
Paris wagt den Tabubruch â Berlin verharrt in diplomatischer Starre
WĂ€hrend Emmanuel Macron einen bemerkenswerten Kurswechsel vollzieht und direkte GesprĂ€che mit dem russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin ins Spiel bringt, reagiert die deutsche Bundesregierung mit demonstrativer Verstimmung. Ein Vorgang, der einmal mehr die auĂenpolitische Orientierungslosigkeit Berlins offenbart.
Ein Funke Vernunft aus dem ĂlysĂ©e-Palast
Der französische PrĂ€sident hat erkannt, was eigentlich eine diplomatische SelbstverstĂ€ndlichkeit sein sollte: Wer einen Konflikt lösen will, muss mit allen Beteiligten sprechen. Dass diese banale Erkenntnis in Europa mittlerweile als mutiger VorstoĂ gilt, zeigt, wie tief der Kontinent in ideologische SchĂŒtzengrĂ€ben gefallen ist. Seit Beginn des Ukraine-Krieges haben die europĂ€ischen Staaten vornehmlich untereinander und mit Kiew konferiert â den anderen Kriegsteilnehmer jedoch konsequent gemieden, als wĂŒrde allein das GesprĂ€ch bereits eine moralische Kapitulation bedeuten.
Macrons Initiative mag durchaus eigennĂŒtzige Motive haben. Der innenpolitisch angeschlagene PrĂ€sident, dessen Reformagenda in TrĂŒmmern liegt, sucht womöglich nach auĂenpolitischen Lorbeeren. Doch selbst wenn dem so wĂ€re â ist ein FriedensgesprĂ€ch aus opportunistischen GrĂŒnden nicht immer noch besser als gar kein GesprĂ€ch?
Berlin reagiert wie ein beleidigtes Kind
Die Reaktion aus der deutschen Hauptstadt fiel erwartbar kleinkariert aus. Man habe den Vorschlag âzur Kenntnis genommen" â eine diplomatische Formulierung, die ungefĂ€hr so viel WĂ€rme ausstrahlt wie ein Dezembermorgen in Brandenburg. Besonders pikant: Frankreichs angeblich engster VerbĂŒndeter wurde vorab nicht einmal informiert. Die deutsch-französische Achse, einst Motor der europĂ€ischen Integration, scheint zur bloĂen Fassade verkommen zu sein.
Thorsten Frei, enger Vertrauter von Bundeskanzler Friedrich Merz, setzte noch einen drauf und mahnte SolidaritĂ€t an. Seine Alternative? GesprĂ€che erst nach einem Waffenstillstand. Eine Position, die an RealitĂ€tsferne kaum zu ĂŒberbieten ist. Wie genau soll ein Waffenstillstand zustande kommen, wenn niemand miteinander redet? Durch göttliche Eingebung? Durch einen Blitz aus heiterem Himmel?
Die deutsche AuĂenpolitik im WĂŒrgegriff der Ideologie
Was wir hier beobachten, ist symptomatisch fĂŒr den Zustand der deutschen Politik insgesamt. Statt pragmatischer Interessenpolitik dominiert moralische SelbstgefĂ€lligkeit. Man sonnt sich in der Gewissheit, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen, wĂ€hrend der Krieg weitertobt und Menschen sterben. Die Frage, ob diese Haltung tatsĂ€chlich der Ukraine hilft oder lediglich das eigene Gewissen beruhigt, wird konsequent ausgeblendet.
Dabei zeigt die Geschichte, dass selbst die erbittersten Feinde irgendwann an einen Verhandlungstisch mĂŒssen. Der Kalte Krieg endete nicht durch Verweigerung des Dialogs, sondern durch beharrliche Diplomatie. Selbst auf dem Höhepunkt der Kubakrise telefonierten Kennedy und Chruschtschow miteinander.
Europa braucht Realisten, keine Moralisten
Die europĂ€ischen BĂŒrger haben ein Recht darauf, von Politikern vertreten zu werden, die ihre Interessen im Blick haben â nicht ihre eigene moralische Selbstdarstellung. Die steigenden Energiepreise, die wirtschaftlichen Verwerfungen, die Gefahr einer weiteren Eskalation: All das sind reale Probleme, die reale Lösungen erfordern.
Es ist weniger schlimm, wie dumm manche Politiker daherreden. Viel schlimmer ist, fĂŒr wie dumm sie die BĂŒrger halten.
Diese EinschĂ€tzung trifft den Nagel auf den Kopf. Die deutsche Bevölkerung ist lĂ€ngst weiter als ihre politische FĂŒhrung. Umfragen zeigen seit Monaten, dass eine Mehrheit Verhandlungen befĂŒrwortet. Doch in Berlin regiert man offenbar lieber gegen das Volk als fĂŒr es â eine Haltung, die sich bei den nĂ€chsten Wahlen rĂ€chen könnte.
Macrons VorstoĂ mag nicht perfekt sein, und seine Motive mögen gemischt sein. Aber zumindest zeigt er, dass in Europa noch nicht alle den Verstand verloren haben. Berlin tĂ€te gut daran, diesem Beispiel zu folgen â bevor es zu spĂ€t ist.










