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05.02.2026
06:27 Uhr

Selenskyj bricht das Schweigen: 55.000 ukrainische Soldaten gefallen

Selenskyj bricht das Schweigen: 55.000 ukrainische Soldaten gefallen

In einem bemerkenswerten Moment der Offenheit hat der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj erstmals konkrete Zahlen zu den Verlusten seiner StreitkrĂ€fte genannt. Mit den TrĂ€nen kĂ€mpfend bezifferte er die Zahl der gefallenen ukrainischen Soldaten seit Kriegsbeginn vor knapp vier Jahren auf 55.000. Darunter befĂ€nden sich sowohl Berufssoldaten als auch Mobilisierte, erklĂ€rte er dem französischen Sender France2. Hinzu komme eine nicht nĂ€her bezifferte Zahl von Vermissten – ein dĂŒsteres Zeugnis des anhaltenden Blutzolls, den dieser Konflikt fordert.

Verhandlungen in Abu Dhabi: Produktiv oder nur Schein?

WĂ€hrend Selenskyj diese erschĂŒtternden Zahlen offenlegte, liefen in Abu Dhabi die trilateralen FriedensgesprĂ€che zwischen der Ukraine, Russland und den USA. Der ukrainische ChefunterhĂ€ndler Rustem Umjerow bezeichnete den ersten Verhandlungstag als „produktiv" mit einer „Orientierung auf konkrete Schritte und praktische Lösungen". Doch wie viel Substanz steckt tatsĂ€chlich hinter diesen diplomatischen Floskeln?

Der CDU-Außenpolitiker JĂŒrgen Hardt mahnte zur Vorsicht: Die Erfahrung lehre, dass hohe Erwartungen an Friedensverhandlungen mit Putin unangebracht seien. Russland zeige durch seine bewussten Angriffe auf Kiews Energieinfrastruktur, dass der Kreml kein echtes Interesse an Frieden habe. Vielmehr nutze Moskau den kalten Winter, um die Moral des ukrainischen Volkes zu untergraben. „Hoffentlich lĂ€sst sich Trump nicht auf diese Spielchen ein", warnte Hardt eindringlich.

Moskaus eiskalte Strategie: Angriffe trotz Verhandlungen

Die RealitĂ€t auf dem Schlachtfeld spricht eine deutliche Sprache. Trotz laufender GesprĂ€che setzte Russland seine Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur fort. In der Hauptstadt Kiew waren mehr als 200 Notfallteams im Einsatz, um die WĂ€rmeversorgung wiederherzustellen. Über 1100 GebĂ€ude blieben ohne Heizung – bei Temperaturen von unter minus 20 Grad ein potenziell tödliches Szenario.

Selenskyj sprach von einer der schwersten Attacken des gesamten Krieges und warf Russland einen „Versuch eines winterlichen Genozids" vor. Der Kreml habe den US-Vorschlag fĂŒr eine Feuerpause missbraucht, um Raketen zu horten und auf die kĂ€ltesten Tage des Jahres zu warten. Eine perfide Taktik, die zeigt, wie wenig Moskau an einem echten Frieden interessiert ist.

Kreml-Sprecher Peskow: Offensive bis zur Kapitulation

Kremlsprecher Dmitri Peskow ließ keinen Zweifel an Russlands Absichten: „Bis das Regime in Kiew die richtigen Entscheidungen trifft, wird die Spezialoperation fortgesetzt." Moskau fordert weiterhin die Abtretung des gesamten Donbass – obwohl ukrainische StreitkrĂ€fte einen Teil der Region noch kontrollieren. Eine Forderung, die einer bedingungslosen Kapitulation gleichkommt.

Das Ende von „New Start": Droht ein neues WettrĂŒsten?

Als wĂ€re die Lage nicht bereits angespannt genug, lĂ€uft am Donnerstag das letzte große AbrĂŒstungsabkommen zwischen den USA und Russland aus. Der Vertrag „New Start", der die Zahl stationierter Atomsprengköpfe auf jeweils 1550 begrenzt, findet sein Ende. Moskau sieht danach keine Verpflichtungen mehr.

Der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedjew, warnte vor den Konsequenzen: Ohne ein Nachfolgeabkommen wĂŒrden die grĂ¶ĂŸten AtommĂ€chte erstmals seit den frĂŒhen 1970er-Jahren keinerlei BeschrĂ€nkungen mehr bei strategischen Atomwaffen unterliegen. „Es sollte jeden alarmieren", betonte er. Trump hingegen zeigte sich gewohnt unbekĂŒmmert: „Wir werden einfach ein besseres Abkommen machen."

Europas Rolle: Zwischen Hilflosigkeit und Handlungsdruck

Die EU-Mitgliedstaaten einigten sich derweil auf die Bedingungen fĂŒr einen 90-Milliarden-Euro-Kredit fĂŒr die Ukraine. Davon sollen 60 Milliarden Euro fĂŒr MilitĂ€rausgaben verwendet werden – grundsĂ€tzlich fĂŒr RĂŒstungsgĂŒter aus der Ukraine, der EU oder assoziierten LĂ€ndern. Ein Tropfen auf den heißen Stein angesichts der enormen Herausforderungen?

Finnlands Außenministerin Elina Valtonen forderte die USA auf, den Druck auf Russland deutlich zu erhöhen. „Moskau könnte diesen Krieg jederzeit beenden, entscheidet sich aber bewusst dagegen", sagte sie. Ein Telefonat der EuropĂ€er mit Putin wĂ€re zum jetzigen Zeitpunkt ein völlig falsches Signal. Doch hat Europa ĂŒberhaupt eine Strategie? „Bisher habe ich noch keine einzige gesehen", stellte Valtonen ernĂŒchtert fest.

Lawrows absurde Revanchismus-VorwĂŒrfe

In einer bemerkenswerten Verdrehung der Tatsachen warf das russische Außenministerium Deutschland „Revanchismus" vor. Die deutsche Regierung sei von der „Besessenheit getrieben, Revanche fĂŒr frĂŒhere Niederlagen zu nehmen". Außenminister Johann Wadephul wies diese Behauptung als „billigen Ablenkungsversuch" zurĂŒck. Deutschland habe keinerlei Probleme damit, die eigene Vergangenheit kritisch zu beleuchten – im Gegensatz zu Russland, das seinen brutalen Angriffskrieg als „Spezialoperation" verharmlost.

Ein Krieg ohne Ende in Sicht

Die Zahl von 55.000 gefallenen ukrainischen Soldaten ist mehr als eine Statistik – sie steht fĂŒr 55.000 zerstörte Familien, 55.000 Schicksale, 55.000 Menschen, die ihr Leben fĂŒr die Verteidigung ihrer Heimat gaben. Und wĂ€hrend in Abu Dhabi verhandelt wird, sterben weiterhin Menschen. In der ostukrainischen Stadt Druschkiwka tötete russischer Beschuss mindestens sieben Zivilisten auf einem MarktgelĂ€nde. Streubomben – international geĂ€chtet, von Russland skrupellos eingesetzt.

Die Frage, die sich stellt, ist nicht ob, sondern wann dieser Krieg endet – und zu welchem Preis. Trumps Appell an Putin, „den Krieg zu beenden", klingt fast naiv angesichts der RealitĂ€ten. Solange der Kreml glaubt, militĂ€risch gewinnen zu können, wird er verhandeln, um Zeit zu gewinnen, nicht um Frieden zu schließen. Europa und Deutschland tĂ€ten gut daran, sich auf einen langen Konflikt einzustellen – und endlich eine kohĂ€rente Strategie zu entwickeln, statt sich in internen Querelen zu verlieren.

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