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09.01.2026
17:26 Uhr

Putins Machtdemonstration: Russland feuert erstmals seit 2024 wieder Hyperschallrakete auf Ukraine

Putins Machtdemonstration: Russland feuert erstmals seit 2024 wieder Hyperschallrakete auf Ukraine

In einer beunruhigenden Eskalation des Konflikts hat Russland in der Nacht zum 9. Januar 2026 erstmals seit November 2024 wieder seine gefürchtete Oreshnik-Hyperschallrakete auf ukrainisches Territorium abgefeuert. Der Einschlag erfolgte in der westukrainischen Region Lwiw, nur etwa 60 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt – und damit in unmittelbarer Nähe zum NATO-Gebiet.

Eine Botschaft an den Westen

Präsident Wladimir Putin hat wiederholt mit der Geschwindigkeit und Zerstörungskraft der Oreshnik geprahlt. Doch diesmal scheint es weniger um militärische Zerstörung zu gehen als vielmehr um psychologische Kriegsführung. Nach Angaben eines hochrangigen ukrainischen Beamten trug die Rakete vermutlich inaktive oder sogenannte "Dummy"-Sprengköpfe – ähnlich wie beim ersten Einsatz 2024, als Russland die Waffe unter Kriegsbedingungen testete.

Gerhard Mangott, Russland-Experte an der Universität Innsbruck, ordnet den Angriff in einen größeren Kontext ein. Moskau sei frustriert darüber, während wochenlanger Diplomatie zwischen den USA, der Ukraine und den Europäern an den Rand gedrängt worden zu sein. Besonders verärgert zeige sich der Kreml über die angekündigten Pläne Großbritanniens und Frankreichs, im Falle eines Waffenstillstands Truppen in der Ukraine zu stationieren.

"Es ist ein Signal an die Vereinigten Staaten und die Europäer über die militärischen Fähigkeiten der russischen Armee. Russland will ernst genommen werden."

Eine Woche der Rückschläge für Moskau

Der Zeitpunkt des Raketeneinsatzes ist keineswegs zufällig gewählt. In der vergangenen Woche musste Russland mehrere empfindliche Niederlagen hinnehmen. Am Samstag entsandte Präsident Donald Trump US-Spezialeinheiten, um den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro – einen engen Verbündeten Putins – festzunehmen. Am Mittwoch beschlagnahmten amerikanische Streitkräfte zudem einen unter russischer Flagge fahrenden Öltanker im Nordatlantik.

Der russische Hardliner Dmitri Medwedew, ehemaliger Präsident und jetziger stellvertretender Vorsitzender von Putins Sicherheitsrat, sprach von einem "stürmischen" Jahresauftakt. In einem bemerkenswert scharfen Kommentar verglich er den Oreshnik-Angriff mit einer "lebensrettenden Injektion von Haloperidol" – einem Antipsychotikum. Die internationalen Beziehungen seien in ein Irrenhaus abgeglitten, so Medwedew.

Nuklearfähige Waffe als Druckmittel

Die Oreshnik ist in der Lage, sowohl nukleare als auch konventionelle Sprengköpfe zu tragen. Obwohl es keine Hinweise auf eine nukleare Komponente beim jüngsten Angriff gibt, sendet allein die Existenz dieser Option eine unmissverständliche Botschaft. Pavel Podvig, Direktor des Russian Nuclear Forces Project, analysiert nüchtern: "Es scheint, dass Russland die Oreshnik derzeit zu Signalzwecken einsetzt. Die Zerstörung ist nicht unbedingt das Ziel."

Die westliche Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Die Regierungschefs Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands bezeichneten den Angriff als "eskalierend und inakzeptabel". EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sprach von einer "klaren Eskalation gegen die Ukraine, die als Warnung an Europa und die USA gemeint ist".

Russische Kriegsblogger üben Kritik

Interessanterweise stößt die offizielle Begründung des russischen Verteidigungsministeriums selbst in patriotischen Kreisen auf Skepsis. Moskau behauptet, der Angriff sei eine Reaktion auf einen angeblichen ukrainischen Drohnenangriff auf eine Putin-Residenz in der Region Nowgorod gewesen. Die Ukraine bestreitet dies vehement und wirft Russland vor, zu lügen, um Friedensgespräche zu torpedieren.

Der prominente russische Kriegsblogger Fighterbomber, ein ehemaliger Militärangehöriger, deutet den Einsatz als Machtdemonstration. Er schätzt, dass Russland sich solche Demonstrationen "zwei- bis dreimal im Jahr" leisten könne, da der Vorrat an den relativ neuen Raketen begrenzt sei. Seine Hoffnung: "Die Signale wurden gesendet und sie wurden gehört."

Ein gefährliches Spiel mit dem Feuer

Der australische Militärexperte Mick Ryan bringt es auf den Punkt: Die Oreshnik sei in erster Linie eine psychologische Waffe – ein Instrument von Putins kognitivem Krieg gegen die Ukraine und den Westen. Russland wolle demonstrieren, dass es eine nuklear bewaffnete Weltmacht bleibe.

Was bedeutet dies für die Zukunft? Die Tatsache, dass einige Oreshnik-Systeme bereits nach Belarus verlegt wurden, während Russland weitere in Reserve hält, zeigt die strategische Planung des Kremls. Europa und die USA stehen vor der schwierigen Aufgabe, auf diese Provokation zu reagieren, ohne eine weitere Eskalationsspirale in Gang zu setzen.

Die Botschaft aus Moskau ist unmissverständlich: Russland will bei den Verhandlungen über die Zukunft der Ukraine nicht übergangen werden. Ob diese Strategie der Einschüchterung aufgeht oder den Westen nur noch enger zusammenschweißt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

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