
Pharma zahlt, Kammer punktet: Der stille Deal in der Ärzte-Fortbildung

Am 22. September 2026 läuft in Österreich eine Online-Fortbildung für Ärzte über den Bildschirm. Titel: „RSV – nicht diagnostiziert – nicht ernst genommen – nicht geimpft!“ Drei Stunden, kostenfrei, bis zu vier DFP-Punkte der Österreichischen Ärztekammer. Gesponsert wird die Veranstaltung Medienberichten zufolge von den Impfstoffherstellern GSK und Pfizer.
Veranstalter ist die Österreichische Impfakademie. Ein Blogbeitrag kritisiert den Namen als irreführend, da er an eine Behörde erinnere – so die nicht unumstrittene Einschätzung des Autors, der die Bezeichnung als bewusste Verschleierung deutet. Belastbare Belege für eine solche Absicht liefert der Beitrag nicht, weshalb diese Wertung an dieser Stelle als fremde Meinung und nicht als gesicherte Tatsache zu verstehen ist.
Warum Ärzte praktisch teilnehmen müssen
Das System dahinter ist der eigentliche Sprengstoff. Ärzte in Österreich brauchen Fortbildungspunkte, sonst drohen berufliche Nachteile. Und wer bezahlt einen erheblichen Teil dieser Pflichtfortbildung? Die Industrie, deren Produkte anschließend verordnet werden sollen.
Man muss kein Impfgegner sein, um das für einen Konstruktionsfehler zu halten. Wenn Marketingbudgets zu Bildungsbudgets werden, verschwimmt die Grenze zwischen Aufklärung und Absatzförderung – und zwar systematisch, nicht im Einzelfall.
Eine vielzitierte Untersuchung im British Medical Journal aus dem Jahr 2020 lieferte dazu eine Hausnummer: Von 328 untersuchten Führungspersonen großer US-Fachgesellschaften hatten 235 – also rund 72 Prozent – finanzielle Verbindungen zur Industrie. Bei den Ärzten unter ihnen waren es sogar 80 Prozent.
Was in solchen Veranstaltungen selten vorkommt
Der Ausgangsbericht wirft der Branche vor, unbequeme Sicherheitsdaten auszublenden. Verwiesen wird unter anderem auf Auswertungen der US-Meldedatenbank VAERS, in denen Todesfälle, Guillain-Barré-Fälle und Frühgeburts-Signale nach RSV-Impfungen auftauchen sollen.
Hier ist Genauigkeit Pflicht: VAERS ist ein offenes Spontanmeldesystem. Jeder kann melden, ein zeitlicher Zusammenhang beweist keine Ursache. Solche Zahlen sind Alarmglocken für Nachforschungen – keine Beweise.
Belastbarer ist, was die US-Arzneimittelbehörde FDA selbst veranlasst hat. Im Januar 2025 ordnete sie für Abrysvo (Pfizer) und Arexvy (GSK) eine Warnung vor Guillain-Barré-Syndrom innerhalb von 42 Tagen nach der Impfung an. Grundlage war eine Beobachtungsstudie mit Medicare-Daten: geschätzt neun zusätzliche Fälle pro Million Dosen bei Abrysvo, sieben bei Arexvy – bei Menschen ab 65.
Die FDA hielt zugleich fest, die Evidenz reiche nicht aus, um einen ursächlichen Zusammenhang zu belegen, und der Nutzen überwiege weiterhin die Risiken. Genau diese Abwägung aber gehört in jede seriöse Fortbildung – vollständig, mit Zahlen, ohne Ausrufezeichen.
Vertrauen ist die eigentliche Währung
Aus Sicht unserer Redaktion liegt der Skandal weniger im einzelnen Impfstoff als in der Struktur: Eine öffentlich-rechtlich anmutende Standesorganisation adelt mit Punkten, was die Industrie finanziert. Wer sich danach wundert, dass das Vertrauen vieler Bürger in medizinische Empfehlungen erodiert, hat die Corona-Jahre offenbar nicht verstanden.
Die Lösung wäre banal und kostet keine Milliarden: strikte Trennung von Sponsoring und Fortbildungsinhalten, offengelegte Interessenkonflikte auf jeder Folie, unabhängig finanzierte Pflichtfortbildung. Transparenz ist kein Angriff auf die Medizin – sie ist ihre Lebensversicherung.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er ersetzt keine medizinische Beratung. Fragen zu Impfungen, Risiken und individueller Vorsorge besprechen Sie bitte mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.










