
SĂ€belrasseln im Golf von Oman: Russland und Iran proben den maritimen Schulterschluss
WĂ€hrend in Genf die Diplomaten noch um Worte ringen, sprechen im Golf von Oman bereits die Kriegsschiffe. Der Iran und Russland haben ein gemeinsames Marinemanöver angekĂŒndigt, das im nördlichen Indischen Ozean stattfinden soll â ausgerechnet in einer Phase, in der die Atomverhandlungen zwischen Teheran und Washington auf Messers Schneide stehen. SubtilitĂ€t war noch nie die StĂ€rke autoritĂ€rer Regime, doch diese Machtdemonstration setzt neue MaĂstĂ€be.
Koordinierte Provokation mit Ansage
Der iranische Marinekommandant Hassan Maghsudloo erklĂ€rte laut der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA, Ziel der Ăbung sei es, die âgemeinsame maritime Kooperation auszubauen" und die Koordination beider MarinestreitkrĂ€fte bei kombinierten Operationen zu stĂ€rken. Das Manöver solle zudem ein Signal gegen den sogenannten Unilateralismus setzen â eine kaum verhĂŒllte Spitze gegen die Vereinigten Staaten. Russlands Marinekommandant Alexej Sergejew lieĂ sich derweil mit den Worten zitieren, man sei âbereit, gemeinsame Ăbungen in jeder Region abzuhalten". Eine Aussage, die man durchaus als DrohgebĂ€rde verstehen darf.
Besonders brisant: Nur einen Tag zuvor hatten die iranischen Revolutionsgarden ein eigenes Manöver in der strategisch hochsensiblen StraĂe von Hormus durchgefĂŒhrt. Diese WasserstraĂe, durch die ein erheblicher Teil des weltweiten Ălhandels flieĂt, wurde dafĂŒr teilweise gesperrt. Die Revolutionsgarden begrĂŒndeten die Ăbung mit der Notwendigkeit, die Einsatzbereitschaft ihrer SeestreitkrĂ€fte zu ĂŒberprĂŒfen. Man fragt sich unwillkĂŒrlich: ĂberprĂŒfung â oder EinschĂŒchterung?
Atomverhandlungen unter dem Schatten der Kanonen
Parallel zu diesem militĂ€rischen Muskelspiel fand in Genf eine weitere Runde indirekter Atomverhandlungen zwischen dem Iran und den USA statt, vermittelt durch den Oman. Irans AuĂenminister Abbas Araghtschi bezeichnete die GesprĂ€che als âkonstruktiver" als die erste Runde Anfang Februar in Maskat. Doch wie konstruktiv können Verhandlungen sein, wenn eine Seite gleichzeitig Kriegsschiffe in Stellung bringt?
US-PrĂ€sident Donald Trump, der bekanntlich nicht zu den Leisetretern der Weltpolitik gehört, droht Teheran unverhohlen mit einem MilitĂ€reinsatz, sollte keine Einigung im Atomstreit erzielt werden. Ein zweiter amerikanischer FlugzeugtrĂ€ger wurde bereits in die Region entsandt. Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei konterte mit einer Bemerkung, die an Klarheit nichts zu wĂŒnschen ĂŒbrig lĂ€sst: Ein Kriegsschiff sei âgewiss eine gefĂ€hrliche Waffe, doch noch gefĂ€hrlicher ist die Waffe, die es versenken kann."
Ein gefÀhrliches Spiel mit dem Feuer
Was wir hier beobachten, ist ein geopolitisches Pokerspiel höchster Ordnung. Russland, das seit dem Beginn des Ukraine-Krieges international weitgehend isoliert ist, sucht sich neue VerbĂŒndete â und findet sie ausgerechnet in Teheran. Die Achse Moskau-Teheran verfestigt sich zusehends, und das sollte Europa zutiefst beunruhigen. Denn eine Eskalation im Persischen Golf hĂ€tte unmittelbare Auswirkungen auf die globalen EnergiemĂ€rkte und damit auch auf die ohnehin angeschlagene deutsche Wirtschaft.
FĂŒr Deutschland, das sich unter der neuen GroĂen Koalition aus CDU/CSU und SPD gerade mĂŒhsam wirtschaftlich stabilisieren muss, wĂ€re ein Ălpreisschock durch eine Blockade der StraĂe von Hormus verheerend. Bundeskanzler Friedrich Merz tĂ€te gut daran, diese Entwicklungen nicht nur als fernes SĂ€belrasseln abzutun, sondern die energiepolitische AbhĂ€ngigkeit Deutschlands endlich ernst zu nehmen. Die Zeiten, in denen man sich auf billige Energie aus autoritĂ€ren Staaten verlassen konnte, sind unwiderruflich vorbei â das hĂ€tte man spĂ€testens seit dem russischen Angriff auf die Ukraine wissen mĂŒssen.
In Zeiten derartiger geopolitischer Unsicherheiten zeigt sich einmal mehr, warum physische Edelmetalle wie Gold und Silber als KrisenwÀhrung unverzichtbar sind. Wenn Kriegsschiffe auffahren und Diplomaten scheitern, bewÀhrt sich das Àlteste Wertaufbewahrungsmittel der Menschheit als verlÀsslicher Anker im Sturm der Weltpolitik.










