Kettner Edelmetalle
21.01.2026
18:02 Uhr

EU-Parlament torpediert Mercosur-Abkommen – Jahrzehntelange Verhandlungen vor dem Aus?

EU-Parlament torpediert Mercosur-Abkommen – Jahrzehntelange Verhandlungen vor dem Aus?

Was fĂŒr ein politisches Trauerspiel sich da in Straßburg abspielt! Nach sage und schreibe 25 Jahren zĂ€her Verhandlungen schien das Freihandelsabkommen zwischen der EuropĂ€ischen Union und den sĂŒdamerikanischen Mercosur-Staaten endlich in greifbarer NĂ€he. Doch nun hat das EuropĂ€ische Parlament mit einer hauchdĂŒnnen Mehrheit von 334 zu 324 Stimmen beschlossen, den EuropĂ€ischen Gerichtshof anzurufen. Die Folge: Das Inkrafttreten könnte sich um Monate, womöglich sogar um bis zu zwei Jahre verzögern.

Frankreich als Bremsklotz der europÀischen Handelspolitik

Besonders pikant: Der Antrag zur EuGH-Anrufung ging auf französische Abgeordnete zurĂŒck. WĂ€hrend EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen das Abkommen erst am vergangenen Samstag feierlich unterzeichnete und eine Mehrheit der 27 EU-Mitgliedsstaaten grĂŒnes Licht gegeben hatte, stemmt sich Frankreich mit aller Macht gegen das Handelsabkommen. Die französische Agrarlobby fĂŒrchtet offenbar die Konkurrenz aus SĂŒdamerika mehr als die wirtschaftlichen Chancen, die sich fĂŒr ganz Europa ergeben wĂŒrden.

Bundeskanzler Friedrich Merz reagierte prompt und bezeichnete die Entscheidung als „bedauerlich". Sie verkenne die geopolitische Lage völlig, erklĂ€rte der CDU-Politiker auf der Plattform X. Seine Forderung ist unmissverstĂ€ndlich: Das Abkommen mĂŒsse jetzt vorlĂ€ufig angewendet werden. „Keine weiteren Verzögerungen mehr", mahnte Merz.

Wirtschaftliche Bedeutung wird strÀflich unterschÀtzt

Das Mercosur-Abkommen mit Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay wĂŒrde eine der weltweit grĂ¶ĂŸten Freihandelszonen schaffen. FĂŒr die deutsche Wirtschaft, die ohnehin unter massivem Druck steht, wĂ€re dies ein dringend benötigter Lichtblick. EuropĂ€ische Unternehmen könnten Automobile und chemische Produkte leichter exportieren, wĂ€hrend im Gegenzug landwirtschaftliche Erzeugnisse und Rohstoffe aus SĂŒdamerika nach Europa fließen wĂŒrden.

Doch statt pragmatisch zu handeln und die wirtschaftlichen Interessen Europas in den Vordergrund zu stellen, verliert sich die EU einmal mehr in bĂŒrokratischen PrĂŒfverfahren und nationalen Egoismen. WĂ€hrend andere WirtschaftsmĂ€chte wie China und die USA lĂ€ngst aggressive Handelsstrategien verfolgen, diskutiert Europa noch immer ĂŒber ein Abkommen, das bereits seit 1999 verhandelt wird.

Ein fatales Signal an die Welt

Die Abstimmung im Europaparlament sendet ein verheerendes Signal an potenzielle Handelspartner weltweit. Wer will schon jahrzehntelang verhandeln, nur um am Ende von einem Gerichtshof ausgebremst zu werden? Die geopolitische Dimension, die Kanzler Merz zu Recht anmahnt, wird von den Abkommen-Gegnern offenbar völlig ignoriert. In einer Zeit, in der sich globale MachtverhÀltnisse rasant verschieben, kann sich Europa solche Selbstblockaden schlicht nicht leisten.

Ob das Abkommen letztlich ratifiziert wird, steht nun mehr denn je in den Sternen. Die sĂŒdamerikanischen Partner dĂŒrften diese europĂ€ische HĂ€ngepartie mit wachsendem UnverstĂ€ndnis beobachten – und sich möglicherweise nach verlĂ€sslicheren Handelspartnern umsehen.

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