
Handelskonflikt zwischen EU und China erreicht kritischen Wendepunkt

Die wirtschaftlichen Spannungen zwischen der Europäischen Union und der Volksrepublik China haben eine neue Eskalationsstufe erreicht. Chinas Handelsüberschuss hat erstmals die magische Grenze von einer Billion US-Dollar überschritten – eine Entwicklung, die in Brüssel die Alarmglocken schrillen lässt und fundamentale Fragen über die Zukunft der europäischen Handelspolitik aufwirft.
Pekings Exportmaschine läuft auf Hochtouren
Während europäische Unternehmen mit steigenden Energiekosten, bürokratischen Hürden und einer schwächelnden Binnennachfrage kämpfen, baut China seine Dominanz auf den Weltmärkten unaufhaltsam aus. Der gigantische Handelsüberschuss ist dabei kein Zufall, sondern das Ergebnis einer strategisch durchdachten Wirtschaftspolitik, die westliche Konkurrenten systematisch unter Druck setzt. Die Frage drängt sich auf: Wie lange kann sich Europa diese Entwicklung noch leisten, ohne seine eigene industrielle Basis unwiederbringlich zu beschädigen?
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sieht offenbar einen Wendepunkt in den Beziehungen zu Peking gekommen. Die Zeiten des naiven Freihandelsglaubens scheinen endgültig vorbei zu sein. Doch ob die trägen Reaktionsmechanismen der europäischen Bürokratie mit der Geschwindigkeit mithalten können, mit der China seine Handelsmacht ausbaut, darf bezweifelt werden.
Europäische Wirtschaft übt dreifache Kritik
Die europäische Unternehmenslandschaft formuliert inzwischen deutliche Vorwürfe gegen Pekings Wirtschaftspolitik. Im Kern geht es um drei zentrale Kritikpunkte: massive staatliche Subventionen für chinesische Unternehmen, die den Wettbewerb verzerren; systematische Marktzugangsbeschränkungen für europäische Firmen in China; sowie der erzwungene Technologietransfer als Preis für den Zugang zum chinesischen Markt.
Die Asymmetrie in den Handelsbeziehungen ist längst keine theoretische Debatte mehr, sondern eine existenzielle Bedrohung für ganze Industriezweige in Europa.
Besonders bitter schmeckt die Erkenntnis, dass Europa diese Entwicklung jahrelang sehenden Auges hingenommen hat. Die politische Klasse in Brüssel und den europäischen Hauptstädten war zu sehr damit beschäftigt, sich in ideologischen Debatten über Klimaziele und Gendersprache zu verlieren, während China konsequent seine wirtschaftlichen Interessen verfolgte.
Deutschland als Hauptleidtragender
Für die deutsche Wirtschaft, die traditionell stark vom Export abhängig ist, wiegt diese Entwicklung besonders schwer. Die einstige Stärke – enge Handelsbeziehungen mit China – droht sich nun als strategische Verwundbarkeit zu erweisen. Deutsche Automobilhersteller, Maschinenbauer und Chemiekonzerne sehen sich einer doppelten Bedrohung ausgesetzt: dem Verlust von Marktanteilen in China selbst und der wachsenden Konkurrenz durch chinesische Produkte auf den Weltmärkten.
Die neue Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz steht vor der gewaltigen Aufgabe, eine kohärente China-Strategie zu entwickeln, die wirtschaftliche Interessen mit sicherheitspolitischen Erwägungen in Einklang bringt. Ob das 500 Milliarden Euro schwere Sondervermögen für Infrastruktur dabei hilft, die deutsche Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, oder ob es lediglich die Inflation weiter anheizt und kommende Generationen mit Schulden belastet, bleibt abzuwarten.
Ein Weckruf für Europa
Der eskalierende Handelskonflikt sollte als Weckruf verstanden werden. Europa muss endlich begreifen, dass wirtschaftliche Stärke die Grundlage für politische Handlungsfähigkeit ist. Ohne eine wettbewerbsfähige Industrie, ohne technologische Souveränität und ohne den Willen, eigene Interessen auch gegen Widerstände durchzusetzen, wird der alte Kontinent zum Spielball fremder Mächte degradiert.
Die Zeit des gutgläubigen Multilateralismus ist vorbei. China spielt nach eigenen Regeln – und gewinnt. Wenn Europa nicht bald aufwacht und seine wirtschaftspolitischen Prioritäten grundlegend neu ordnet, könnte der Handelsüberschuss von einer Billion Dollar nur der Anfang einer noch viel dramatischeren Verschiebung der globalen Machtverhältnisse sein.










