Kettner Edelmetalle
19.02.2026
08:21 Uhr

Goldpreis im Spannungsfeld: Iran-Eskalation und Fed-Zögern treiben Anleger in den sicheren Hafen

Goldpreis im Spannungsfeld: Iran-Eskalation und Fed-Zögern treiben Anleger in den sicheren Hafen

WĂ€hrend die Welt den Atem anhĂ€lt, zeigt das gelbe Edelmetall einmal mehr, warum es seit Jahrtausenden als ultimativer Krisenschutz gilt. Der Goldpreis pendelt knapp unterhalb der psychologisch bedeutsamen Marke von 5.000 US-Dollar je Unze – und die Gemengelage aus geopolitischer Eskalation im Nahen Osten und einer zunehmend unberechenbaren US-Geldpolitik könnte dem Edelmetall weiteren Auftrieb verleihen.

Wilde Achterbahnfahrt seit dem Rekordhoch

Was fĂŒr Zeiten fĂŒr Goldanleger. Nachdem der Preis zu Monatsbeginn von seinem historischen Allzeithoch bei 5.595 US-Dollar in einem regelrechten Ausverkauf auf rund 4.400 Dollar zurĂŒckgefallen war, hat sich das Edelmetall inzwischen wieder deutlich erholt. Am Donnerstag notierte Gold bei etwa 4.990 Dollar je Unze – ein Plus von 0,3 Prozent gegenĂŒber dem Vortag. Bereits am Mittwoch hatten SchnĂ€ppchenjĂ€ger zugegriffen und den Preis um rund zwei Prozent nach oben getrieben, nachdem Gold zuvor zwei Handelstage in Folge bis auf 4.841 Dollar abgerutscht war.

Die VolatilitĂ€t, die den Markt seit Wochen prĂ€gt, ist dabei alles andere als gewöhnlich. Schwankungen von mehreren hundert Dollar innerhalb weniger Tage – das gab es in dieser IntensitĂ€t selten. Doch wer die fundamentalen Treiber betrachtet, versteht schnell, warum der Markt derart nervös reagiert.

Die Fed zögert – und Trump drĂ€ngt

Das am Mittwoch veröffentlichte Sitzungsprotokoll der US-Notenbank Federal Reserve sorgte fĂŒr erhebliche Unruhe. Die WĂ€hrungshĂŒter zeigten sich bei ihrem Treffen Ende Januar ĂŒberraschend zurĂŒckhaltend, was schnelle Zinssenkungen angeht. Eine Haltung, die in direktem Widerspruch zu den lautstarken Forderungen von PrĂ€sident Donald Trump steht, der bekanntlich seit seinem Amtsantritt im Januar 2025 unermĂŒdlich niedrigere Kreditkosten fordert.

Hier offenbart sich ein fundamentaler Konflikt, der weit ĂŒber die GoldmĂ€rkte hinausreicht. Auf der einen Seite eine Notenbank, die angesichts hartnĂ€ckiger Inflationsrisiken vorsichtig agieren möchte. Auf der anderen Seite ein PrĂ€sident, der mit seinen massiven Zollerhöhungen – 20 Prozent auf EU-Importe, 34 Prozent auf chinesische Waren – selbst erheblichen Preisdruck erzeugt und gleichzeitig billigeres Geld verlangt. Ein Widerspruch, der geradezu absurd anmutet.

FĂŒr Gold bedeutet diese Pattsituation zunĂ€chst Gegenwind: Eine restriktivere Geldpolitik erhöht die sogenannten OpportunitĂ€tskosten, da Anleger theoretisch auf zinstragende Alternativen ausweichen könnten. Doch die politische Unsicherheit, die aus diesem Machtkampf zwischen Weißem Haus und Fed erwĂ€chst, wirkt paradoxerweise als StĂŒtze fĂŒr das Edelmetall. Denn wenn eines sicher ist in diesen Zeiten, dann die Unsicherheit selbst.

Starker Dollar als Bremsklotz – vorerst

ZusĂ€tzlichen Druck auf den Goldpreis ĂŒbte zuletzt der erstarkende US-Dollar aus. Robuste Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten – die Industrieproduktion stieg so krĂ€ftig wie seit fast einem Jahr nicht mehr, die AuftragseingĂ€nge fĂŒr langlebige InvestitionsgĂŒter ĂŒbertrafen die Erwartungen – verliehen dem Greenback RĂŒckenwind. Der Bloomberg Dollar Spot Index legte um 0,5 Prozent zu und hielt diese Gewinne auch am Folgetag.

