
Martensteins Rede als Spiegel einer gespaltenen Republik: Wer sind die wahren Demokratiefeinde?
Es gibt Momente, in denen ein einzelner Mensch mit wenigen Worten eine ganze politische Klasse entlarvt. Der Publizist Harald Martenstein hat auf der BĂŒhne des Hamburger Thalia-Theaters offenbar genau einen solchen Moment geschaffen. Bei einem inszenierten âSchauprozess" gegen die AfD â man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: ein Theater veranstaltet einen Prozess gegen eine demokratisch gewĂ€hlte Partei â hielt Martenstein eine Rede, die seither wie ein Donnerschlag durch die Republik hallt.
Ein Theater spielt Tribunal â und wird selbst zum Angeklagten
Was sich im Thalia-Theater abspielte, hĂ€tte in seiner grotesken Inszenierung auch aus einem dystopischen Roman stammen können. Ein Kulturhaus, das sich dem progressiven Zeitgeist verschrieben hat, organisiert einen simulierten Gerichtsprozess ĂŒber ein mögliches Verbot der gröĂten Oppositionspartei Deutschlands. Richter, StaatsanwĂ€lte, Geschworene â alles sorgfĂ€ltig besetzt, alles auf ein Ergebnis hin choreographiert. Doch dann kam Martenstein. Ruhig, logisch, prĂ€zise zerlegte er die Argumentation der VerbotsbefĂŒrworter und legte dar, warum ein solches Verbot nicht nur undemokratisch wĂ€re, sondern die Demokratie selbst in ihren Grundfesten erschĂŒttern wĂŒrde.
Die Reaktionen im Saal sprachen BĂ€nde. Verstörte Gesichter, fassungsloses Schweigen bei jenen, die eigentlich eine BestĂ€tigung ihrer Weltsicht erwartet hatten. Die âGeschworenen" entschieden sich am Ende tatsĂ€chlich gegen ein Verbot â ein Ergebnis, das die Veranstalter wohl kaum eingeplant hatten. Manche der Beteiligten sollen hinterher eingerĂ€umt haben, das Ganze sei âkontraproduktiv" gewesen. Kontraproduktiv? Es war ein Rohrkrepierer fĂŒr die linke Blase, der ihresgleichen sucht.
Die Deutschlandfahne als BeweisstĂŒck der Anklage
Wie weit die politische Hysterie in diesem Land bereits fortgeschritten ist, zeigt sich an Episoden, die man fĂŒr Satire halten könnte â wĂ€ren sie nicht bittere RealitĂ€t. Da prallte TV-Moderatorin Caren Miosga vor AfD-Chef Tino Chrupalla zurĂŒck, weil dieser eine Deutschlandfahne am Revers trug. Eine Deutschlandfahne. Am Revers eines deutschen Politikers. In Deutschland. Seit wann ist das Bekenntnis zum eigenen Land ein Indiz fĂŒr eine âĂŒble Gesinnung"? In welchem anderen Land der Welt wĂŒrde ein Politiker dafĂŒr angegriffen, dass er die Nationalflagge trĂ€gt?
Doch damit nicht genug. Das neueste âBeweisstĂŒck" fĂŒr die angebliche Nazi-NĂ€he der AfD ist schlicht atemberaubend in seiner AbsurditĂ€t: Die Partei plant ihren Bundesparteitag Anfang Juli in Erfurt. SPD und CDU wettern, dies sei eine bewusste Provokation, ein Signal an die ârechtsextreme Szene". Der Grund? Im Juli 1926 hielt die NSDAP einen Parteitag ab. Nicht in Erfurt, wohlgemerkt. In Weimar. Aber das liegt ja auch in ThĂŒringen, und das reicht offenbar als Beweis.
Man fĂŒhlt sich unweigerlich an den Witz erinnert, den Martenstein selbst bemĂŒhte: Ein Patient beim Therapeuten sieht in jedem geometrischen Symbol etwas AnstöĂiges. Als der Arzt ihm sein Problem attestiert, entgegnet der Patient empört: âWer zeigt denn hier die schmutzigen Bilder?" Genau so verhĂ€lt es sich mit dem Faschismus-Vorwurf: Er steckt nicht in den Köpfen der AfD, sondern in den Köpfen jener, die ihn ĂŒberall sehen wollen.
Die Mechanik der Ausgrenzung
Was wir in Deutschland erleben, ist ein PhĂ€nomen, das in seiner historischen Dimension kaum zu ĂŒberschĂ€tzen ist. Eine demokratisch gewĂ€hlte Partei, die bei Wahlen regelmĂ€Ăig zwischen 20 und 30 Prozent der Stimmen erhĂ€lt, wird systematisch ausgegrenzt, diffamiert und kriminalisiert. Die sogenannte âBrandmauer" â ein Euphemismus fĂŒr die organisierte Missachtung des WĂ€hlerwillens von Millionen BĂŒrgern â wird von den etablierten Parteien als demokratische Errungenschaft verkauft. Dabei ist sie das genaue Gegenteil.
