
Nord Stream: Selenskyj weist Karlsruher Vorwürfe schroff zurück

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am Sonntag in Kiew jede staatliche Verwicklung seines Landes in die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines bestritten. Die Ukraine sei weder an der Planung noch an der Ausführung beteiligt gewesen, erklärte er vor Journalisten. Damit stellt sich das Staatsoberhaupt offen gegen die Ermittlungsergebnisse der deutschen Bundesanwaltschaft.
„Niemals offiziell beteiligt“ – ein Satz mit Hintertür
Wörtlich sagte Selenskyj, sein Land habe sich „niemals offiziell an irgendeiner Operation beteiligt, die mit der Sprengung von Nord Stream zu tun hatte“. Auch die Bundesregierung wisse „sehr genau“, dass Kiew hinter der Operation weder konzeptionell noch operativ gestanden habe.
Das Wörtchen „offiziell“ dürfte Juristen und Diplomaten in Berlin aufhorchen lassen. Denn genau darum kreisen die Ermittlungen: Wer gab den Auftrag – und in wessen Namen?
Selenskyj verwies zugleich auf die Zusammenarbeit mit deutschen Behörden. Generalstaatsanwaltschaft und Außenministerium seien mit dem Fall befasst, Kiew wolle die Untersuchung weiter unterstützen. Und er warnte:
„Es ist für uns wichtig, unsere Partnerschaft nicht zu verlieren, nicht das Vertrauen der europäischen Länder zu verlieren, die der Ukraine seit Beginn dieses Krieges helfen.“
Karlsruhe sieht das völlig anders
Der Generalbundesanwalt geht laut übereinstimmenden Berichten davon aus, dass die Sabotagepläne im Auftrag ukrainischer staatlicher Stellen entwickelt wurden. Ziel sei gewesen, russische Gaslieferungen durch die Ostsee dauerhaft zu unterbinden und Moskau so Kriegseinnahmen zu entziehen.
Vergangenen Mittwoch ließen die Ermittler in der kroatischen Küstenstadt Pula einen weiteren Ukrainer festnehmen – auf Basis eines Europäischen Haftbefehls. Der Mann, ein ausgebildeter Taucher, soll Medienberichten zufolge zu jenem Team gehört haben, das im September 2022 Sprengsätze an den Leitungen anbrachte. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Pikant: Derselbe Verdächtige war bereits im September 2025 in Polen gefasst worden. Ein Warschauer Gericht lehnte die Auslieferung ab und wertete die mutmaßliche Zerstörung russischer Infrastruktur als militärische Handlung in einem Verteidigungskrieg – der Mann kam frei.
Ein Ex-Offizier, eine Jacht, ein Kriegsverbrechen-Vorwurf
Seit 2025 sitzt der frühere ukrainische Offizier Serhii K. in deutscher Untersuchungshaft; festgenommen worden war er im Familienurlaub in Italien. Ende Juni erhob die Bundesanwaltschaft Anklage vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht – unter anderem wegen Mittäterschaft an einem Kriegsverbrechen. Verurteilt ist bislang niemand.
Nach Darstellung der Ermittler mietete die Gruppe über Mittelsmänner mit gefälschten Papieren eine hochseetaugliche Segeljacht bei einem Unternehmen in Rostock und deponierte Sprengsätze mit Zeitzündern nahe Bornholm.
Deutschlands teuerste Baustelle liegt auf dem Meeresgrund
Am 26. September 2022 rissen die Explosionen milliardenschwere Infrastruktur auf, an der deutsche Unternehmen und Verbraucher hingen. Gas floss zwar zu diesem Zeitpunkt nicht mehr – Russland hatte Nord Stream 1 gestoppt, Nord Stream 2 lief nie kommerziell.
Aus Sicht unserer Redaktion bleibt trotzdem ein unbequemer Befund: Auf deutschem Wirtschaftsboden wurde offenbar ein Anschlag auf europäische Energieinfrastruktur vorbereitet – und Berlin agiert bis heute auffallend leise. Wer Energiesicherheit ernst nimmt, muss auch unangenehme Fragen an Partner stellen dürfen.
Für Bürger heißt das: Energiepreise, Standortkosten und geopolitische Risiken bleiben eng verwoben. In solchen Phasen suchen viele Anleger traditionell Stabilität – physische Edelmetalle gelten als bewährte Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser trifft seine Entscheidungen eigenverantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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