒrfte in den HauptstĂ€dten Europas fĂŒr erhebliches KopfschĂŒtteln sorgen – und das völlig zu Recht. Der sozialistische Premierminister Pedro SĂĄnchez hat per Dekret beschlossen, rund 500.000 illegalen Migranten in Spanien einen legalen Aufenthaltsstatus zu verschaffen. Eine Massen-Legalisierung, die nicht nur in BrĂŒssel auf massive Kritik stĂ¶ĂŸt, sondern die mĂŒhsam errungenen Fortschritte in der europĂ€ischen Migrationspolitik mit einem Federstrich zunichtezumachen droht.

BrĂŒssel reagiert mit ungewöhnlich deutlichen Worten

Die EuropĂ€ische Kommission sieht das spanische Vorhaben offenbar mit großer Skepsis. Gleich drei Kommissionsbeamte sollen sich gegenĂŒber dem Nachrichtenportal Euronews kritisch geĂ€ußert haben. Das Dekret entspreche nicht dem derzeitigen „Geist der EuropĂ€ischen Union", so einer der Beamten. Eine bemerkenswert diplomatische Formulierung fĂŒr das, was im Klartext bedeutet: Madrid schert aus der gemeinsamen Linie aus und gefĂ€hrdet damit die GlaubwĂŒrdigkeit der gesamten europĂ€ischen Abschreckungspolitik.

Das spanische Dekret, das vergangene Woche verabschiedet wurde, ermöglicht es Migranten, die seit mindestens fĂŒnf Monaten in Spanien leben und vor dem 31. Dezember 2025 internationalen Schutz beantragt haben, einen legalen Status zu erlangen. Auch deren bereits in Spanien lebende Kinder sollen profitieren. Die BegĂŒnstigten dĂŒrften anschließend „in jedem Sektor und in jedem Teil des Landes" arbeiten, wie Migrationsministerin Elma Saiz stolz verkĂŒndete.

Das trojanische Pferd der FreizĂŒgigkeit

Doch die eigentliche Brisanz liegt nicht allein in der spanischen Innenpolitik. Sie liegt in den Konsequenzen fĂŒr ganz Europa. Denn mit ihrem neuen legalen Status dĂŒrften die frisch legalisierten Migranten alle 180 Tage fĂŒr bis zu 90 Tage durch den gesamten europĂ€ischen Raum reisen. In BrĂŒssel wĂ€chst die Sorge, dass sich einige dieser Personen ohne Genehmigung in anderen EU-LĂ€ndern niederlassen könnten. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass genau dies geschehen wird.

WĂ€hrend die Innenminister der EU-Mitgliedsstaaten sich erst im Dezember auf eine Reform der Migrationspolitik geeinigt hatten – mit erleichterten Abschiebungen, LeistungskĂŒrzungen fĂŒr nicht kooperierende Personen und lĂ€ngeren Einreiseverboten –, sendet Spanien nun ein diametral entgegengesetztes Signal. Wer illegal nach Europa kommt, muss nur lange genug durchhalten, dann wird er belohnt. Eine fatale Botschaft.

SĂĄnchez' fragwĂŒrdige BegrĂŒndung

Der sozialistische Regierungschef rechtfertigt seinen Kurs mit dem Argument fehlender ArbeitskrĂ€fte und einer ĂŒberalterten Bevölkerung. Der Sozialstaat und die Rentensicherung seien gefĂ€hrdet. Ein Argument, das man auch in Deutschland nur allzu gut kennt – und das sich bei nĂŒchterner Betrachtung als das entpuppt, was es ist: eine ideologisch motivierte Scheinlösung. Denn die massenhafte Legalisierung illegaler Migration löst keine strukturellen Probleme. Sie schafft neue.

Spanien zĂ€hlt neben Italien und Griechenland zu den wichtigsten AnkunftslĂ€ndern fĂŒr illegale Einwanderung nach Europa. Statt die Grenzen wirksamer zu schĂŒtzen, öffnet Madrid nun die Schleusen – und das auf Kosten aller europĂ€ischen Partner. EU-Migrationskommissar Magnus Brunner will sich in einer Rede vor dem EU-Parlament zu den PlĂ€nen Ă€ußern. Man darf gespannt sein, ob BrĂŒssel diesmal mehr als nur mahnende Worte findet.

Ein Weckruf fĂŒr Europa

FĂŒr Deutschland, das selbst unter den Folgen einer jahrelang verfehlten Migrationspolitik leidet, sollte der spanische Alleingang ein weiterer Weckruf sein. Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hat zwar eine hĂ€rtere Gangart angekĂŒndigt, doch solange einzelne EU-Mitgliedsstaaten wie Spanien ungestraft die gemeinsame Linie unterlaufen können, bleibt jede VerschĂ€rfung auf europĂ€ischer Ebene Makulatur. Es braucht endlich verbindliche Mechanismen, die verhindern, dass ein einzelnes Land die Sicherheitsarchitektur des gesamten Kontinents aushebelt. Die Geduld der europĂ€ischen BĂŒrger – auch das sollte man in Madrid und BrĂŒssel zur Kenntnis nehmen – ist lĂ€ngst aufgebraucht.

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