
Putins Hyperschall-Drohung: Oreschnik-Rakete erschüttert Europa bis ins Mark
Was sich in der Nacht zum Freitag über der westukrainischen Stadt Lwiw abspielte, dürfte so manchem europäischen Politiker den Schlaf geraubt haben – sofern sie überhaupt noch die Tragweite der Ereignisse begreifen. Mit ohrenbetäubendem Donnern durchbrach eine russische Oreschnik-Rakete die ukrainische Luftabwehr und schlug nur 70 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt ein. Die Botschaft des Kremls könnte kaum deutlicher sein.
Massiver Angriff auf die gesamte Ukraine
Es begann mit Warnungen, die sich auf den Mobiltelefonen der Ukrainer verdichteten. Um 23.33 Uhr Ortszeit heulten die Sirenen im gesamten Land – von Ost bis West, von Nord bis Süd. Was folgte, war ein koordinierter Großangriff von erschreckender Dimension: Mehr als ein Dutzend ballistische Raketen, fast zwei Dutzend Marschflugkörper des Typs Kalibr und Hunderte Shahed-Drohnen durchbrachen in einer regelrechten Flutwelle die ukrainische Luftabwehr. Mindestens vier Zivilisten bezahlten diesen Angriff mit ihrem Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt.
Doch der eigentliche Schock kam erst gegen 0.30 Uhr, als ukrainische Behörden meldeten, dass die Rakete über Lwiw mit unfassbaren 13.000 Kilometern pro Stunde geflogen sei. Ein Name machte die Runde, der selbst hartgesottenen Militärexperten einen Schauer über den Rücken jagt: Oreschnik.
Die Superwaffe, die niemand aufhalten kann
Was macht diese Rakete so gefährlich? Die Oreschnik ist eine ballistische Mittelstreckenrakete, die Hyperschallgeschwindigkeit erreicht und eine Reichweite von rund 5000 Kilometern besitzt. Sie kann mehrere Gefechtsköpfe tragen und ist sowohl für konventionelle als auch für nukleare Sprengköpfe ausgelegt. Mit Geschwindigkeiten über Mach 10 ist sie von herkömmlichen Abwehrsystemen praktisch nicht abzufangen.
„Der Einsatz der Oreschnik war wohl auch ein Zeichen Richtung Westen, daher das Ziel Lwiw"
So analysiert der österreichische Militärexperte Markus Reisner die strategische Dimension des Angriffs. Die psychologische Botschaft sei eindeutig: Moskau demonstriert, dass es Ziele nahe der EU- und NATO-Grenzen treffen kann – oder auch weit dahinter, wenn es will.
Berlin in Reichweite – eine unbequeme Wahrheit
Die geografischen Fakten sind ernüchternd: Von Lwiw nach Berlin sind es keine 800 Kilometer. Der Donbass liegt weiter von Lwiw entfernt als die deutsche Hauptstadt. Nahezu alle europäischen Hauptstädte, NATO-Stützpunkte und strategische Infrastruktur befinden sich potenziell in Reichweite der Oreschnik. Die Rakete müsste hierfür lediglich auf russischem Territorium stationiert sein – oder in Belarus, wo sie laut Angaben aus Moskau und Minsk bereits kampfbereit sein soll.
Europas fatale Selbstgefälligkeit
Während Putin seine militärische Überlegenheit demonstriert, scheint Europa weiterhin in einer Mischung aus Ignoranz und Hilflosigkeit zu verharren. Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hat zwar ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen beschlossen, doch fließt dieses Geld wirklich in die Verteidigungsfähigkeit? Oder versickert es in bürokratischen Strukturen und ideologischen Prestigeprojekten?
Reisner mahnt eindringlich: Europa müsse angesichts der russischen Stärke seine Raketenabwehr- und Frühwarnsysteme grundlegend überdenken. Konventionelle Systeme seien oft zu langsam für Hyperschallraketen. Sein vernichtendes Urteil über die europäische Reaktionsfähigkeit gipfelt in der sarkastischen Bemerkung: „Putin holt sich inzwischen ein zweites Kaviarbrötchen."
Der Kreml begründete den Angriff offiziell als Reaktion auf einen angeblichen ukrainischen Terroranschlag auf die Residenz des russischen Präsidenten. Ob diese Darstellung der Wahrheit entspricht, sei dahingestellt. Fest steht: Der zweite bestätigte Oreschnik-Einsatz seit November 2024 markiert eine neue Eskalationsstufe in diesem Konflikt, dessen Ende nicht absehbar ist.
Die Frage, die sich Europa stellen muss, lautet nicht mehr, ob Putin seine Drohungen wahrmachen kann – sondern wann er es wieder tun wird. Und ob wir dann vorbereitet sein werden.










