Kettner Edelmetalle
11.02.2026
20:40 Uhr

Mikrofon abgedreht: Sonneborns Parlamentsrede entlarvt die Empfindlichkeit der EU-Elite

Mikrofon abgedreht: Sonneborns Parlamentsrede entlarvt die Empfindlichkeit der EU-Elite

Was passiert, wenn ein Abgeordneter im EuropĂ€ischen Parlament die Dinge beim Namen nennt? Man dreht ihm schlicht das Mikrofon ab. Genau das widerfuhr dem EU-Parlamentarier Martin Sonneborn von der Satirepartei „Die Partei", als er im Rahmen einer Debatte ĂŒber einen Aktionsplan gegen Cybermobbing eine Rede hielt, die es in sich hatte – und die in den sozialen Medien seither fĂŒr Furore sorgt.

Wenn Wahrheit auf Empfindlichkeit trifft

Sonneborn, der seit Jahren als unbequemer Stachel im Fleisch des BrĂŒsseler Apparats agiert, nutzte die Gelegenheit, um eine bemerkenswert schonungslose Abrechnung mit der politischen Klasse Europas zu liefern. Sein Kernargument: Wenn es der EU-Kommission tatsĂ€chlich um das Wohl von Kindern ginge, solle sie zunĂ€chst damit aufhören, das Geld der kommenden 37 Generationen fĂŒr – wie er es formulierte – „sinnlosen Scheißdreck" auszugeben. Als Beispiel nannte er rund 2800 Milliarden Euro fĂŒr MilitĂ€rausgaben und Frackinggas.

Man mag ĂŒber den Stil streiten. Über die Substanz der Kritik lĂ€sst sich hingegen kaum hinwegsehen. Denn tatsĂ€chlich tĂŒrmt die EuropĂ€ische Union Schuldenberge auf, die kĂŒnftige Generationen erdrĂŒcken werden – ganz Ă€hnlich wie das geplante 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen der neuen Bundesregierung unter Friedrich Merz, das trotz gegenteiliger Wahlversprechen die Schuldenlast Deutschlands weiter in die Höhe treiben dĂŒrfte.

Die Kunst, einen Schwachkopf einen Schwachkopf zu nennen

Besonders brisant wurde es, als Sonneborn seine Vision eines freien Europas skizzierte. Er wĂŒnsche sich ein Europa, in dem man Kanzler Merz als „Fotzenfritz" bezeichnen könne – ein bairischer Ausdruck, der so viel wie „Ohrfeigengesicht" bedeute –, in dem man einen Schwachkopf einen Schwachkopf oder eben „Habeck" nennen dĂŒrfe und eine Außenministerin als „dĂŒmmer als Ribbentrop" bezeichnen könne. Auch Macron und Starmer blieben nicht verschont.

Sein Argument dabei war durchaus bedenkenswert: Politiker seien bestens gegen Beleidigungen geschĂŒtzt – weitaus besser als der gewöhnliche BĂŒrger. Nicht umsonst hĂ€tten Baerbock, Habeck und andere zusammen ĂŒber 5000 Strafanzeigen in das ohnehin verstopfte Rechtssystem „geballert". Eine Zahl, die man sich auf der Zunge zergehen lassen sollte. WĂ€hrend der deutsche BĂŒrger bei einer Anzeige wegen eines Fahrraddiebstahls oft monatelang auf eine Reaktion der Justiz wartet, scheinen gewisse Politiker die Staatsanwaltschaften als persönlichen Schutzschild gegen jede Form der Kritik zu instrumentalisieren.

Das abgedrehte Mikrofon als Symbol

Dass dem Satiriker ausgerechnet vor seinem erklĂ€renden Hinweis an die Dolmetscher das Mikrofon abgestellt wurde, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Es ist symptomatisch fĂŒr den Umgang der EU-Institutionen mit unbequemen Stimmen. Wer im EuropĂ€ischen Parlament die Wahrheit ausspricht – und sei es in satirischer Überspitzung –, dem wird buchstĂ€blich der Mund verboten. Ein Vorgang, der in einer sich als demokratisch verstehenden Institution eigentlich einen Skandal darstellen mĂŒsste.

Die Reaktionen in den Kommentarspalten und sozialen Netzwerken sprechen BĂ€nde. „Wer im EuropĂ€ischen Parlament will sich schon mit Tatsachen auseinandersetzen, oder gar in den Spiegel schauen?", fragte ein Nutzer treffend. Ein anderer brachte es auf den Punkt: Probleme wie Altersarmut, Wohnungsnot, Staatsverschuldung und die explodierende KriminalitĂ€tsrate seien weder durch Putin, Trump noch durch die AfD verursacht worden – das verdankten die Deutschen einzig und allein den Altparteien.

Meinungsfreiheit unter Beschuss

Sonneborns Auftritt wirft eine fundamentale Frage auf, die weit ĂŒber die Satire hinausreicht: Wie steht es um die Meinungsfreiheit in Europa? Wenn ein gewĂ€hlter Volksvertreter im Parlament nicht einmal seine Redezeit vollstĂ€ndig nutzen darf, weil seine Worte den Herrschenden missfallen – was sagt das ĂŒber den Zustand unserer Demokratie? Die EU, die sich so gerne als HĂŒterin liberaler Werte inszeniert, offenbart in solchen Momenten ihre autoritĂ€ren Reflexe.

Es ist bezeichnend, dass ausgerechnet ein Satiriker die Rolle des Hofnarren ĂŒbernehmen muss, um jene Wahrheiten auszusprechen, die sich die etablierten Abgeordneten nicht mehr zu formulieren trauen. In einer Zeit, in der die politische Klasse Europas Billionen fĂŒr fragwĂŒrdige Projekte verpulvert, wĂ€hrend die BĂŒrger unter steigenden Lebenshaltungskosten, einer maroden Infrastruktur und einer explodierenden KriminalitĂ€t leiden, braucht es offenbar den Narren, damit die Wahrheit wenigstens fĂŒr einige Sekunden im Plenarsaal erklingt – bevor das Mikrofon abgedreht wird.

„Sonneborn ist wohltuend deplatziert im EU-Parlament. Mit Wortwitz legt er die MissstĂ€nde dieser SuperbĂŒrokratie offen."

Dem ist wenig hinzuzufĂŒgen. Außer vielleicht der Feststellung, dass es ein Armutszeugnis fĂŒr den Zustand der europĂ€ischen Demokratie ist, wenn die schĂ€rfste und ehrlichste Kritik an den ZustĂ€nden nicht von den großen Fraktionen kommt, sondern von einem einzelnen Satiriker, dem man dafĂŒr das Mikrofon abdreht. Europa hĂ€tte mehr solcher unbequemen Stimmen verdient – und weniger empfindliche FunktionĂ€re, die bei jedem Hauch von Kritik nach dem Ausschalter greifen.

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