Kettner Edelmetalle
13.01.2026
19:07 Uhr

Energiepolitisches Desaster: Ungarn wird zum neuen Gas-Drehkreuz Europas – Deutschland zahlt die Zeche

Energiepolitisches Desaster: Ungarn wird zum neuen Gas-Drehkreuz Europas – Deutschland zahlt die Zeche

Was für eine bittere Ironie der Geschichte! Während deutsche Politiker jahrelang von der Energiewende schwärmten und sich in moralischer Überlegenheit sonnten, verschiebt sich die energiepolitische Macht in Europa still und leise nach Osten. Ungarn, das von Brüssel so oft gescholtene Land unter Viktor Orbán, entwickelt sich zum neuen Gewinner der europäischen Gasversorgung – und Deutschland steht mit leeren Händen da.

Der tiefe Fall des einstigen Gas-Giganten

Über Jahrzehnte hinweg war die Bundesrepublik der zentrale Knotenpunkt für russisches Erdgas in Europa. Nord Stream machte Deutschland zum wichtigsten Verteiler, die Industrie profitierte von günstigen Energiepreisen, und der Standort florierte. Diese goldenen Zeiten sind unwiederbringlich vorbei. Heute kämpft die deutsche Wirtschaft mit explodierenden Energiekosten, während sich die europäischen Gasströme auf eine einzige Route konzentrieren: TurkStream.

Die Zahlen des europäischen Thinktanks Bruegel sprechen eine unmissverständliche Sprache. Im vierten Quartal 2025 exportierte Russland stolze 5,065 Milliarden Kubikmeter Erdgas über die Schwarzmeerpipeline TurkStream in Richtung EU – ein neuer Rekordwert. Auf das Gesamtjahr gerechnet flossen 18,13 Milliarden Kubikmeter russischen Gases über diesen Korridor, so viel wie nie zuvor.

Strompreise: Ein Vergleich, der schmerzt

Die Konsequenzen dieser Entwicklung lassen sich in nackten Zahlen ablesen. Während deutsche Haushalte Ende 2025 durchschnittlich 38,3 Cent pro Kilowattstunde für Strom berappen mussten, zahlen ungarische Verbraucher nur einen Bruchteil davon. Fast viermal so teuer ist der Strom hierzulande – ein Standortnachteil, der sich wie ein Mühlstein um den Hals der deutschen Industrie legt.

Und was tun die großen deutschen Konzerne? Sie stimmen mit den Füßen ab. Bosch, Mercedes-Benz und andere Industriegrößen investieren verstärkt in Ungarn oder verlagern Produktionsschritte dorthin. Wo Pipeline-Gas verfügbar bleibt und die Strompreise niedrig sind, sinken die Kosten – und steigen Planungssicherheit sowie Wettbewerbsfähigkeit. Genau das kann Deutschland derzeit schlichtweg nicht bieten.

Die Netzauslastung als Gradmesser des Erfolgs

Nach Informationen des ungarischen Energie-Portals Ceenergynews ist Ungarns Gasnetz 2025 deutlich besser ausgelastet als die Netze in den Nachbarländern. In Österreich und der Slowakei treiben dagegen unterausgelastete Netze die Tarife nach oben. Ein klassisches Beispiel dafür, wie sich kluge Energiepolitik auszahlt – und ideologiegetriebene Entscheidungen rächen.

Brüssels Ausstiegspläne: Ein Spiel mit dem Feuer?

Doch wie nachhaltig ist Ungarns neue Rolle? Brüssel plant bekanntlich, spätestens zum 1. November 2027 komplett aus russischem Pipeline-Gas auszusteigen. Ob sich diese ambitionierten Pläne in der Realität umsetzen lassen, steht freilich auf einem anderen Blatt. Die EU-Bürokraten mögen ihre Ausstiegsszenarien auf dem Papier durchspielen – die energiepolitische Realität könnte sie eines Besseren belehren.

Interessant ist in diesem Zusammenhang das Verhalten Serbiens. Belgrad hat seinen Liefervertrag über TurkStream bewusst nur bis Ende März 2026 verlängert und vermeidet langfristige Festlegungen. Analysten wie Daniela Miccoli von Energy Aspects erwarten dennoch, dass ab 2028 weiterhin rund drei Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr über die südöstliche Route fließen werden.

Die südöstliche Gasachse positioniert sich bewusst außerhalb der europäischen Ausstiegsarchitektur – ein Schachzug, der Brüssel noch Kopfzerbrechen bereiten dürfte.

Deutschlands selbstverschuldete Misere

Man muss es so deutlich sagen: Die aktuelle Situation ist das Ergebnis jahrelanger energiepolitischer Fehlentscheidungen. Die Sprengung von Nord Stream, der überhastete Ausstieg aus der Kernenergie, die ideologisch motivierte Verteufelung fossiler Brennstoffe – all das hat Deutschland in eine Position der Schwäche manövriert. Während andere Länder pragmatisch ihre Energieversorgung sichern, verharrt die Bundesrepublik in einer Mischung aus moralischem Hochmut und praktischer Hilflosigkeit.

Die Industrie wandert ab, die Energiepreise explodieren, und der Standort Deutschland verliert täglich an Attraktivität. Ungarn hingegen, das von deutschen Medien so gerne als rückständig dargestellt wird, zeigt, wie man nationale Interessen in der Energiepolitik durchsetzt. Vielleicht wäre es an der Zeit, dass auch hierzulande ein Umdenken einsetzt – bevor es endgültig zu spät ist.

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