
Mercedes-Benz am Abgrund: Wie der Stern seinen Glanz verliert
Es war einmal ein Autobauer, der fĂŒr deutsche Ingenieurskunst, Luxus und Weltklasse stand. Doch diese Zeiten scheinen fĂŒr Mercedes-Benz in weite Ferne gerĂŒckt zu sein. Nach einem desaströsen GeschĂ€ftsjahr 2025, in dem sich der Nettogewinn glatt halbierte, greift Vorstandschef Ola KĂ€llenius nun zu drastischen MaĂnahmen â und spricht davon, das Unternehmen âgrundlegend neu erfinden" zu wollen. Man fragt sich unwillkĂŒrlich: Wie konnte es so weit kommen?
Ein Betriebsergebnis, das sprachlos macht
Die nackten Zahlen sprechen eine brutale Sprache. Mit 5,8 Milliarden Euro Betriebsergebnis erreichte der Stuttgarter Konzern nicht einmal die HĂ€lfte des Vorjahreswerts. Seit dem Rekordjahr 2022 ist der Betriebsgewinn um rund 70 Prozent eingebrochen â eine Talfahrt, die ihresgleichen sucht. Unter dem Strich blieben 5,3 Milliarden Euro, ebenfalls nur noch die HĂ€lfte des Vorjahres. Die bereinigte Marge schrumpfte um drei Prozentpunkte, und fĂŒr 2026 traut sich Mercedes gerade einmal drei bis fĂŒnf Prozent zu. Zur Erinnerung: Im Rekordjahr 2022 lag die Rendite bei ĂŒber 14 Prozent. Damals hielt KĂ€llenius dieses Niveau noch fĂŒr dauerhaft erreichbar. Diese Hoffnung hat er mittlerweile begraben â und mit ihr offenbar auch einen guten Teil des Selbstbewusstseins.
Trumps Zölle und Chinas Preiskampf als doppelte Zange
Die Ursachen der Misere sind vielfĂ€ltig, doch zwei Faktoren stechen besonders hervor. Die von US-PrĂ€sident Donald Trump eingefĂŒhrten Importzölle â mittlerweile auf 15 Prozent gestiegen â kosteten Mercedes allein rund eine Milliarde Euro. Ein Betrag, der auch in den kommenden Jahren wie ein MĂŒhlstein am Hals des Konzerns hĂ€ngen dĂŒrfte. Hinzu kommt der mörderische Konkurrenzkampf in China, wo der Absatz um 19 Prozent einbrach und auch 2026 weiter sinken dĂŒrfte. Die chinesischen Hersteller, allen voran BYD, drĂŒcken mit aggressiven Preisen in den Markt â und Mercedes kann oder will nicht mithalten.
KĂ€llenius rĂ€umte ein, dass sich das globale Marktumfeld mit Zöllen, Handelskrieg und TechnologiesprĂŒngen âvöllig verĂ€ndert" habe. Eine bemerkenswerte Erkenntnis fĂŒr einen Manager, der jahrelang das Mantra âValue over Volume" predigte â also lieber hohe Preise als groĂe StĂŒckzahlen. Dieses Mantra bekrĂ€ftigte Finanzchef Harald Wilhelm nun bezeichnenderweise nicht mehr. Stattdessen ist von âprofitablem Wachstum" die Rede, und Rabatte sollen den Absatz stabilisieren. Der neue China-Chef Oliver Thöne gestand sogar ein, dem dortigen Preisdruck âein StĂŒck weit nachzugeben".
Produktion wandert nach Osteuropa â Deutschland verliert
Was besonders bitter fĂŒr den Standort Deutschland ist: Mercedes verlagert massiv ProduktionskapazitĂ€ten nach Osteuropa. Die KapazitĂ€t in Westeuropa â ĂŒberwiegend in Deutschland â wird um 100.000 Fahrzeuge auf 900.000 reduziert. Gleichzeitig wird das Werk im ungarischen KecskemĂ©t auf eine KapazitĂ€t von 400.000 Einheiten verdoppelt. Dort soll kĂŒnftig auch das SUV GLB gebaut werden, nachdem das gemeinsame Werk mit Nissan in Mexiko aufgegeben wird.
