
Sicherheitsgarantien für die Ukraine: Trumps 15-Jahres-Angebot und Selenskyjs Forderung nach mehr
Das jüngste Treffen zwischen dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und US-Präsident Donald Trump in dessen Privatresidenz Mar-a-Lago hat neue Bewegung in die festgefahrenen Friedensverhandlungen gebracht – zumindest auf dem Papier. Doch wer genauer hinschaut, erkennt schnell: Die eigentlichen Knackpunkte bleiben ungelöst, und die Kluft zwischen den Konfliktparteien ist nach wie vor gewaltig.
Trumps Angebot: 15 Jahre Sicherheit – oder doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein?
Selenskyj verkündete am Montag, die amerikanische Regierung habe der Ukraine „starke" Sicherheitsgarantien für einen Zeitraum von 15 Jahren angeboten. Was zunächst nach einem diplomatischen Durchbruch klingt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als wenig mehr als ein Verhandlungsauftakt. Der ukrainische Präsident machte unmissverständlich klar, dass sein Land Garantien für einen deutlich längeren Zeitraum benötige – er sprach von 30, 40 oder gar 50 Jahren.
Seine Begründung ist nachvollziehbar: Der Konflikt mit Russland schwelt bereits seit über einem Jahrzehnt, und mit einem Nachbarn wie dem Kreml bestehe stets das Risiko einer erneuten Aggression. Trump werde über die längere Laufzeit nachdenken, so Selenskyj. Man darf gespannt sein, ob diese Zusage mehr ist als diplomatische Höflichkeit.
Internationale Truppen als Friedensgaranten?
Bemerkenswert ist Selenskyjs Forderung nach der Stationierung internationaler Truppen in der Ukraine zur Absicherung einer möglichen Friedenslösung. Ein solcher Schritt würde nicht nur die USA, sondern auch europäische Staaten in die Pflicht nehmen. Trump hatte bereits betont, dass sich die Europäer „sehr stark" an den Sicherheitsgarantien beteiligen müssten. Ob die europäischen Partner bereit sind, Soldaten in ein potenzielles Krisengebiet zu entsenden, bleibt jedoch mehr als fraglich.
Die Territorialfrage: Ein unüberwindbares Hindernis?
Während Selenskyj von einem zu „90 Prozent" beschlossenen Friedensplan sprach, zeigen die Aussagen aus Moskau ein völlig anderes Bild. Kremlsprecher Dmitri Peskow forderte erneut den vollständigen Rückzug ukrainischer Truppen aus dem Donbass – auch aus jenen Gebieten, die Kiew noch kontrolliert. Die Drohung ist unmissverständlich: Stimmt die Ukraine einem solchen Abkommen nicht zu, werde sie weiteres Territorium verlieren.
Diese Forderung offenbart die fundamentale Unvereinbarkeit der Positionen. Während der Westen von Verhandlungen auf Augenhöhe spricht, diktiert Moskau weiterhin Bedingungen, die einer Kapitulation gleichkommen würden.
Putins „friedliche Rhetorik" und die brutale Realität
Selenskyj wies am Montag auf einen eklatanten Widerspruch hin: Während Putin gegenüber Trump seinen Friedenswillen beteuere, gingen die russischen Angriffe auf zivile Infrastruktur unvermindert weiter. Raketen treffen ukrainische Städte, Generäle erhalten Befehle zum Vorrücken. Diese Diskrepanz zwischen Worten und Taten sollte auch in Washington nicht unbemerkt bleiben.
Für Deutschland und Europa stellt sich einmal mehr die Frage, welche Rolle man in diesem geopolitischen Schachspiel spielen will – und kann. Die Zeiten, in denen man sich hinter amerikanischen Sicherheitsgarantien verstecken konnte, scheinen endgültig vorbei zu sein. Eine eigenständige europäische Sicherheitsarchitektur wäre dringender denn je – doch ob die politische Klasse in Berlin und Brüssel dazu bereit ist, darf bezweifelt werden.










