
Rätselhafter Tod im Pestlabor: Wird KI zur neuen Biowaffen-Gefahr?

Am 2. Oktober ist die 28-jährige Laborantin Darja Schipilowa in einem Krankenhaus in Schelechow bei Irkutsk gestorben. Sie arbeitete ausgerechnet am Anti-Pest-Forschungsinstitut für Sibirien und den Fernen Osten. Seitdem wird im Westen über russische Biowaffen spekuliert. Gleichzeitig kommen zwei neue Analysen zu einem beunruhigenden Ergebnis: Künstliche Intelligenz könnte die Hürden für biologische Anschläge senken.
Moskau dementiert, Fragen bleiben
Die russische Führung wehrt ab. Nach einer Meldung der Staatsagentur TASS vom 4. Oktober stellte die Gesundheitsbehörde Rospotrebnadsor klar, man habe bei der Toten keine Mikroorganismen gefunden, die mit ihrer Arbeit zusammenhingen. Diagnostiziert worden sei eine „Lungenentzündung unbekannter Ätiologie“.
Genau das macht viele Beobachter misstrauisch. Sie fürchten, dass in Wahrheit Lungenpest dahinterstecken könnte. Das ist die ansteckendste Form der Pest. Sie wird vom Bakterium Yersinia pestis ausgelöst und überträgt sich per Tröpfcheninfektion.
Die Weltgesundheitsorganisation hat Moskau um weitere Informationen gebeten, auch zu einem zweiten Patienten mit einer Lungenentzündung ohne geklärte Ursache. Nach russischen Angaben wurde bei keiner Kontaktperson Pest nachgewiesen. Von rund 200 Menschen in Quarantäne seien nach fast 5.000 Labortests etwa 90 Prozent wieder entlassen worden. Medienberichten zufolge zweifeln westliche Forscher dennoch an dieser offiziellen Darstellung.
Trump telefoniert mit Putin – und spricht über Diesel
US-Präsident Donald Trump kündigte am 6. Oktober ein Telefonat mit Wladimir Putin zu dem Fall an. Am nächsten Tag fragten ihn Reporter, ob es sich um eine russische Biowaffe handeln könnte. Trump antwortete:
„Das glauben wir nicht. Wir werden es bald genug herausfinden, aber wir glauben das nicht.“
Das Gespräch fand am 9. Oktober statt. Danach verkündete Trump allerdings nur einen Deal über mehr als 300.000 Tonnen russischen Diesel. Zur Aufklärung des Todesfalls kam nach einem Bericht der Agentur AP kein Wort mehr. Das Geschäft hatte offenbar Vorrang vor der Aufklärung. Viele denken dabei an Wuhan. Dort hält die CIA unter Direktor John Ratcliffe inzwischen einen Laborunfall für die wahrscheinlichste Ursache der Corona-Pandemie.
Ein Verbotsvertrag, den niemand kontrolliert
Seit 1975 gilt die Biowaffenkonvention. Unterzeichnet haben sie alle NATO-Staaten, Russland und China. Kontrolliert wird ihre Einhaltung aber nicht. Das Schweizer Außenministerium erklärte am 14. August, dem Abkommen fehle eine zuständige Organisation und ein verbindliches System zur Überprüfung. Das schaffe „Unsicherheit und Misstrauen“.
Beim Militär gilt das Risiko deshalb als sehr real. Jeder Bundeswehrsoldat muss einmal im Jahr eine ABC-Ausbildung absolvieren oder auffrischen. Bei der NATO-Übung „Platinum Mask 23“ wurde im Juli 2023 in der Oberlausitz die Reaktion auf einen ABC-Angriff auf Bündnisgebiet geübt.
Bundestagsbericht: KI macht Laien klüger
Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Bundestag (TAB) hat die Risiken von KI und Biotechnologie untersucht. Den Endbericht der Autoren Harald König vom Karlsruher Institut für Technologie und Arnold Sauter billigte der Forschungsausschuss am 8. Juli. Das Ergebnis: Große Biowaffenprogramme bleiben wohl Sache von Staaten. Massenproduktion und Ausbringung hängen kaum von KI ab.
Anders sieht es bei kleineren Anschlägen durch nichtstaatliche Täter aus, wie bei der Salmonellen-Attacke 1984 in US-Restaurants oder den Anthrax-Briefen 2001. Tests zeigen laut dem Bericht, dass Sprachmodelle Laien bei Wissensfragen teils auf Expertenniveau bringen. Ob sich dieses Wissen auch praktisch umsetzen lässt, sei aber offen. Die Autoren warnen außerdem vor „Cloud Labs“. Das sind automatisierte Labore, die man über das Internet steuern kann.
KI-Firma meldet selbst fünf Verdachtsfälle
Auch das US-Unternehmen Anthropic hat Anfang September einen Bericht veröffentlicht. Darin beschreibt es fünf Fälle von riskanter Bioforschung mit seinem Chatbot Claude. In einem Fall wurde nach Fir










