
Kahlschlag bei der Washington Post: Bezos' Zeitung verliert ein Drittel ihrer Journalisten
Was fĂŒr ein Niedergang einer einst stolzen Institution des amerikanischen Journalismus! Die Washington Post, jenes Blatt, das einst PrĂ€sident Nixon zu Fall brachte, entlĂ€sst mehr als 300 ihrer rund 800 Journalisten. Ein Drittel der Belegschaft â einfach so vor die TĂŒr gesetzt. Die Journalistengewerkschaft News Guild nennt die Zahl âverheerend", und man kann ihr kaum widersprechen.
Vom Watergate-Ruhm zum digitalen Desaster
Die Ironie der Geschichte könnte kaum bitterer sein. Ausgerechnet jene Zeitung, die in den 1970er-Jahren mit ihrer investigativen Berichterstattung zum Watergate-Skandal Mediengeschichte schrieb, steht nun selbst am Abgrund. Chefredakteur Matt Murray versucht in einer internen Mail zu erklĂ€ren, was eigentlich nicht zu erklĂ€ren ist: Die Struktur des Blattes sei noch zu sehr in einer Zeit verankert, als die Post ein âdominierendes lokales Printprodukt" gewesen sei. Die Zeitung könne schlicht ânicht mehr alles fĂŒr alle sein".
Was fĂŒr eine BankrotterklĂ€rung! WĂ€hrend Konkurrenten wie die New York Times mit digitalen Zusatzangeboten wachsen und gedeihen, hat die Washington Post offenbar den Anschluss an die Moderne verpasst. Sinkende Abonnentenzahlen, hohe Kosten, ein massiver Vertrauensverlust bei den Lesern â die Bilanz ist verheerend.
Der Kahlschlag trifft alle Bereiche
Die KĂŒrzungen gehen ans Eingemachte. Die Sportberichterstattung wird eingestellt, die Literatur-Rubrik gestrichen, mehrere AuslandsbĂŒros geschlossen. Besonders bemerkenswert: Das gesamte Nahost-Team wurde gefeuert â ausgerechnet in einer Zeit, in der die Region geopolitisch von höchster Brisanz ist. Auch Reporter fĂŒr nationale Gesundheitspolitik, Extremismus und Protestbewegungen mĂŒssen gehen. Selbst der Amazon-Reporter verliert seinen Posten â pikant, wenn man bedenkt, wem die Zeitung gehört.
Bezos schweigt, wÀhrend sein Imperium brennt
Jeff Bezos, der die Washington Post 2013 fĂŒr 250 Millionen Dollar erwarb, hĂŒllt sich in Schweigen. Dabei hatten sich verzweifelte Mitarbeiter in den vergangenen Wochen direkt an den MilliardĂ€r gewandt und ihn angefleht, finanziell einzugreifen. Bezos hatte einst groĂspurig erklĂ€rt, er stehe zur VerfĂŒgung, falls die Zeitung wirtschaftliche Hilfe benötige. Nun, wo diese Hilfe dringend gebraucht wĂŒrde, ist von ihm nichts zu hören.
âEin brutaler Schlag fĂŒr den Journalismus"
So beschreibt die frĂŒhere Medienkolumnistin und heutige Journalistik-Professorin Margaret Sullivan die Massenentlassungen. Der frĂŒhere Chefredakteur Martin Baron geht noch weiter und bezeichnet den Tag als einen der âdunkelsten" in der Geschichte der Zeitung. Er macht Fehlentscheidungen an der Spitze fĂŒr die Krise verantwortlich â eine kaum verhĂŒllte Kritik an Bezos selbst.
Die politische Dimension: Bezos und Trump
Die NĂ€he des Amazon-GrĂŒnders zu PrĂ€sident Donald Trump sorgt fĂŒr zusĂ€tzliche Brisanz. Bezos war bei der AmtseinfĂŒhrung Trumps im Januar 2025 prominent vertreten. Bereits bei der PrĂ€sidentschaftswahl 2024 hatte die Washington Post erstmals seit Jahrzehnten auf eine Wahlempfehlung verzichtet â ein Kurswechsel, der von vielen als Kniefall vor der politischen Macht interpretiert wurde.
Kritiker wie Martin Baron sehen in dieser AnnÀherung an Trump ein fatales Signal, das dem Ruf der Zeitung massiv geschadet und Leser in Scharen vertrieben habe. Der Vertrauensverlust verschÀrfte die ohnehin angespannte wirtschaftliche Lage zusÀtzlich. Ein Teufelskreis, aus dem die Post offenbar keinen Ausweg mehr findet.
Das Ende einer Ăra?
In den vergangenen Monaten hatten bereits zahlreiche profilierte Mitarbeiter das Blatt verlassen â teils freiwillig. In Essays und sozialen Medien begrĂŒndeten einige ihren Abschied mit einer spĂŒrbaren Verschlechterung der journalistischen Arbeit. Der aktuelle Stellenabbau gilt als tiefgreifendster Einschnitt in der jĂŒngeren Geschichte des Blattes.
Was bleibt von der Washington Post? Eine ausgehöhlte Redaktion, ein schweigender MilliardĂ€r als EigentĂŒmer und der bittere Nachgeschmack, dass selbst die stolzesten Institutionen des Journalismus nicht vor dem Niedergang gefeit sind â besonders dann nicht, wenn wirtschaftliche Interessen und politische OpportunitĂ€t die Oberhand gewinnen.










