
Mietwahnsinn in Deutschland: Preise explodieren, wÀhrend das Angebot dramatisch schrumpft

Die Wohnungsnot in deutschen GroĂstĂ€dten nimmt immer bedrohlichere AusmaĂe an. Wer heute eine bezahlbare Bleibe sucht, betritt einen Schlachtfeld, auf dem die Chancen fĂŒr Normalverdiener rapide schwinden. Die neuesten Zahlen des GREIX-Mietpreisindex, herausgegeben vom Kieler Institut fĂŒr Weltwirtschaft, zeichnen ein dĂŒsteres Bild der Lage zum Jahresende 2025.
Mieten steigen doppelt so schnell wie die Inflation
Im vierten Quartal 2025 kletterten die Angebotsmieten um satte 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das entspricht dem Doppelten der allgemeinen Teuerungsrate â ein Schlag ins Gesicht fĂŒr alle, die ohnehin schon jeden Euro zweimal umdrehen mĂŒssen. Selbst im Quartalsvergleich zeigt sich ein Plus von einem Prozent in den 37 untersuchten StĂ€dten und Regionen. Von Entspannung keine Spur.
Besonders dramatisch gestaltet sich die Situation in den Metropolen. MĂŒnchen fĂŒhrt die traurige Rangliste mit einer durchschnittlichen Kaltmiete von 23,35 Euro pro Quadratmeter an. Frankfurt folgt mit 17,36 Euro â beide Werte liegen weit ĂŒber dem ohnehin schon hohen Bundesdurchschnitt von 14,41 Euro. Wer rechnen kann, erkennt schnell: Eine bescheidene 60-Quadratmeter-Wohnung in der bayerischen Landeshauptstadt verschlingt allein an Kaltmiete ĂŒber 1.400 Euro monatlich.
Befristete VertrÀge und möblierte Wohnungen auf Rekordniveau
Als wĂ€re die Preisexplosion nicht genug, verschĂ€rfen Vermieter die Konditionen zusĂ€tzlich. Der Anteil befristeter und möblierter Mietangebote ist auf ein historisches Rekordniveau gestiegen. Bundesweit entfĂ€llt mittlerweile mehr als jedes sechste Inserat â also 17 Prozent â auf dieses Segment. In den acht gröĂten StĂ€dten liegt der Anteil bereits bei fast einem Viertel, in MĂŒnchen sogar bei rund einem Drittel aller Angebote.
âWohnungssuchende haben es aktuell schwer. Das klassische Angebot geht zurĂŒck, die Preise steigen und die Konditionen werden ĂŒber immer mehr befristete VertrĂ€ge oder möblierte Angebote hĂ€rter."
So beschreibt Jonas Zdrzalek, Projektleiter des GREIX am IfW Kiel, die prekÀre Lage. Was er diplomatisch formuliert, bedeutet im Klartext: Vermieter sichern sich maximale FlexibilitÀt, wÀhrend Mieter von einer unsicheren Situation in die nÀchste stolpern.
Das Angebot schrumpft dramatisch
Die Misere wird durch einen weiteren Faktor verschĂ€rft: Das verfĂŒgbare Angebot schmilzt dahin wie Schnee in der FrĂŒhlingssonne. Im vierten Quartal 2025 sank die Zahl der Inserate um sieben Prozent gegenĂŒber dem Vorjahresquartal. Im Vergleich zu 2015 stehen heute rund 20 Prozent weniger Mietwohnungen zur VerfĂŒgung. Menschen mit AltvertrĂ€gen klammern sich verstĂ€ndlicherweise an ihre Wohnungen, wĂ€hrend viele Objekte unter der Hand vergeben werden â ohne dass sie je auf einer Plattform erscheinen.
Politisches Versagen mit Ansage
Die Entwicklung kommt nicht ĂŒberraschend. Jahrelang wurde der Wohnungsbau vernachlĂ€ssigt, bĂŒrokratische HĂŒrden tĂŒrmten sich auf, und ideologisch motivierte Regulierungen wie der gescheiterte Berliner Mietendeckel verschreckten Investoren. Die Folgen dieser verfehlten Politik tragen nun jene, die sich am wenigsten wehren können: Geringverdiener, Auszubildende und Studenten stoĂen bei Neuvermietungen zunehmend an ihre absolute Belastungsgrenze.
Seit 2015 sind die Angebotsmieten um 14 Prozent stĂ€rker gestiegen als die allgemeine Teuerung. Diese Schere wird sich weiter öffnen, solange die Politik nicht grundlegend umsteuert. Doch anstatt BĂŒrokratie abzubauen und Anreize fĂŒr den Wohnungsbau zu schaffen, verliert sich die Debatte in Symbolpolitik und Schuldzuweisungen.
FĂŒr viele Deutsche wird der Traum von den eigenen vier WĂ€nden â oder auch nur einer bezahlbaren Mietwohnung â zunehmend zur unerreichbaren Illusion. Die Frage, wie lange sich eine Gesellschaft solche ZustĂ€nde noch leisten kann, ohne dass der soziale Frieden ernsthaft gefĂ€hrdet wird, sollte jeden verantwortungsvollen Politiker umtreiben.










