
Libanesische Armee warnt vor Eskalation: Waffenmonopol des Staates sorgt fĂŒr Spannungen
Die libanesische Armee hat am Samstag eine deutliche Warnung vor möglichen Unruhen ausgesprochen, nachdem in den sozialen Medien zu Protesten gegen die Regierungsentscheidung aufgerufen wurde, alle Waffen unter staatliche Kontrolle zu stellen. Diese Entwicklung offenbart einmal mehr die fragile Sicherheitslage des Landes und wirft die Frage auf, ob die internationale Gemeinschaft hier nicht lÀngst versagt hat.
Zwischen Hammer und Amboss: Libanons prekÀre Lage
In einer offiziellen Stellungnahme betonte das Armeekommando die "auĂergewöhnlichen Herausforderungen", mit denen das Land konfrontiert sei. Dazu gehörten die anhaltenden israelischen Verletzungen der libanesischen SouverĂ€nitĂ€t und ein Ă€uĂerst fragiles Sicherheitsumfeld. Die MilitĂ€rfĂŒhrung wies darauf hin, dass "einige Personen" soziale Medien nutzten, um zu Demonstrationen aufzurufen und gefĂ€lschte Videos zu verbreiten, die darauf abzielten, Zwietracht unter den BĂŒrgern zu sĂ€en.
Die Armee warnte die Bevölkerung eindringlich davor, sich an Aktionen zu beteiligen, deren Folgen unvorhersehbar seien und die das Land destabilisieren könnten. WĂ€hrend sie das Recht auf friedliche MeinungsĂ€uĂerung respektiere, werde sie "keine Verletzung der Sicherheit, Störung des zivilen Friedens, StraĂenblockaden oder Angriffe auf öffentliches und privates Eigentum tolerieren".
Der Elefant im Raum: Hisbollah und das Waffenmonopol
Die libanesische Regierung hatte kĂŒrzlich einen Plan gebilligt, die Kontrolle ĂŒber alle Waffen im Land zu zentralisieren. Doch hier liegt der Hund begraben: Die Hisbollah, die de facto als Staat im Staate agiert, lehnt es kategorisch ab, ihre Waffen niederzulegen, solange Israel sich nicht vollstĂ€ndig aus libanesischem Gebiet zurĂŒckzieht. Diese Haltung mag aus ihrer Sicht nachvollziehbar sein, doch sie perpetuiert einen Zustand, der dem Libanon langfristig schadet.
"Die Hisbollah hat wiederholt Forderungen zurĂŒckgewiesen, ihre Waffen niederzulegen, bevor Israel sich aus libanesischem Territorium zurĂŒckzieht."
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Seit Israel am 8. Oktober 2023 seine MilitĂ€roperationen im Libanon begann, die sich im September 2024 zu einem ausgewachsenen Krieg ausweiteten, wurden mehr als 4.000 Menschen getötet und etwa 17.000 verletzt. Ein im November erreichter Waffenstillstand sollte eigentlich fĂŒr Ruhe sorgen, doch israelische StreitkrĂ€fte fĂŒhren nahezu tĂ€glich Angriffe im SĂŒdlibanon durch - angeblich um AktivitĂ€ten der Hisbollah zu bekĂ€mpfen.
Gebrochene Versprechen und verschobene Fristen
GemÀà dem Waffenstillstandsabkommen hĂ€tte Israel bis zum 26. Januar vollstĂ€ndig aus dem SĂŒdlibanon abziehen sollen. Doch Tel Aviv weigerte sich, dieser Verpflichtung nachzukommen, woraufhin die Frist auf den 18. Februar verlĂ€ngert wurde. Israel unterhĂ€lt weiterhin eine militĂ€rische PrĂ€senz an fĂŒnf Grenzposten - ein klarer VerstoĂ gegen die getroffenen Vereinbarungen.
Die libanesische Armee appellierte an alle BĂŒrger und politischen Fraktionen, "in dieser schwierigen Zeit verantwortungsvoll zu handeln" und betonte die Bedeutung von "Einheit und SolidaritĂ€t, um die Gefahren zu ĂŒberwinden, denen der Libanon gegenĂŒbersteht". Doch kann ein Land wirklich Einheit erreichen, wenn bewaffnete Milizen neben der regulĂ€ren Armee existieren?
Ein Teufelskreis ohne Ausweg?
Die aktuelle Situation im Libanon erinnert fatal an die Weimarer Republik, wo paramilitÀrische VerbÀnde die staatliche AutoritÀt untergruben. Die internationale Gemeinschaft, allen voran die Vereinten Nationen, scheint unfÀhig oder unwillig, hier entschieden einzugreifen. Stattdessen werden Resolutionen verabschiedet, die das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt werden.
Der Libanon braucht dringend eine Lösung, die sowohl seine SouverĂ€nitĂ€t respektiert als auch die legitimen Sicherheitsbedenken seiner Bevölkerung berĂŒcksichtigt. Doch solange externe Akteure ihre Stellvertreterkriege auf libanesischem Boden austragen und interne KrĂ€fte den Staat im Staate spielen, bleibt das Land gefangen zwischen Hammer und Amboss. Die Warnung der Armee mag die unmittelbare Eskalation verhindern, doch sie löst nicht das grundlegende Problem: Ein Staat, der das Gewaltmonopol nicht durchsetzen kann, ist kein souverĂ€ner Staat.
- Themen:
- #Energie










