Kettner Edelmetalle
16.02.2026
09:08 Uhr

Peking hortet Gold und wirft US-Schulden ab – der stille Krieg gegen den Dollar

WĂ€hrend westliche Regierungen weiterhin munter Schulden aufhĂ€ufen und ihre BĂŒrger mit immer neuen Belastungen ĂŒberziehen, verfolgt China eine Strategie, die man nur als eiskaltes geopolitisches KalkĂŒl bezeichnen kann: Die Volksrepublik baut systematisch ihre Goldreserven aus – und trennt sich gleichzeitig in atemberaubendem Tempo von amerikanischen Staatsanleihen. Was sich hier abspielt, ist nichts weniger als eine tektonische Verschiebung im globalen Finanzsystem.

Pekings goldener Kurs: 74 Millionen Feinunzen und kein Ende in Sicht

Die Zahlen sprechen eine unmissverstĂ€ndliche Sprache. Ende Januar beliefen sich die GoldbestĂ€nde der Chinesischen Volksbank auf 74,19 Millionen Feinunzen – ein erneuter Anstieg gegenĂŒber den 74,15 Millionen des Vormonats. Was auf den ersten Blick wie eine marginale VerĂ€nderung wirkt, entfaltet seine wahre Wucht erst beim Blick auf den Gesamtwert: Satte 369,58 Milliarden US-Dollar, umgerechnet rund 311 Milliarden Euro, lagern nun in den Tresoren der chinesischen Zentralbank. Noch im Dezember waren es „nur" 319,45 Milliarden Dollar gewesen. Ein Wertzuwachs von ĂŒber 50 Milliarden Dollar in einem einzigen Monat.

Nach SchĂ€tzungen des World Gold Council macht Gold inzwischen rund neun Prozent der gesamten chinesischen WĂ€hrungsreserven aus. Das klingt bescheiden – doch wer die Dimensionen der chinesischen Devisenreserven kennt, weiß, welche gewaltigen Summen sich hinter dieser Zahl verbergen.

Der Goldpreis im Höhenrausch – und ein Ende ist nicht absehbar

An der COMEX notiert der Goldpreis derzeit bei rund 5.000 US-Dollar pro Unze – ein Anstieg von 17 Prozent allein seit Jahresbeginn. Wer vor wenigen Jahren noch belĂ€chelt wurde, weil er auf physisches Gold setzte, dĂŒrfte sich heute bestĂ€tigt fĂŒhlen. Silber, das oft unterschĂ€tzte „Schwestermetall", handelt bei etwa 80 Dollar pro Unze und liegt damit zwar deutlich unter seinem Allzeithoch von 121 Dollar, zeigt aber ebenfalls eine beeindruckende Dynamik.

Michael Howell, GrĂŒnder des renommierten Analyseunternehmens CrossBorder Capital, bringt es auf den Punkt: Der Rohstoffboom werde anhalten, insbesondere bei Öl und Gold. Die massive chinesische Nachfrage treibe den globalen Metallmarkt weiter an. „Der Grund, warum Gold steigt, liegt in dem, was in China geschieht", so Howell. Eine Aussage, die man sich auf der Zunge zergehen lassen sollte.

Entdollarisierung als strategisches Langzeitprojekt

Was Peking betreibt, ist keine spontane Laune, sondern ein seit ĂŒber einem Jahrzehnt konsequent verfolgter Plan. Die Volksrepublik diversifiziert ihre Devisenreserven systematisch, um die AbhĂ€ngigkeit vom US-Dollar und amerikanischen Vermögenswerten zu verringern. Die Zahlen des US-Finanzministeriums belegen dies eindrucksvoll: Im Oktober sanken Chinas BestĂ€nde an US-Staatsanleihen auf 688,7 Milliarden Dollar – ein RĂŒckgang von fast zehn Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr.

Berichten zufolge hĂ€tten chinesische Aufsichtsbehörden den Banken des Landes sogar explizit geraten, ihre BestĂ€nde an US-Staatsanleihen zu reduzieren. Sollte sich dies in den kommenden Monaten in den offiziellen Statistiken widerspiegeln, wĂ€re dies eine weitere BestĂ€tigung fĂŒr Pekings langfristige Strategie: weg vom Dollar, hin zum Gold. Eine Strategie, die angesichts der ausufernden amerikanischen Staatsverschuldung und der geopolitischen Verwerfungen unter PrĂ€sident Trump durchaus nachvollziehbar erscheint.

Spekulation und physische Nachfrage – eine explosive Mischung

Doch es sind nicht nur die ZentralbankkĂ€ufe, die den Goldmarkt befeuern. Ewa Manthey, Rohstoffstrategin bei ING, weist auf eine bemerkenswerte Entwicklung hin: Steigende HandelsumsĂ€tze und offene Positionen an der Shanghai Futures Exchange deuteten darauf hin, dass Peking auch ĂŒber TerminmĂ€rkte die Preise beeinflusse. Wichtige PreisdurchbrĂŒche bei Gold und Silber fĂ€nden zunehmend wĂ€hrend der asiatischen Handelszeiten statt, wĂ€hrend Europa und die USA lediglich folgten.

