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13.01.2026
20:18 Uhr

Grönlands Aufbegehren gegen Kopenhagen: Spielt die Insel Trump in die Hände?

Grönlands Aufbegehren gegen Kopenhagen: Spielt die Insel Trump in die Hände?

Die politischen Spannungen zwischen Grönland und dem dänischen Mutterland erreichen einen neuen Siedepunkt – und ausgerechnet US-Präsident Donald Trump könnte davon profitieren. Was sich derzeit im hohen Norden abspielt, gleicht einem geopolitischen Schachspiel, bei dem die Figuren längst nicht mehr dort stehen, wo sie die europäischen Strategen gerne hätten.

Grönländische Politiker fordern Selbstbestimmung

Die Unzufriedenheit auf der größten Insel der Welt wächst spürbar. Grönländische Politiker verschiedener Lager äußern sich zunehmend kritisch über die Rolle Kopenhagens bei Verhandlungen über die Zukunft ihres Territoriums. Der Oppositionsführer Pele Broberg brachte es auf den Punkt: Die Dänen sollten sich zurückhalten und Grönland den Grönländern überlassen. Dänemark wolle die Insel für immer behalten, so sein Vorwurf.

Bemerkenswert ist, dass selbst Regierungsvertreter in diesen Chor einstimmen. Pipaluk Lynge, Vorsitzende des Außenausschusses des grönländischen Parlaments, stellte nach einem Treffen mit dänischen Abgeordneten unmissverständlich klar:

Wir sind erwachsene Menschen in Grönland. Wir haben ein Parlament. Wir haben Minister, die problemlos in unserem Namen sprechen können.

Noch deutlicher wurde Außenministerin Vivian Motzfeldt mit ihrer rhetorischen Frage, was denn falsch daran wäre, wenn Grönland Treffen nur mit den Vereinigten Staaten abhalten würde. Die frühere Regierungschefin Aleqa Hammond sprach gar von einer einzigartigen Chance für ihr Land.

Trumps aggressive Grönland-Strategie

Der amerikanische Präsident, der in seiner zweiten Amtszeit erneut auf eine Übernahme des halbautonomen dänischen Gebiets drängt, dürfte diese Entwicklung mit Wohlwollen beobachten. Bereits während seiner ersten Amtszeit hatte Trump Interesse an einem Kauf Grönlands bekundet – damals noch belächelt von der internationalen Gemeinschaft. Nun scheint er es ernster zu meinen als je zuvor.

Berichten zufolge soll Trump sogar Militärs angewiesen haben, Pläne für eine gewaltsame Eroberung auszuarbeiten. Hochrangige Offiziere hätten demnach rechtliche Bedenken geäußert und Zweifel an der Zustimmung des Kongresses angemeldet. Ob diese Berichte der Wahrheit entsprechen oder Teil eines kalkulierten Drohszenarios sind, bleibt offen.

Die strategische Bedeutung der Arktis

Grönland ist längst mehr als nur eine eisbedeckte Insel am Rande der Weltkarte. Die Arktis entwickelt sich durch den Klimawandel zu einer der wichtigsten geostrategischen Regionen des 21. Jahrhunderts. Neue Schifffahrtsrouten werden passierbar, und unter dem schmelzenden Eis lagern gewaltige Rohstoffvorkommen – von seltenen Erden bis hin zu Öl und Gas.

Für die USA geht es dabei nicht nur um wirtschaftliche Interessen. Die militärstrategische Lage Grönlands zwischen Nordamerika und Europa macht die Insel zu einem unverzichtbaren Baustein in der amerikanischen Verteidigungsarchitektur. Bereits seit dem Zweiten Weltkrieg unterhalten die Vereinigten Staaten Stützpunkte auf grönländischem Boden.

Dänemark in der Zwickmühle

Kopenhagen befindet sich in einer äußerst unbequemen Lage. Einerseits möchte man den wichtigsten NATO-Verbündeten nicht verprellen, andererseits kann man sich einen Gesichtsverlust durch die Aufgabe Grönlands kaum leisten. Die jährlichen Zahlungen von rund 500 Millionen US-Dollar an die Insel sichern Dänemark zwar Einfluss, doch die weitgehende Selbstverwaltung Grönlands begrenzt die tatsächliche Kontrolle erheblich.

Die Frage, warum Grönland nach fast 80 Jahren Entkolonialisierung weltweit noch immer nicht unabhängig ist, wird zunehmend lauter gestellt. Kritiker sprechen von einer Doppelmoral, wenn die EU einerseits koloniale Strukturen andernorts anprangert, aber die dänische Herrschaft über Grönland vehement verteidigt.

Was wollen die Grönländer selbst?

Umfragen zeigen ein differenziertes Bild. Während etwa 85 Prozent der Grönländer einen Anschluss an die USA ablehnen, befürworten rund 56 Prozent die vollständige Unabhängigkeit von Dänemark. Allerdings knüpfen viele diese Zustimmung an die Bedingung, dass ihr Lebensstandard darunter nicht leiden dürfe – eine Hürde, die angesichts der wirtschaftlichen Abhängigkeit von dänischen Transferzahlungen nicht zu unterschätzen ist.

Die etwa 57.000 Einwohner Grönlands stehen vor einer Grundsatzentscheidung: Wollen sie weiterhin unter dem Schutzschirm Dänemarks und damit indirekt der EU verbleiben, oder wagen sie den Sprung in eine ungewisse Zukunft – möglicherweise an der Seite der Vereinigten Staaten? Der Vergleich mit Alaska, das sich unter amerikanischer Flagge deutlich besser entwickelt hat als das benachbarte kanadische Yukon-Territorium, wird von Befürwortern einer US-Anbindung gerne angeführt.

Eines steht fest: Die kommenden Monate werden zeigen, ob Grönland tatsächlich zum Spielball amerikanischer Großmachtpolitik wird – oder ob die Inuit ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen können.

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