Kettner Edelmetalle
19.02.2026
16:33 Uhr

Macrons Frontalangriff auf die Meinungsfreiheit: „Freie Rede ist reiner Bullshit"

Es gibt Momente, in denen Politiker die Maske fallen lassen – und dabei offenbaren, was sie wirklich von den Grundrechten ihrer BĂŒrger halten. Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron hat einen solchen Moment geliefert. Bei einer Rede vor Studenten am Rande seines Staatsbesuchs in Indien bezeichnete er die freie Rede kurzerhand als „reinen Bullshit". Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Ein europĂ€ischer Staatschef, der sich gerne als Verteidiger westlicher Werte inszeniert, erklĂ€rt eines der fundamentalsten Grundrechte der AufklĂ€rung fĂŒr wertlos.

Ein PrÀsident ohne Hemmungen

In seinem charakteristisch holprigen Englisch erklĂ€rte Macron wörtlich: „Free speech is a pure bullshit if nobody knows how you are guided through this so-called free speech – especially when it's to be guided from one hated speech to another hated speech." Übersetzt bedeutet das in etwa: Freie Rede sei Unsinn, wenn niemand wisse, wie man durch diese „sogenannte freie Rede" gelenkt werde – insbesondere wenn man dabei von einer Hassrede zur nĂ€chsten gefĂŒhrt werde. Das indische Studentenpublikum quittierte diese Aussage mit GelĂ€chter. Ob aus Belustigung oder Fassungslosigkeit, sei dahingestellt.

Was Macron stattdessen forderte, klingt wie aus dem Handbuch eines ZensurbefĂŒrworters: Er wolle einen „transparenten Weg" durch verschiedene RedebeitrĂ€ge, eine „Art öffentliche Ordnung" und „völlig transparente" Algorithmen im Internet. Rassistische BeitrĂ€ge und Hassrede wolle er vermeiden. Klingt zunĂ€chst harmlos – doch wer definiert, was Hassrede ist? Wer bestimmt, welche Meinungen noch toleriert werden und welche nicht? Die Geschichte lehrt uns, dass solche Definitionen in den HĂ€nden von Regierungen eine gefĂ€hrliche Waffe werden können.

Europa auf dem Weg in die digitale Bevormundung

Macrons Äußerungen stehen nicht isoliert da. Sie fĂŒgen sich nahtlos in einen besorgniserregenden europĂ€ischen Trend ein, der die Meinungsfreiheit im digitalen Raum systematisch aushöhlt. Auch in Deutschland weht ein eisiger Wind. Bundeskanzler Friedrich Merz forderte erst kĂŒrzlich beim Politischen Aschermittwoch in Trier eine Klarnamenpflicht im Internet. Unter dem Deckmantel einer AltersprĂŒfung wird zudem der verpflichtende Einsatz digitaler IdentitĂ€tsprĂŒfungen diskutiert. Man fragt sich unwillkĂŒrlich: Geht es hier wirklich um den Schutz von Kindern – oder um die lĂŒckenlose Überwachung erwachsener BĂŒrger?

CDU-MinisterprĂ€sident Daniel GĂŒnther irritierte in den vergangenen Wochen mit noch weitergehenden Forderungen zur Regulierung des digitalen Raums. Sein hessischer Kollege Boris Rhein wĂŒnschte sich in seiner Neujahrsansprache zwar „echte Meinungsfreiheit", betreibt aber gleichzeitig die Meldestelle „Hessen gegen Hetze" – ein Widerspruch, der kaum grĂ¶ĂŸer sein könnte. Derweil werden in Deutschland bereits BĂŒrger strafrechtlich verfolgt, weil sie Inhalte anderer Nutzer geteilt haben. Der kĂŒrzlich verstorbene Stefan Niehoff war ein solcher Fall. Reposten als Straftat – willkommen im Deutschland des 21. Jahrhunderts.

Die USA als Gegenpol

WÀhrend Europa immer tiefer in den Sumpf der digitalen Zensur versinkt, positionieren sich die Vereinigten Staaten unter PrÀsident Donald Trump als entschiedener Gegenpol. Die US-Administration hat Einreiseverbote gegen Personen verhÀngt, die die Meinungsfreiheit einschrÀnken, und fordert die EU unmissverstÀndlich auf, die Grundrechte zu achten. Unter der Domain freedom.gov will Washington sogar technische Hilfe bei der Umgehung von Internetsperren im Ausland anbieten. Eine bemerkenswerte Entwicklung: Ausgerechnet Amerika muss Europa daran erinnern, was Freiheit bedeutet.

Der wahre Kern des Problems

Was Macron und seine europĂ€ischen Gesinnungsgenossen in Wahrheit fĂŒrchten, ist nicht Hassrede. Was sie fĂŒrchten, ist der ungefilterte Zugang der BĂŒrger zu Informationen und die Möglichkeit, Kritik an der Regierungspolitik öffentlich zu Ă€ußern. Die sozialen Medien haben das Informationsmonopol der etablierten Medien und der politischen Klasse gebrochen. Plötzlich können Millionen Menschen ihre Unzufriedenheit artikulieren, sich vernetzen und organisieren – ohne den Umweg ĂŒber genehme Redaktionsstuben nehmen zu mĂŒssen.

FĂŒr Politiker wie Macron, dessen Beliebtheitswerte in Frankreich seit Jahren im Keller liegen und dessen Land von sozialen Unruhen, wirtschaftlichem Niedergang und einer gescheiterten Migrationspolitik gezeichnet ist, stellt diese unkontrollierte Öffentlichkeit eine existenzielle Bedrohung dar. Statt die eigene Politik zu korrigieren, soll der BĂŒrger zum Schweigen gebracht werden. Es ist die klassische Reaktion autoritĂ€rer Geister: Nicht das Problem wird bekĂ€mpft, sondern derjenige, der es benennt.

Die Ironie dabei ist kaum zu ĂŒberbieten. Dieselben Regierungen, die von ihren BĂŒrgern erwarten, Freiheit und Demokratie notfalls mit dem Leben zu verteidigen – etwa gegen Russland –, arbeiten gleichzeitig daran, eben diese Freiheit im eigenen Land zu beschneiden. Voltaire, Montesquieu und die anderen großen Denker der französischen AufklĂ€rung wĂŒrden sich im Grabe umdrehen, wenn sie hörten, wie ein französischer PrĂ€sident die freie Rede als „Bullshit" abtut. Doch vielleicht ist genau das der Punkt: Wer die Geschichte nicht kennt oder bewusst ignoriert, ist dazu verdammt, ihre dunkelsten Kapitel zu wiederholen.

Die Meinungsfreiheit ist kein Luxusgut, das man nach Belieben einschrĂ€nken kann. Sie ist das Fundament jeder freien Gesellschaft – und wer sie angreift, greift die Demokratie selbst an.

Es bleibt zu hoffen, dass die BĂŒrger Europas wachsam bleiben und sich nicht von wohlklingenden Phrasen ĂŒber „Transparenz" und „öffentliche Ordnung" einlullen lassen. Denn hinter diesen Begriffen verbirgt sich nichts anderes als der Wunsch nach Kontrolle – Kontrolle ĂŒber das, was gedacht, gesagt und geteilt werden darf. Und das ist, um es in Macrons eigenen Worten zu sagen, der eigentliche Bullshit.

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Prof. Dr. Hans-Werner Sinn ist die bekannte Stimme der wirtschaftlichen Vernunft in Deutschland. Als Wirtschaftswissenschaftler und PrÀsident des ifo Instituts hat er stets die Politik zu Wirtschafts