Ein stĂ€rkerer Dollar macht Gold fĂŒr KĂ€ufer außerhalb des Dollarraums teurer und wirkt daher traditionell dĂ€mpfend auf den Preis. Doch man sollte sich von dieser kurzfristigen Dynamik nicht tĂ€uschen lassen. Die strukturellen Faktoren, die den mehrjĂ€hrigen AufwĂ€rtstrend beim Gold antreiben, bleiben nach EinschĂ€tzung zahlreicher Großbanken vollstĂ€ndig intakt. Namhafte Institute rechnen weiterhin mit steigenden Kursen – manche OptionshĂ€ndler setzen sogar auf Preise von 15.000 Dollar je Unze.

In Euro gerechnet: Eine beeindruckende Bilanz

Besonders bemerkenswert ist die Performance in Euro. Seit Jahresbeginn hat Gold in der europĂ€ischen GemeinschaftswĂ€hrung bereits fast 15 Prozent zugelegt – und das in nicht einmal zwei Monaten. Renditen, die noch vor wenigen Jahren als hervorragendes Jahresergebnis gegolten hĂ€tten, werden nun in Wochen erzielt. FĂŒr deutsche Anleger, die angesichts der geplanten 500-Milliarden-Euro-Schuldenpakete der neuen Bundesregierung unter Friedrich Merz zu Recht um die Kaufkraft ihrer Ersparnisse bangen, dĂŒrfte dies ein eindrucksvoller Beweis fĂŒr die Schutzfunktion physischer Edelmetalle sein.

Iran-Konflikt: Der geopolitische Brandbeschleuniger

Als wĂ€re die geldpolitische Gemengelage nicht schon komplex genug, schwebt ĂŒber den MĂ€rkten das Damoklesschwert einer militĂ€rischen Eskalation im Nahen Osten. Die AtomgesprĂ€che zwischen Washington und Teheran verliefen bislang ohne nennenswerten Durchbruch. Nach Verhandlungen in Genf habe ein US-Vertreter angekĂŒndigt, dass der Iran innerhalb von zwei Wochen konkrete VorschlĂ€ge vorlegen wolle, um bestehende Differenzen zu ĂŒberbrĂŒcken.

Doch die Zeichen stehen nicht auf Entspannung. Berichten zufolge könnte eine mögliche militĂ€rische Operation der USA gegen den Iran eine mehrwöchige Kampagne umfassen. Angesichts der bereits im Juni 2025 erlebten dramatischen Eskalation – als Israel Großangriffe auf iranische Atomanlagen startete und der Iran mit Raketen reagierte – wissen die MĂ€rkte nur zu gut, wie schnell die Lage im Nahen Osten außer Kontrolle geraten kann. Solche Szenarien treiben die Nachfrage nach sicheren HĂ€fen wie Gold regelmĂ€ĂŸig in die Höhe.

Ausblick: Wichtige US-Daten stehen an

Die kommenden Tage dĂŒrften weitere Impulse liefern. Am Freitag wird das US-Bruttoinlandsprodukt veröffentlicht, das fĂŒr 2025 ein Wachstum von 2,7 Prozent signalisieren dĂŒrfte. Zudem steht die verzögerte Veröffentlichung des PCE-Inflationsindex fĂŒr Dezember an – jener Preisindikator, den die Fed als bevorzugtes Inflationsmaß heranzieht und der maßgeblich die weitere Zinspolitik beeinflussen wird.

Auch die anderen Edelmetalle zeigten sich zuletzt unterschiedlich. Silber legte um beachtliche 1,1 Prozent auf 78,01 Dollar zu, wÀhrend Platin leicht um 0,4 Prozent nachgab und Palladium nahezu unverÀndert notierte.

Wer in diesen turbulenten Zeiten nach einem verlĂ€sslichen Anker fĂŒr sein Vermögen sucht, kommt an physischen Edelmetallen kaum vorbei. Gold hat ĂŒber Jahrtausende bewiesen, dass es Kriege, WĂ€hrungsreformen und politisches Versagen ĂŒberdauert – eine Eigenschaft, die in einer Welt explodierender Staatsschulden und geopolitischer PulverfĂ€sser wertvoller ist denn je.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Informationen und EinschĂ€tzungen dienen ausschließlich der allgemeinen Information und spiegeln die Meinung unserer Redaktion wider. Jede Anlageentscheidung sollte auf Basis eigener sorgfĂ€ltiger Recherche und gegebenenfalls nach RĂŒcksprache mit einem qualifizierten Finanzberater getroffen werden. FĂŒr etwaige Verluste, die aus der Nutzung der hier bereitgestellten Informationen resultieren, ĂŒbernehmen wir keinerlei Haftung.

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