Kettner Edelmetalle
03.03.2026
06:56 Uhr

Machtvakuum in Teheran: Das Mullah-Regime taumelt am Abgrund

Machtvakuum in Teheran: Das Mullah-Regime taumelt am Abgrund

Was sich derzeit im Iran abspielt, gleicht einem geopolitischen Erdbeben, dessen Nachbeben die gesamte Region noch ĂŒber Jahre erschĂŒttern dĂŒrften. Der Tod des Obersten FĂŒhrers Ajatollah Chamenei – ausgeschaltet durch die kombinierten MilitĂ€rschlĂ€ge Israels und der Vereinigten Staaten – hat das theokratische Regime in seinem Fundament getroffen. Was bleibt, ist ein Machtvakuum von historischer Dimension und die bange Frage: Steht der Iran vor dem Zusammenbruch oder vor einem noch gefĂ€hrlicheren Chaos?

Ein Dreiergremium ohne AutoritÀt

Die Rolle des getöteten Diktators wurde hastig auf ein dreiköpfiges Gremium ĂŒbertragen: PrĂ€sident Masoud Peseschkian, Justizchef Gholamhossein Mohseni Edschehi und Alireza Arafi aus dem WĂ€chterrat sollen nun gemeinsam die Geschicke des Landes lenken. Doch wer glaubt, dass drei Köpfe mehr Weisheit bringen als einer, der irrt gewaltig. Die RealitĂ€t zeichnet ein Bild des totalen Kontrollverlusts.

Besonders alarmierend sind die EingestĂ€ndnisse aus dem Regierungsapparat selbst. Irans Außenminister Abbas Araghchi rĂ€umte offen ein, dass Teile des iranischen MilitĂ€rs eigenmĂ€chtig handeln wĂŒrden – „unabhĂ€ngig und etwas isoliert", wie er es diplomatisch formulierte. Konkret ging es um iranische Angriffe auf das eigentlich neutrale Sultanat Oman. „Was im Oman geschah, war nicht unsere Entscheidung", so der Minister. Man habe die StreitkrĂ€fte angewiesen, bei der Wahl ihrer Ziele vorsichtiger zu sein.

Man lasse sich diese Worte auf der Zunge zergehen: Ein Außenminister gesteht vor der Weltöffentlichkeit, dass sein Land die Kontrolle ĂŒber die eigenen StreitkrĂ€fte verloren hat. Fanatische Kommandeure feuern offenbar nach eigenem GutdĂŒnken Raketen auf souverĂ€ne Staaten ab. Ob diese Darstellung der Wahrheit entspricht oder lediglich ein verzweifelter Versuch ist, diplomatischen Schaden zu begrenzen, sei dahingestellt. Allein die Tatsache, dass ein solches EingestĂ€ndnis ĂŒberhaupt gemacht wird, offenbart die Tiefe der Krise.

Angriffe auf VerbĂŒndete – das Chaos wird greifbar

Seit Tagen attackiert der Iran mehrere arabische Golfstaaten, allen voran Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Das allein wĂ€re schon eine massive Eskalation. Doch dass auch Staaten wie Oman und Katar unter Beschuss geraten – LĂ€nder, die dem Iran keineswegs feindlich gegenĂŒberstanden und sogar als Vermittler auftraten –, illustriert das Ausmaß der Desintegration. Hier schießt nicht mehr ein Staat mit strategischem KalkĂŒl. Hier schießt ein zerfallender Apparat um sich, dessen einzelne Teile lĂ€ngst ihr Eigenleben fĂŒhren.

Die Parallelen zu anderen gescheiterten Staaten sind unĂŒbersehbar. Wer die Geschichte des Nahen Ostens kennt, weiß: Wenn zentrale Machtstrukturen wegbrechen, fĂŒllen nicht selten die radikalsten KrĂ€fte das Vakuum. Der Irak nach 2003, Libyen nach 2011 – die Beispiele mahnen zur Vorsicht vor allzu euphorischen Prognosen.

Jubel auf den Straßen, aber keine Revolution

In Teilen des Irans löste der Tod Chameneis spontanen Jubel aus. UnzĂ€hlige Amateuraufnahmen zeigen feiernde Menschen auf den Straßen – ein Volk, das jahrzehntelang unter der Knute einer islamistischen Theokratie gelitten hat und nun einen Funken Hoffnung verspĂŒrt. Doch von einer echten Revolution, von großflĂ€chigen Protesten, die das Regime hinwegfegen könnten, ist man noch weit entfernt.

US-PrĂ€sident Trump hatte die iranische Bevölkerung in seiner Rede zum Beginn des MilitĂ€reinsatzes aufgefordert, wĂ€hrend der Operationen in ihren HĂ€usern zu bleiben. Danach, so seine Botschaft, sollten sie ihre Regierung selbst ĂŒbernehmen. „Dies wird wahrscheinlich Ihre einzige Chance fĂŒr Generationen sein", erklĂ€rte der amerikanische PrĂ€sident. Große Worte, gewiss. Aber ob sich daraus tatsĂ€chlich ein Umsturz entwickeln kann, bleibt völlig offen – zumal weiterhin massive LuftschlĂ€ge auf iranische StĂ€dte erfolgen.

