Kettner Edelmetalle
24.02.2026
19:49 Uhr

Norwegens Ex-Premier nach Epstein-Razzia und Korruptionsanklage im Krankenhaus

Der Fall liest sich wie ein politischer Thriller – doch er ist bittere Realität. Norwegens ehemaliger Premierminister Thorbjørn Jagland liegt nach einem gescheiterten Suizidversuch im Krankenhaus. Nur wenige Tage zuvor war der 75-Jährige wegen „schwerer Korruption" angeklagt worden, nachdem Ermittler seine Verbindungen zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein durchleuchtet hatten. Die Nachricht schlägt ein wie eine Bombe – nicht nur in Skandinavien, sondern weltweit.

Durchsuchungen, aufgehobene Immunität und belastende E-Mails

Die norwegische Behörde Økokrim, zuständig für Wirtschafts- und Umweltkriminalität, hatte den beispiellosen Schritt unternommen, beim Europarat die Aufhebung von Jaglands Immunität zu beantragen. Einen Tag bevor die Razzien stattfanden, wurde dem Antrag stattgegeben. Anschließend durchsuchten Ermittler mehrere Immobilien des Ex-Premiers – darunter Wohnungen in Oslo und im südnorwegischen Risør.

Was dabei zutage gefördert wurde, ist erschütternd. Laut den Ermittlungen sollen Jagland und seine engste Familie zwischen 2011 und 2018 mehrfach Epsteins Privatwohnungen in Paris und New York genutzt haben. Auch in Epsteins Villa in Palm Beach, Florida, sei man zu Gast gewesen. Die Reisekosten? Vermutlich von Epstein übernommen. Darüber hinaus soll der berüchtigte Milliardär Reise- und Hotelkosten für Jagland und fünf weitere Erwachsene in der Karibik bezahlt haben. Jagland soll Epstein sogar um ein Darlehen gebeten haben – ob dieses tatsächlich gewährt wurde, ist bislang unklar.

Der Mann, der Obama den Friedensnobelpreis verlieh

Besonders pikant: Jagland war es, der als Vorsitzender des Norwegischen Nobelkomitees dem frisch gewählten US-Präsidenten Barack Obama 2009 den Friedensnobelpreis verlieh – keine neun Monate nach dessen Amtsantritt. Eine Entscheidung, die damals schon weltweit für Kopfschütteln sorgte. Nun wirft sie in einem völlig neuen Licht Fragen auf. Wer war dieser Mann wirklich, der über Krieg und Frieden urteilte, während er offenbar in den Dunstkreis eines der berüchtigtsten Sexualstraftäter der modernen Geschichte verstrickt war?

Ein E-Mail-Austausch aus dem Jahr 2018 macht die Verflechtungen noch deutlicher. Darin schlug Epstein Jagland vor, er solle Putin nahelegen, dass Außenminister Lawrow „Einblicke bekommen könne, wenn er mit mir spricht". Die Dreistigkeit dieser Zeilen ist kaum zu überbieten. Hier offenbart sich ein Netzwerk, das weit über bloße Gastfreundschaft hinausgeht.

Norwegens Elite im Epstein-Strudel

Jagland ist bei weitem nicht der einzige prominente Norweger, der nun ins Visier gerät. Auch Kronprinzessin Mette-Marit, der ehemalige Außenminister Børge Brende – der heute das Weltwirtschaftsforum in Davos leitet – sowie die Botschafterin Mona Juul stehen unter verschärfter Beobachtung. Juul wurde diese Woche von ihrem Posten als Botschafterin in Jordanien suspendiert und trat umgehend zurück. Norwegens amtierender Premierminister Jonas Gahr Støre erklärte, er unterstütze eine unabhängige Untersuchung und sei bereit auszusagen.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Ein ganzes Land, das sich stets als moralischer Leuchtturm des Westens inszenierte, wird von den Epstein-Akten regelrecht durchgeschüttelt. Die New York Times konstatierte nüchtern, dass kaum eine Region der Welt von den Enthüllungen verschont geblieben sei – Norwegen aber besonders hart getroffen werde.

Das Versagen der Eliten – ein globales Muster

Was sich hier offenbart, ist kein norwegisches Problem allein. Es ist das systematische Versagen einer selbsternannten globalen Elite, die sich über Jahrzehnte hinweg in einem Netz aus Gefälligkeiten, Luxusreisen und fragwürdigen Verbindungen eingerichtet hat. Jeffrey Epstein war kein Einzeltäter – er war ein Knotenpunkt in einem Geflecht aus Macht, Geld und moralischer Verkommenheit, das von New York über Paris bis nach Oslo reichte.

Für den deutschen Beobachter drängt sich unweigerlich die Frage auf: Wie viele solcher Netzwerke existieren noch im Verborgenen? Wie viele Politiker, die uns täglich Moral predigen, führen hinter verschlossenen Türen ein gänzlich anderes Leben? Die Epstein-Akten haben bereits gezeigt, dass die Wahrheit oft unbequemer ist, als es sich die meisten vorstellen können. Und sie haben gezeigt, dass jene, die am lautesten von Werten und Anstand sprechen, nicht selten die größten Heuchler sind.

Sollte Jagland verurteilt werden, drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft. Doch der eigentliche Schaden ist längst angerichtet: Das Vertrauen in politische Institutionen, in internationale Organisationen und in jene, die sich als Hüter des Friedens und der Demokratie gerieren, hat einen weiteren schweren Riss bekommen. Einen Riss, der sich so schnell nicht kitten lässt.

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