
Historisches Dreiertreffen in Abu Dhabi: Kommt jetzt endlich Bewegung in den Ukraine-Konflikt?

Was sich noch vor wenigen Monaten kaum jemand vorstellen konnte, wird heute RealitĂ€t: In den glitzernden TĂŒrmen von Abu Dhabi treffen sich erstmals Vertreter der USA, Russlands und der Ukraine an einem Tisch. Ein diplomatischer Paukenschlag, der die Weltpolitik in Atem hĂ€lt â und gleichzeitig die Frage aufwirft, ob dieser Krieg tatsĂ€chlich seinem Ende entgegengeht oder ob es sich lediglich um ein weiteres Kapitel im endlosen Spiel der GroĂmĂ€chte handelt.
Moskau zeigt sich gesprĂ€chsbereit â mit EinschrĂ€nkungen
Nach vierstĂŒndigen GesprĂ€chen zwischen dem russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin und dem US-Gesandten Steve Witkoff in Moskau verkĂŒndete der Kreml seine Teilnahme an den trilateralen Verhandlungen. Der russische PrĂ€sidentenberater Juri Uschakow bezeichnete das Treffen als âin jeder Hinsicht nĂŒtzlich" â eine Formulierung, die in der diplomatischen Sprache Moskaus durchaus als positives Signal gewertet werden darf.
Doch der Kreml wĂ€re nicht der Kreml, wenn er nicht gleichzeitig die Muskeln spielen lieĂe. Die russischen StreitkrĂ€fte wĂŒrden bis zu einer endgĂŒltigen Beilegung des Konflikts âweiter ihre Ziele auf dem Schlachtfeld erzielen", so die unmissverstĂ€ndliche Botschaft aus Moskau. Eine klassische Verhandlungstaktik: Mit der einen Hand den Olivenzweig reichen, mit der anderen das Schwert schwingen.
âOhne eine Regelung der territorialen Frage ist nicht mit einer langfristigen Lösung zu rechnen."
Diese Aussage Uschakows macht deutlich, worum es Russland im Kern geht: Die Anerkennung der besetzten Gebiete, die mittlerweile rund 20 Prozent des ukrainischen Territoriums umfassen. Der Donbass bleibt der Dreh- und Angelpunkt aller Verhandlungen.
Selenskyj zwischen Hoffnung und Skepsis
Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj bestĂ€tigte die Entsendung einer Delegation in die Emirate, konnte sich dabei jedoch einen seiner typischen Seitenhiebe nicht verkneifen: âIch hoffe, die Emirate wissen davon", kommentierte er die kurzfristige AnkĂŒndigung des Treffens mit kaum verhohlener Ironie. Eine Bemerkung, die zeigt, wie wenig Vertrauen Kiew in die VerlĂ€sslichkeit der Verhandlungspartner setzt.
Die GesprĂ€che sollen zwei Tage andauern und finden laut Selenskyj auf âtechnischer Ebene" statt â ein diplomatischer Terminus, der ĂŒblicherweise auf Vertreter niedrigeren Ranges hindeutet. Keine Staatschefs also, sondern UnterhĂ€ndler, die den Boden fĂŒr mögliche Gipfeltreffen bereiten sollen.
Die SchlĂŒsselfrage: Sicherheitsgarantien
Wenige Stunden vor den Moskauer GesprĂ€chen hatte Selenskyj nach einem Treffen mit US-PrĂ€sident Donald Trump in Davos eine Einigung ĂŒber Sicherheitsgarantien verkĂŒndet. Die entsprechenden Dokumente seien âfast, fast fertig", so der ukrainische PrĂ€sident. GroĂbritannien und Frankreich hĂ€tten sich bereit erklĂ€rt, Bodentruppen zu entsenden â doch ohne die Vereinigten Staaten, so Selenskyjs unmissverstĂ€ndliche Botschaft, funktioniere keine Sicherheitsgarantie.
Hier zeigt sich das fundamentale Dilemma der Ukraine: Das Land ist existenziell auf westliche UnterstĂŒtzung angewiesen, muss aber gleichzeitig befĂŒrchten, bei einem möglichen Deal zwischen Washington und Moskau unter die RĂ€der zu kommen. Die Geschichte lehrt, dass kleine Nationen in den Verhandlungen der GroĂmĂ€chte selten als gleichberechtigte Partner behandelt werden.
Die Akteure am Verhandlungstisch
Die Zusammensetzung der Delegationen verrĂ€t einiges ĂŒber die PrioritĂ€ten der beteiligten Parteien. Russland entsendet mit Igor Kostjukow den Chef des MilitĂ€rgeheimdienstes GRU â ein Signal, dass Moskau die GesprĂ€che primĂ€r unter sicherheitspolitischen Gesichtspunkten betrachtet. Parallel dazu soll ein separates Treffen zu wirtschaftlichen Fragen stattfinden, bei dem der Kreml-Gesandte Kirill Dmitriew mit Witkoff zusammenkommt.
Die amerikanische Seite hatte zuvor neben Witkoff auch Jared Kushner und den Berater des WeiĂen Hauses, Josh Gruenbaum, nach Moskau entsandt. Vor dem Putin-Treffen hatte Witkoff erklĂ€rt, es gebe nur noch âein einziges Problem" zwischen beiden Seiten â welches dies sei, lieĂ er allerdings offen. Eine Aussage, die entweder von bemerkenswertem Optimismus oder von diplomatischer NaivitĂ€t zeugt.
Ein langer Weg ohne Garantie auf Erfolg
Die Hoffnungen auf einen schnellen Durchbruch sollten gedĂ€mpft bleiben. Direkte Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine fanden bereits 2022 statt, und auch 2025 trafen sich beide Seiten mehrfach in Istanbul. Das Ergebnis? Lediglich Gefangenenaustausche und die RĂŒckfĂŒhrung sterblicher Ăberreste â keine substanziellen Fortschritte bei den Kernfragen des Konflikts.
Die territoriale Frage bleibt das gröĂte Hindernis. Kiew warnt davor, dass jede Gebietsabtretung Moskau zu weiteren Aggressionen ermutigen wĂŒrde. Russland hingegen besteht auf der vollstĂ€ndigen Kontrolle ĂŒber den Donbass. Zwischen diesen Positionen klafft ein Abgrund, den auch die schillerndste Kulisse Abu Dhabis nicht ĂŒberbrĂŒcken kann.
Dennoch: Dass alle drei Parteien ĂŒberhaupt an einem Tisch sitzen, ist ein Fortschritt. In der Diplomatie zĂ€hlt manchmal allein die Tatsache, dass man miteinander spricht. Ob daraus mehr wird als symbolische Gesten und vage AbsichtserklĂ€rungen, werden die kommenden Tage zeigen. Die Welt schaut nach Abu Dhabi â und hofft auf ein Ende des BlutvergieĂens, das Europa seit Jahren in Atem hĂ€lt.










