Kettner Edelmetalle
23.10.2025
13:45 Uhr

Faber-Castell verrÀt deutsche Arbeiter: Traditionswerk wandert nach Peru aus

Ein weiteres Kapitel deutscher Deindustrialisierung wird geschrieben: Der Schreibwarenhersteller Faber-Castell schließt sein Werk in Engelhartszell an der Donau. Nach ĂŒber 60 Jahren endet damit ein StĂŒck oberösterreichischer Industriegeschichte. Die Produktion von Textmarkern wandert ins ferne Peru ab – 41 Familien stehen vor dem Nichts. Was fĂŒr ein verheerendes Signal in Zeiten, in denen Europa ohnehin mit massiver Abwanderung kĂ€mpft.

Der Verrat kam ĂŒber Nacht

Noch vor zwei Jahren feierte man in Engelhartszell das 60-jĂ€hrige WerksjubilĂ€um. Die Gemeinde verkaufte sogar GrundstĂŒcke fĂŒr eine geplante Erweiterung, eine Photovoltaikanlage wurde installiert – alles schien auf Wachstum ausgerichtet. Doch wĂ€hrend die Arbeiter noch an die Zukunft glaubten, plante die KonzernfĂŒhrung bereits den Exodus. Ein Defizit von zwei Millionen Euro reichte aus, um sechs Jahrzehnte Treue und Tradition ĂŒber Bord zu werfen.

Die BegrĂŒndung des Konzerns liest sich wie aus dem Lehrbuch neoliberaler Globalisierung: Internationale Effizienz, Kostensenkung, Wettbewerbsvorteile. Was man zwischen den Zeilen liest: Deutsche und österreichische Arbeiter sind zu teuer geworden. In Peru lĂ€sst sich billiger produzieren – auf dem RĂŒcken von Menschen, die fĂŒr einen Bruchteil des Lohns schuften.

Die wahren GrĂŒnde hinter der Flucht

NatĂŒrlich schiebt Faber-Castell die Schuld auf Ă€ußere UmstĂ€nde: US-Zölle, globale Handelskonflikte, gestiegene Materialpreise. Doch die Wahrheit dĂŒrfte komplexer sein. In einer Zeit, in der die Energiepreise in Europa durch eine verfehlte Klimapolitik explodieren und die BĂŒrokratie jeden unternehmerischen Spielraum erstickt, suchen Konzerne ihr Heil in der Flucht.

„Über Generationen hinweg prĂ€gte die Fabrik das Ortsbild. Nun verliert Engelhartszell ein StĂŒck IdentitĂ€t und wirtschaftliche Perspektive."

Diese Worte eines Gemeindevertreters bringen es auf den Punkt. Es geht nicht nur um 41 ArbeitsplĂ€tze – es geht um das Ausbluten ganzer Regionen. WĂ€hrend in Berlin und BrĂŒssel ĂŒber Gendersternchen und CO2-NeutralitĂ€t debattiert wird, stirbt die industrielle Basis Europas einen langsamen Tod.

Peru profitiert von Europas SchwÀche

Die Verlagerung nach Lima ist symptomatisch fĂŒr einen grĂ¶ĂŸeren Trend. SĂŒdamerika lockt mit niedrigen Löhnen, laxeren Umweltauflagen und Zollvorteilen. Was in Europa als soziale Errungenschaft gilt – faire Löhne, Arbeitnehmerschutz, Umweltstandards – wird zum Standortnachteil im globalen Wettbewerb. Die bittere Ironie: Dieselben Politiker, die diese Standards hochhalten, wundern sich dann ĂŒber Arbeitslosigkeit und StrukturschwĂ€che.

Ein Musterbeispiel gescheiterter Politik

Der Fall Faber-Castell zeigt exemplarisch, wohin uns die Politik der letzten Jahre gefĂŒhrt hat. WĂ€hrend man in Deutschland Atomkraftwerke abschaltet und die Energiewende zur Religion erhebt, wandern energieintensive Betriebe ab. Die Rechnung zahlen nicht die Politiker in ihren klimatisierten BĂŒros, sondern die Arbeiter in Engelhartszell.

Besonders perfide: Noch lĂ€uft die Produktion bis Sommer 2026 weiter. Die Mitarbeiter sollen also noch anderthalb Jahre lang fĂŒr ihren eigenen Untergang arbeiten, bevor die Maschinen endgĂŒltig verstummen. FĂŒr Ă€ltere Arbeitnehmer bedeutet das faktisch das Ende ihrer beruflichen Laufbahn – in einer Region, in der alternative ArbeitsplĂ€tze Mangelware sind.

Die Globalisierung frisst ihre Kinder

Was bleibt, ist ErnĂŒchterung. Der offene Brief des BĂŒrgermeisters an die EigentĂŒmerfamilie von Faber-Castell wird wohl ungehört verhallen. In der schönen neuen Welt der Konzernstrategen zĂ€hlen nur noch Quartalszahlen und Renditen. Tradition, Verantwortung, regionale Verbundenheit – alles Relikte einer vergangenen Zeit.

Die Schließung in Engelhartszell könnte nur der Anfang sein. Faber-Castell hat bereits angekĂŒndigt, weitere Standorte auf den PrĂŒfstand zu stellen. Die Botschaft ist klar: Wer in Europa produziert, lebt gefĂ€hrlich. Die Zukunft gehört denjenigen, die rechtzeitig die Flucht ergreifen – nach Peru, Vietnam oder sonst wohin, wo Arbeiter noch fĂŒr Hungerlöhne schuften.

Zeit fĂŒr eine Kehrtwende

Es wird höchste Zeit, dass die Politik aufwacht. Statt immer neue Belastungen fĂŒr die heimische Wirtschaft zu erfinden, brauchen wir eine Renaissance der Industriepolitik. Niedrigere Energiekosten, weniger BĂŒrokratie, mehr Pragmatismus – nur so lĂ€sst sich der Exodus stoppen. Andernfalls werden wir noch viele Engelhartszells erleben.

Die 41 Arbeiter in Oberösterreich sind nur die jĂŒngsten Opfer einer verfehlten Politik. Ihre Schicksale sollten uns eine Warnung sein: Wer seine industrielle Basis aufgibt, verliert nicht nur ArbeitsplĂ€tze, sondern seine Zukunft. In Zeiten globaler Unsicherheit rĂ€cht sich die NaivitĂ€t, mit der Europa seine StĂ€rken preisgegeben hat. Gold und Silber mögen als Wertanlage Sicherheit bieten – doch was nĂŒtzt das, wenn die Grundlagen unseres Wohlstands verschwinden?

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