Was bedeutet das fĂŒr Europa – und fĂŒr Deutschland?

WĂ€hrend sich im Nahen Osten die Tektonik der MachtverhĂ€ltnisse verschiebt, stellt sich unweigerlich die Frage, welche Konsequenzen dies fĂŒr Europa und insbesondere fĂŒr Deutschland hat. Die EnergiemĂ€rkte reagieren bereits nervös. Gas- und Ölpreise schossen in die Höhe, nicht zuletzt wegen der faktischen Blockade der Straße von Hormus – jener Meerenge, durch die rund ein FĂŒnftel des weltweiten Ölhandels fließt.

FĂŒr ein Land wie Deutschland, das sich unter der vorherigen Ampelregierung in eine beispiellose EnergieabhĂ€ngigkeit manövriert hat und dessen Industrie ohnehin unter explodierenden Kosten Ă€chzt, könnte eine anhaltende Eskalation verheerende Folgen haben. Man fragt sich unwillkĂŒrlich, ob die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz besser vorbereitet ist als ihre VorgĂ€nger – oder ob man in Berlin wieder einmal von den Ereignissen ĂŒberrollt wird.

Bemerkenswert ist auch das weitgehende Schweigen der deutschen Außenpolitik. WĂ€hrend deutsche StaatsbĂŒrger in der Region festsitzen, scheint man sich im AuswĂ€rtigen Amt eher mit Befindlichkeiten als mit handfester Krisendiplomatie zu beschĂ€ftigen. Die Evakuierung gestrandeter Deutscher aus der Golfregion hĂ€tte lĂ€ngst oberste PrioritĂ€t haben mĂŒssen.

Moskau und Peking als stille Verlierer

Was die israelisch-amerikanische MilitĂ€roperation nebenbei demonstriert, ist die nach wie vor ĂŒberlegene Schlagkraft des Westens. Russland, das im Iran einen wichtigen VerbĂŒndeten sah und selbst im Ukraine-Krieg gebunden ist, kann seinem Partner nicht zu Hilfe eilen. China, das ĂŒber Jahre hinweg seine wirtschaftlichen Beziehungen zum Iran ausgebaut hatte, muss tatenlos zusehen, wie sein Einfluss in der Region schwindet. Beide MĂ€chte werden vorgefĂŒhrt – und das dĂŒrfte in Moskau und Peking fĂŒr erheblichen Unmut sorgen.

FĂŒr den Westen bietet sich eine historische Chance, aber auch ein enormes Risiko. Die Geschichte lehrt, dass von außen erzwungene Regimewechsel selten zu stabilen Demokratien fĂŒhren. Echte VerĂ€nderung muss aus dem Inneren einer Gesellschaft wachsen. Ob die iranische Bevölkerung – nach Jahrzehnten der UnterdrĂŒckung, nach den brutal niedergeschlagenen Protesten von 2009, 2019 und 2022 – die Kraft und den Willen aufbringt, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, wird sich zeigen.

Ein Regime am Ende – aber noch nicht am Boden

Eines steht fest: Das Mullah-Regime ist geschwĂ€cht wie nie zuvor in seiner ĂŒber vier Jahrzehnte wĂ€hrenden Geschichte. Die gesamte FĂŒhrungsspitze wurde dezimiert, das MilitĂ€r agiert teilweise unkontrolliert, und in der Bevölkerung brodelt es. Doch ein verwundetes Tier ist bekanntlich am gefĂ€hrlichsten. Solange das Regime noch ĂŒber Raketen, Drohnen und fanatisierte Milizen verfĂŒgt, bleibt es eine Bedrohung – nicht nur fĂŒr die Region, sondern potenziell auch fĂŒr Europa.

Die kommenden Wochen werden entscheidend sein. Gelingt es den gemĂ€ĂŸigten KrĂ€ften im Iran, die Oberhand zu gewinnen? Oder versinkt das Land in einem BĂŒrgerkrieg zwischen rivalisierenden Fraktionen? Und was geschieht mit dem iranischen Atomprogramm, dessen Anlagen zwar bombardiert, aber möglicherweise nicht vollstĂ€ndig zerstört wurden? Fragen, auf die es derzeit keine verlĂ€sslichen Antworten gibt. Nur eines scheint sicher: Die Welt, wie wir sie kannten, verĂ€ndert sich gerade in rasantem Tempo – und Deutschland tĂ€te gut daran, endlich aufzuwachen und sich auf die neuen RealitĂ€ten einzustellen.

„Wenn wir fertig sind, ĂŒbernehmen Sie Ihre Regierung. Sie wird Ihnen gehören. Dies wird wahrscheinlich Ihre einzige Chance fĂŒr Generationen sein." – US-PrĂ€sident Donald Trump an die iranische Bevölkerung

Ob diese Worte als prophetisch oder als tragisch naiv in die Geschichte eingehen werden, wird die Zeit zeigen. Der Iran steht an einem Scheideweg. Und mit ihm die gesamte geopolitische Ordnung des Nahen Ostens.

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