
Inflationsdaten aus den USA: Ein löchriger Bericht wirft mehr Fragen auf als er beantwortet
Die jĂŒngsten Verbraucherpreisdaten aus den Vereinigten Staaten sorgen fĂŒr Verwirrung unter Ăkonomen und Marktteilnehmern. Was auf den ersten Blick wie eine erfreuliche Nachricht erscheint â eine Verlangsamung der Jahresinflation auf 2,7 Prozent im November â entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als statistisches Trugbild, das durch einen 43-tĂ€gigen Regierungsstillstand massiv verzerrt wurde.
Der "Schweizer-KĂ€se-Bericht" des Bureau of Labor Statistics
Das Bureau of Labor Statistics konnte aufgrund des Government Shutdowns keine monatlichen VerĂ€nderungsraten fĂŒr November veröffentlichen â ein beispielloser Vorgang in der Geschichte der amerikanischen Inflationsmessung. Die Datenerhebung fĂŒr Oktober fiel nahezu vollstĂ€ndig aus und konnte nicht nachgeholt werden. Erstmals in der Geschichte der Behörde wurden keine monatlichen CPI-Raten publiziert.
Die Datensammlung erfolgte erst in der zweiten NovemberhĂ€lfte, ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als EinzelhĂ€ndler bereits aggressive Rabattaktionen fĂŒr die Weihnachtssaison anboten. Diese zeitliche Verzerrung dĂŒrfte die Inflationszahlen kĂŒnstlich nach unten gedrĂŒckt haben. Gregory Daco, Chefökonom bei EY-Parthenon, brachte es auf den Punkt:
"Der Bericht war nicht nur verrauscht und voller LĂŒcken, er lieferte eine nach unten verzerrte Perspektive der Inflation."
Die bittere RealitÀt hinter den geschönten Zahlen
WĂ€hrend das WeiĂe Haus die Zahlen als "erstaunlich gut" feierte, erzĂ€hlen die Details eine gĂ€nzlich andere Geschichte. Die amerikanischen Verbraucher kĂ€mpfen weiterhin mit explodierenden Preisen fĂŒr Grundnahrungsmittel und Energie. Rindfleischpreise stiegen um 15,8 Prozent â der stĂ€rkste Anstieg seit Juni 2020. Hackfleisch verteuerte sich um 14,9 Prozent, Kaffee gar um 18,8 Prozent. Die Strompreise kletterten um 6,9 Prozent, der höchste Jahresanstieg seit April 2023.
Bill Adams, Chefökonom der Comerica Bank, fasste die Stimmung der Verbraucher treffend zusammen: Die Amerikaner dĂŒrften sich trotz der vermeintlich positiven Schlagzeile weiterhin ĂŒber die Inflation Ă€rgern, da die Preise fĂŒr viele lebensnotwendige GĂŒter auĂerhalb des Wohnungssektors weiter rasant steigen.
Trumps Zollpolitik zeigt Wirkung â aber nicht die gewĂŒnschte
Die weitreichenden Importzölle der Trump-Administration haben die Preise fĂŒr zahlreiche Waren in die Höhe getrieben. Samuel Tombs von Pantheon Macroeconomics berechnete, dass EinzelhĂ€ndler bis September etwa 40 Prozent der Zölle an die Verbraucher weitergegeben hatten. Diese Quote dĂŒrfte bis MĂ€rz auf 70 Prozent steigen und sich dann stabilisieren. Die volle Wucht der Zollpolitik steht den amerikanischen Haushalten also noch bevor.
Arbeitsmarkt zeigt Risse
Ein separater Bericht des Arbeitsministeriums offenbarte, dass die ErstantrĂ€ge auf Arbeitslosenhilfe um 13.000 auf 224.000 sanken. Doch die Zahl der Personen, die nach einer ersten Woche weiterhin Arbeitslosengeld beziehen, stieg um 67.000 auf 1,897 Millionen â ein Indikator dafĂŒr, dass entlassene Arbeitnehmer zunehmend Schwierigkeiten haben, neue BeschĂ€ftigung zu finden.
Die Federal Reserve hatte erst vergangene Woche den Leitzins um weitere 25 Basispunkte auf 3,50 bis 3,75 Prozent gesenkt, signalisierte jedoch, dass weitere Zinssenkungen vorerst unwahrscheinlich seien. Fed-Chef Jerome Powell kĂŒndigte an, die verzögerten Wirtschaftsdaten "sorgfĂ€ltig und mit einem gewissen skeptischen Auge" zu betrachten.
Was bedeutet das fĂŒr Anleger?
Die Unsicherheit ĂŒber die tatsĂ€chliche Inflationsentwicklung in den USA sollte Anleger zur Vorsicht mahnen. Wenn selbst die offiziellen Statistikbehörden einrĂ€umen mĂŒssen, dass ihre Daten unzuverlĂ€ssig sind, wird die Bedeutung von Vermögenswerten mit intrinsischem Wert umso deutlicher. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich historisch als verlĂ€sslicher Inflationsschutz bewĂ€hrt und können in Zeiten statistischer Unsicherheit und geldpolitischer Experimente eine sinnvolle ErgĂ€nzung eines breit gestreuten Portfolios darstellen.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist selbst fĂŒr seine Investitionsentscheidungen verantwortlich und sollte vor einer Anlageentscheidung eigene Recherchen durchfĂŒhren oder einen qualifizierten Finanzberater konsultieren.










