Kettner Edelmetalle
19.10.2026
14:59 Uhr
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Kupfer-Poker in Washington: 10.000 oder 18.000 Dollar je Tonne?

Kupfer-Poker in Washington: 10.000 oder 18.000 Dollar je Tonne?
Symbolbild: KI-generiert

Ein einziger Federstrich im Weißen Haus könnte den Kupferpreis fast verdoppeln oder ihn krĂ€ftig abstĂŒrzen lassen. Die US-Regierung lĂ€sst die Welt weiter warten, ob raffiniertes Kupfer mit Einfuhrzöllen belegt wird. Gleichzeitig liegen in amerikanischen LagerhĂ€usern inzwischen mehr als eine Million Tonnen des roten Metalls.

Wie groß die Unsicherheit ist, zeigt die australische Investmentbank Macquarie. Sie setzt die mögliche Preisspanne bei 10.000 bis 18.000 US-Dollar je Tonne an. Zwischen den beiden Szenarien liegen also 8.000 Dollar, und fast alles hĂ€ngt an einer politischen Entscheidung.

Ein Markt im Schwebezustand

Das Szenario von Macquarie ist einfach: Kommen keine Zölle, droht nach EinschĂ€tzung der Bank ein RĂŒckgang auf 10.000 Dollar. Kommen sie, sind bis zu 18.000 Dollar denkbar. FĂŒr Minenbetreiber wird die Planung damit schwierig. Wer soll bei einer solchen Spreizung noch verlĂ€sslich Margen und Cashflows berechnen?

Bei 10.000 Dollar wĂ€ren auch Minen mit hohen Gesamtkosten (All-in Sustaining Costs) noch rentabel. Bei 18.000 Dollar wĂŒrden sogar die teuersten Projekte zu Goldgruben. Ob ein Projekt gebaut wird oder in der Schublade bleibt, hĂ€ngt damit stĂ€rker vom Weißen Haus ab als von Geologie und Ingenieurskunst.

Déjà-vu aus dem Jahr 2025

Die Lage ist nicht neu. Schon im Sommer 2025 setzten HĂ€ndler auf hohe US-Zölle und brachten riesige Mengen Kupfer in die Vereinigten Staaten. Dann kam die Überraschung: Medienberichten zufolge verhĂ€ngte PrĂ€sident Donald Trump zwar Zölle von 50 Prozent auf Kupferprodukte, nahm raffiniertes Metall aber aus. Der Preisaufschlag an der US-Börse brach ein. Anfang 2026 wurde Kupfer in London zeitweise sogar teurer gehandelt als in New York.

Danach blieb die Option auf gestaffelte Zölle bestehen: laut Berichten 15 Prozent ab Anfang 2027 und 30 Prozent ab 2028. Eine Entscheidung war eigentlich bis Ende Juni 2026 angekĂŒndigt. Sie steht bis heute aus.

Was die Profis jetzt sagen

Mehrere AnalysehÀuser warnen vor einer PrÀmie, die vor allem auf Hoffnung beruht:

  • Natixis sieht den Preisaufschlag vor allem von Zollerwartungen getrieben. Dahinter trĂ€ten Minenangebot, Schmelzlöhne und die Nachfrage aus China zurĂŒck.
  • HĂ€ndler agierten laut Berichten von Bloomberg zunehmend vorsichtig, weil die Dekrete aus Washington weiter auf sich warten ließen.
  • Barchart verweist auf den Einbruch von 2025, als auf einen Ă€hnlichen Lageraufbau ein deutlicher RĂŒckschlag folgte.
  • StoneX stellt fest, dass der Aufschlag an der US-Börse CME gegenĂŒber der Londoner LME kleiner sei als der diskutierte Zollsatz von 15 Prozent. Der Markt rechne also bereits mit Verzögerungen, niedrigeren SĂ€tzen oder Ausnahmen.

Gefahr in beide Richtungen

Bleiben die Zölle aus, drĂŒcken die gewaltigen US-VorrĂ€te auf den Preis, und der amerikanische Aufschlag dĂŒrfte verschwinden. Kommen sie, haben die Verarbeiter lĂ€ngst VorrĂ€te angelegt, und ihre Nachfrage könnte in den folgenden Quartalen deutlich nachlassen. FĂŒr die Richtung des Preises sind nun drei GrĂ¶ĂŸen entscheidend: wie schnell die LagerbestĂ€nde in die Industrie abfließen, wie sich der Abstand zwischen CME und LME entwickelt und wann Washington entscheidet.

Auch Europa spĂŒrt die Folgen. Weil so viel Metall in die USA fließt, ist es außerhalb Amerikas knapper geworden. Branchenberichten zufolge zahlen Abnehmer auch hierzulande RekordaufschlĂ€ge. FĂŒr eine Industrienation wie Deutschland, die Kupfer fĂŒr Stromnetze, Maschinenbau und ElektromobilitĂ€t dringend braucht, sind das schlechte Nachrichten.

Fazit: Politik schlÀgt Fundamentaldaten

Der Kupfermarkt zeigt, wie stark politische Entscheidungen heute Rohstoffpreise bestimmen. Wer sein Vermögen gegen solche Schwankungen schĂŒtzen will, sollte breit streuen. Physisches Gold und Silber können dabei eine sinnvolle Beimischung zur langfristigen Vermögenssicherung sein: Sie sind seit Jahrhunderten bewĂ€hrt und hĂ€ngen nicht vom Zollkalender einer einzelnen Regierung ab.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rohstoffen dar. Jeder Anleger muss selbst recherchieren und trĂ€gt fĂŒr seine Anlageentscheidungen die alleinige Verantwortung.

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