Die BegrĂŒndung von KĂ€llenius ist so ehrlich wie schmerzhaft: âEs ist in allen Dimensionen attraktiver, in Osteuropa zu investieren als in Westeuropa." Ein Satz, der wie eine Ohrfeige fĂŒr den Wirtschaftsstandort Deutschland klingt. Und er hat recht. Die exorbitanten Energiekosten, die erdrĂŒckende BĂŒrokratie, die hohen Lohnnebenkosten und eine Politik, die sich lieber um Gendersprache und KlimaneutralitĂ€t kĂŒmmert als um die WettbewerbsfĂ€higkeit der Industrie â all das treibt selbst Traditionsunternehmen wie Mercedes aus dem Land. Zwar beteuerte KĂ€llenius, man bekenne sich weiterhin zu Deutschland. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Nur gut zwölf Prozent der Fahrzeuge werden hierzulande verkauft, wĂ€hrend ĂŒber 60 Prozent der 164.000 Mitarbeiter in Deutschland beschĂ€ftigt sind und mehr als 50 Prozent der Investitionen hier getĂ€tigt werden. Wie lange dieses MissverhĂ€ltnis noch tragbar ist, darf bezweifelt werden.
Tausende Jobs gestrichen â und die Börse straft ab
Der Abbau tausender ArbeitsplĂ€tze in Deutschland auĂerhalb der Produktion schlug bereits mit 1,6 Milliarden Euro an Abfindungen zu Buche. Eine konkrete Zahl der Betroffenen nannte der Konzern wohlweislich nicht. Doch ein Indikator verrĂ€t das AusmaĂ: Nur noch 85.000 tariflich BeschĂ€ftigte haben Anspruch auf die diesjĂ€hrige Erfolgsbeteiligung von maximal 3.139 Euro â vor einem Jahr waren es noch 91.000. Das sind mindestens 6.000 Menschen weniger. Und die Einsparungen gehen weiter.
Die Börse quittierte die dĂŒsteren Aussichten prompt mit einem Kursrutsch von fast sechs Prozent. âZölle, schwacher Dollar und Probleme im China-GeschĂ€ft zeigen Wirkung", kommentierten die Analysten von Raiffeisen Research trocken. Auch das jahrelang gepriesene Luxus-Segment leide mittlerweile erheblich.
Produktoffensive als letzter Strohhalm?
Die Hoffnung ruht nun auf einer Produktoffensive mit mehr als 40 neuen Modellen in den kommenden Jahren. Besonders das gerade erneuerte Flaggschiff S-Klasse soll es richten â mit Margen von bis zu 20 Prozent, wie Analysten schĂ€tzen. Auch der neue CLA wird mit Spannung erwartet. FĂŒr 2026 peilt Mercedes einen Umsatz und Absatz auf Vorjahresniveau an: 132 Milliarden Euro und 1,8 Millionen Fahrzeuge. Mehr VerkĂ€ufe in Europa und den USA sollen das China-Loch stopfen. Ein Absatz von zwei Millionen Autos wie vor der Krise sei allerdings erst âmittelfristig" wieder in Sicht.
KĂ€llenius verweist auf eine âfelsenfeste" Bilanz mit ĂŒber 30 Milliarden Euro LiquiditĂ€t und sieht den Konzern in einer âPosition der StĂ€rke". Ob das mehr ist als Durchhalteparolen, wird sich zeigen. Die Dividende wird immerhin nicht so stark gekĂŒrzt wie befĂŒrchtet: 3,50 Euro je Aktie statt zuvor 4,30 Euro.
Ein Symptom fĂŒr den Niedergang des Standorts Deutschland
Die Krise bei Mercedes-Benz ist weit mehr als das Problem eines einzelnen Unternehmens. Sie ist ein Symptom fĂŒr den schleichenden Niedergang des Industriestandorts Deutschland. Wenn selbst ein Konzern mit dem Stern am KĂŒhler seine Produktion nach Ungarn verlagert, weil es dort âin allen Dimensionen attraktiver" ist, dann sollten bei der Politik sĂ€mtliche Alarmglocken schrillen. Doch statt die Rahmenbedingungen fĂŒr die Industrie zu verbessern, plant die neue Bundesregierung ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen, das die Inflation weiter anheizen und kommende Generationen mit Schulden belasten wird. Friedrich Merz hatte versprochen, keine neuen Schulden zu machen. Dieses Versprechen ist bereits Makulatur.
In Zeiten solcher wirtschaftlicher Unsicherheit â von Handelskriegen ĂŒber WĂ€hrungsschwankungen bis hin zur schleichenden Deindustrialisierung â erweist sich einmal mehr der Besitz physischer Edelmetalle als verlĂ€sslicher Anker der Vermögenssicherung. WĂ€hrend Aktienkurse wie der von Mercedes an einem einzigen Tag um sechs Prozent einbrechen können, bieten Gold und Silber jene StabilitĂ€t, die in turbulenten Zeiten unbezahlbar ist.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener, grĂŒndlicher Recherche basieren. Wir ĂŒbernehmen keine Haftung fĂŒr finanzielle Entscheidungen, die auf Grundlage dieses Artikels getroffen werden.