Wer 30 Prozent seiner MitbĂŒrger ausgrenzt, wer ihnen das Recht abspricht, politisch reprĂ€sentiert zu werden, wer ihre gewĂ€hlten Vertreter als Parias behandelt â der betreibt keine Demokratie, sondern deren Abschaffung. Es ist eine bittere Ironie, dass ausgerechnet jene, die sich als Verteidiger der Demokratie inszenieren, deren Grundprinzipien mit FĂŒĂen treten. Der italienische Schriftsteller Ignazio Silone hat es prophetisch formuliert: Wenn der Faschismus wiederkehre, werde er nicht sagen âIch bin der Faschismus", sondern âIch bin der Antifaschismus".
Die Rolle der Medien in diesem Schauspiel
Besonders beunruhigend ist die Rolle der öffentlich-rechtlichen Medien in diesem Prozess der systematischen Ausgrenzung. Zwangsfinanziert durch den BĂŒrger, sollten sie eigentlich zur ausgewogenen Information verpflichtet sein. Stattdessen beteiligen sie sich aktiv an der Stigmatisierung einer demokratisch legitimierten Partei und ihrer WĂ€hler. Die einseitige Berichterstattung, die permanente Gleichsetzung mit historischen Verbrechen, die Verweigerung eines fairen Diskurses â all das untergrĂ€bt das Vertrauen in die Medien und damit in eine tragende SĂ€ule der Demokratie.
Freier, unabhĂ€ngiger Journalismus ist das Lebenselixier einer funktionierenden Demokratie. Wenn aber die groĂen MedienhĂ€user zu Instrumenten einer politischen Agenda werden, wenn Journalisten zu Aktivisten mutieren und Berichterstattung zur GesinnungsprĂŒfung verkommt, dann ist die Demokratie in ernster Gefahr â und zwar nicht durch die AfD, sondern durch jene, die vorgeben, sie vor der AfD zu schĂŒtzen.
Eine Rede, die in die Geschichte eingehen könnte
Martensteins Auftritt im Thalia-Theater war mehr als eine brillante Rede. Er war ein Akt des zivilen Mutes in einer Zeit, in der Andersdenkende mundtot gemacht, sozial geÀchtet und beruflich vernichtet werden. In einer Gesellschaft, die sich in einem Taumel der moralischen Selbstgerechtigkeit befindet, hat ein einzelner Mann den Mut aufgebracht, den Kaiser als nackt zu bezeichnen.
Die BefĂŒrworter eines AfD-Verbots wissen in Wahrheit genau, dass sie damit kein âViertes Reich" verhindern. Zu groĂ sind die Unterschiede zwischen der AfD und der NSDAP, zu offensichtlich die demokratische Legitimation der Partei durch Millionen von WĂ€hlern. Das potenzielle Verbot und die permanente Diskreditierung dienen einem einzigen Zweck: der Ausschaltung eines unbequemen politischen Konkurrenten. Es geht um Machterhalt, nicht um Demokratieschutz.
Dabei wĂ€re die Lösung so einfach, wie ein Kommentator treffend bemerkte: Man lasse die AfD mitregieren, und sie werde schnell ihren Glanz verlieren â wie jede Partei, die mit den RealitĂ€ten des Regierens konfrontiert wird. Die Demokratie hingegen wĂŒrde gestĂ€rkt aus einem solchen Prozess hervorgehen. Doch genau das fĂŒrchten die etablierten Parteien offenbar mehr als alles andere.
Deutschland am Scheideweg
Die Frage, die sich stellt, ist fundamental: Hat Deutschland aus seiner Geschichte gelernt? Die Antwort fĂ€llt ernĂŒchternd aus. Nicht weil eine konservative Oppositionspartei existiert, sondern weil die Mechanismen der Ausgrenzung, der Diffamierung und der politischen Verfolgung Andersdenkender erschreckend vertraut wirken. Die Zersplitterung der Gesellschaft in vermeintlich âGute" und âBöse", die Verweigerung des Dialogs, die Errichtung von Brandmauern gegen den politischen Gegner â all das sind keine Zeichen einer lebendigen Demokratie, sondern Symptome ihres Verfalls.
BundesprĂ€sident Steinmeier, der eigentlich zur NeutralitĂ€t verpflichtet wĂ€re, hat AfD-Politiker als âRattenfĂ€nger" bezeichnet und deren WĂ€hler damit indirekt als Ratten. Eine solche Entgleisung aus dem höchsten Staatsamt hĂ€tte in jedem anderen demokratischen Land einen Skandal ausgelöst. In Deutschland wurde sie beklatscht. Das sagt mehr ĂŒber den Zustand unserer Demokratie aus als tausend Leitartikel ĂŒber die angebliche Gefahr von rechts.
Harald Martenstein hat mit seiner Rede einen Nerv getroffen. Er hat ausgesprochen, was Millionen von BĂŒrgern denken, aber nicht mehr zu sagen wagen. Ob seine Worte etwas bewirken werden, steht auf einem anderen Blatt. Denn jeden Tag ĂŒberbieten sich Medien und Politik in immer abstruseren Unterstellungen gegen die AfD. Die Maschinerie der Diffamierung lĂ€uft auf Hochtouren. Aber vielleicht, nur vielleicht, war diese Rede der Moment, in dem der Wind sich zu drehen begann.