InlĂ€ndische Investoren in China setzten verstĂ€rkt auf Rohstoff-Futures, um makroökonomische EinschĂ€tzungen umzusetzen und Risiken abzusichern. Der Hintergrund ist bezeichnend: schwache ImmobilienmĂ€rkte, uneinheitliche AktienmĂ€rkte und strengere Kapitalverkehrskontrollen. In diesem Umfeld hĂ€tten sich Metalle – sowohl Industrie- als auch Edelmetalle – zu einem wichtigen alternativen Anlagekanal entwickelt. Der in China mit Aufschlag gehandelte Goldpreis signalisiere zudem, dass im Inland VorrĂ€te aufgebaut wĂŒrden, was auf eine mögliche Verknappung und sinkende weltweite VerfĂŒgbarkeit hindeute.

Die große Geldentwertung – ein Warnsignal auch fĂŒr Deutschland

Ein langfristiger Treiber fĂŒr steigende Goldpreise sei die expansive Geldpolitik Chinas. Über Jahre hinweg habe die chinesische Regierung aggressive Konjunkturprogramme aufgelegt, die faktisch zu einer Abwertung der WĂ€hrung gefĂŒhrt hĂ€tten. Howell schĂ€tzt, dass die Behörden dabei mehr als eine Billion US-Dollar an LiquiditĂ€t in das Finanzsystem gepumpt hĂ€tten. Gleichzeitig belaste China ein enormer Schuldenberg, insbesondere im Immobiliensektor. Die Gesamtverschuldung des Staates liege mittlerweile bei ĂŒber 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Kommt einem das bekannt vor? Es sollte. Denn auch in Deutschland und Europa wird munter Geld gedruckt und Schulden aufgetĂŒrmt, als gĂ€be es kein Morgen. Das frisch beschlossene 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen der neuen Bundesregierung unter Friedrich Merz – der einst versprochen hatte, keine neuen Schulden zu machen – ist nur das jĂŒngste Beispiel fĂŒr eine Politik, die kommende Generationen mit Zinszahlungen belastet, wĂ€hrend die Inflation schleichend das Ersparte der BĂŒrger auffrisst.

Howells Analyse trifft den Nagel auf den Kopf: „Was passiert, ist, dass die Zentralbanken eingreifen und Geld drucken. RĂŒckblickend war dies die Lösung fĂŒr jede Finanzkrise – und es wird auch die Strategie fĂŒr zukĂŒnftige Krisen sein." Die SchuldenstĂ€nde stiegen Jahr fĂŒr Jahr, ohne dass Politiker die Ausgaben konsequent kontrollierten. Stattdessen setzten sie auf das einfachste Mittel: noch mehr Schulden aufnehmen oder weiteres Geld schaffen.

Goldpreis von 10.000 Dollar – Utopie oder realistische Prognose?

Howell prognostiziert, dass der Goldpreis in den kommenden zehn Jahren auf 10.000 US-Dollar pro Unze steigen könnte. Er steht mit dieser EinschĂ€tzung nicht allein: Auch das renommierte Analysehaus Yardeni Research rechne bis zum Ende des Jahrzehnts mit einem solchen Preisniveau. Zunehmende geopolitische Spannungen, ein militĂ€risches WettrĂŒsten und das globale Wettrennen im Bereich kĂŒnstlicher Intelligenz trieben die Nachfrage nach Metallen weiter in die Höhe.

David Miller, Seniorportfoliomanager bei Catalyst Funds, verweist auf „tiefgreifende strukturelle Strömungen", die die Goldrallye stĂŒtzten – darunter die hohen Haushaltsdefizite der USA sowie die anhaltenden GoldkĂ€ufe der Zentralbanken weltweit. Diese KrĂ€fte seien „Àußerst stark" und wĂŒrden den Goldpreis in den kommenden drei, fĂŒnf oder sogar zehn Jahren voraussichtlich deutlich steigen lassen.

„Man sollte derzeit kein Gold verkaufen. Strategisch gesehen ist es essenziell, Gold zu halten." – Michael Howell, CrossBorder Capital

Was bedeutet das fĂŒr den deutschen Anleger?

Die Botschaft könnte kaum deutlicher sein. In einer Welt, in der Regierungen – ob in Peking, Washington oder Berlin – ihre Schuldenprobleme durch immer neue Geldschöpfung zu lösen versuchen, bleibt physisches Gold der ultimative Anker der Vermögenssicherung. WĂ€hrend AktienmĂ€rkte schwanken, Immobilienblasen platzen und Staatsanleihen an Vertrauen verlieren, hat das gelbe Edelmetall ĂŒber Jahrtausende seinen Wert bewiesen. Wer sein Vermögen langfristig schĂŒtzen möchte, kommt an einer soliden Beimischung physischer Edelmetalle in einem breit gestreuten Portfolio kaum vorbei.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Informationen und EinschĂ€tzungen dienen ausschließlich der allgemeinen Information. Jede Anlageentscheidung sollte auf Basis eigener, sorgfĂ€ltiger Recherche und gegebenenfalls nach RĂŒcksprache mit einem qualifizierten Finanzberater getroffen werden. FĂŒr etwaige Verluste, die aus der Nutzung der hier bereitgestellten Informationen resultieren, ĂŒbernehmen wir keinerlei Haftung.

Wissenswertes zum Thema