Kettner Edelmetalle
17.12.2025
10:51 Uhr

Deutsche Wirtschaft am Abgrund: BDI-Chef beschreibt „regelrecht aggressive" Stimmung unter Unternehmern

Die Hoffnung wĂ€hrte nur wenige Monate. Als Friedrich Merz im Mai 2025 das Kanzleramt ĂŒbernahm, atmete die deutsche Wirtschaft kurz auf. Endlich, so glaubten viele, wĂŒrde ein Mann mit wirtschaftlichem Sachverstand das Ruder herumreißen. Doch diese Illusion ist mittlerweile grĂŒndlich zerplatzt. Der PrĂ€sident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Peter Leibinger, zeichnet nun ein erschreckendes Bild der Lage: Die Stimmung unter deutschen Unternehmern sei „extrem negativ, teils regelrecht aggressiv".

Vom HoffnungstrÀger zur bitteren EnttÀuschung

Im GesprĂ€ch mit der SĂŒddeutschen Zeitung schilderte Leibinger einen dramatischen Stimmungsumschwung in der deutschen Wirtschaft. „Beim Start der Regierung im Mai war die Lage der Wirtschaft kritisch, die Stimmung aber hoffnungsvoll. Jetzt sind die Probleme immer noch da, viele in den Unternehmen sind aber so maßlos enttĂ€uscht, wie ich es noch nie erlebt habe", so der BDI-PrĂ€sident. Diese Worte wiegen schwer, denn sie kommen nicht von einem notorischen Nörgler, sondern vom obersten Interessenvertreter der deutschen Industrie.

Die Diagnose des Industrievertreters ist schonungslos: Deutschland stecke in der schwersten Wirtschaftskrise seit GrĂŒndung der Bundesrepublik. Die lĂ€ngste Rezession, ein Produktionsschwund seit 2018, geringes ProduktivitĂ€tswachstum und der letzte Platz beim Wachstum unter den großen Volkswirtschaften – das sind die nĂŒchternen Fakten, die Leibinger aufzĂ€hlt. „Unser Gesellschaftsmodell droht uns zwischen den Fingern zu zerrinnen", warnt er eindringlich.

BĂŒrokratie als WĂŒrgegriff der deutschen Wirtschaft

Was sind die Ursachen dieser Misere? Der BDI-Chef benennt sie klar: BĂŒrokratie, geringe Arbeitszeiten, mangelnde FlexibilitĂ€t. „Das sind alles Dinge, die uns Geschwindigkeit kosten", erklĂ€rt Leibinger. WĂ€hrend andere Volkswirtschaften agil und schnell auf VerĂ€nderungen reagieren, versinkt Deutschland in einem Meer aus Vorschriften und Regulierungen. „Wir sind schlicht viel zu langsam", lautet sein vernichtendes Urteil.

Die Zahlen untermauern diese EinschĂ€tzung auf erschreckende Weise. Das ifo-Institut bezifferte bereits 2024 die jĂ€hrlichen Kosten der ĂŒberbordenden BĂŒrokratie auf bis zu 146 Milliarden Euro an verlorener Wirtschaftsleistung. Eine aktuelle Betriebsbefragung des Instituts fĂŒr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung vom Oktober 2025 zeigt zudem, dass rund 80 Prozent der Betriebe von gestiegenen BĂŒrokratiekosten in den vergangenen drei Jahren berichten. Die Lage verschlechtert sich also kontinuierlich.

Vollmundige Versprechen, magere Ergebnisse

Dabei hatte die Merz-Regierung im Koalitionsvertrag ambitionierte Ziele formuliert: Die wirtschaftliche Belastung durch BĂŒrokratie sollte um ein Viertel reduziert werden, was rund 16 Milliarden Euro entspricht. Der sogenannte ErfĂŒllungsaufwand fĂŒr Unternehmen, Verbraucher und die öffentliche Verwaltung sollte um mindestens 10 Milliarden Euro sinken. Doch was ist davon umgesetzt worden? Praktisch nichts von Bedeutung.

Das nationale Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, das die CDU/CSU vor der Bundestagswahl noch vollstĂ€ndig aufheben wollte, besteht weiterhin. Lediglich eine Novelle wurde im September 2025 beschlossen, die einige Berichtspflichten streicht und Sanktionen einschrĂ€nkt – ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Sorgfaltspflichten fĂŒr Unternehmen mit mindestens 1.000 Mitarbeitern bleiben bestehen. So sieht also der große Befreiungsschlag aus, den sich die Wirtschaft erhofft hatte.

China auf dem Vormarsch – Deutschland schaut zu

WĂ€hrend Deutschland mit sich selbst beschĂ€ftigt ist, drĂ€ngen chinesische Unternehmen mit atemberaubender AggressivitĂ€t auf den deutschen Markt. „Unser industrieller Kern ist in der Tat in Gefahr, weil China unser GeschĂ€ftsmodell nachbaut, dabei aber gĂŒnstiger und vor allem viel schneller ist als wir", warnt Leibinger. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im Zeitraum von Januar bis August 2025 wurden in Deutschland rund 35.000 chinesische Pkw neu zugelassen – eine Verdopplung gegenĂŒber dem Vorjahreszeitraum.

Besonders bitter: Die auf EU-Ebene vorangetriebene Klimapolitik, die einen wachsenden Anteil von Elektroautos bei den Neuzulassungen erzwingt, spielt den chinesischen Herstellern direkt in die HĂ€nde. Denn im Bereich der ElektromobilitĂ€t sind die Unternehmen aus Fernost lĂ€ngst MarktfĂŒhrer. Der weltweite Marktanteil der chinesischen Automobilindustrie stieg zwischen 2013 und 2024 von etwa 6 Prozent auf rund 14 Prozent. Die deutsche Automobilindustrie, einst Stolz der Nation, gerĂ€t immer stĂ€rker unter Druck.

Kritik an der PrioritÀtensetzung der Regierung

Leibinger kritisiert scharf, dass sich die Politik zu hĂ€ufig in Einzeldebatten verliere. Diskussionen ĂŒber das Heizungsgesetz oder die Erhöhung der Pendlerpauschale mögen populĂ€r sein, doch sie verfehlen das eigentliche Problem. „Die Pendlerpauschale entscheidet aber nicht ĂŒber die Rettung des Standorts", stellt der BDI-Chef klar. Was Deutschland brauche, seien grundlegende strukturelle Reformen – und zwar schnell.

Die Frage, die sich viele Beobachter stellen: Warum hat die Wirtschaft so lange geschwiegen? Jahrelang wurde eine zerstörerische Politik betrieben, jahrelang haben die WirtschaftsverbĂ€nde mitgemacht und die einzige Oppositionspartei, die grundlegende Änderungen forderte, bekĂ€mpft. Nun, da das Kind in den Brunnen gefallen ist, wird gejammert. Doch Jammern allein wird Deutschland nicht retten.

Ein Funken Hoffnung?

Trotz aller dĂŒsteren Prognosen verbreitet Leibinger auch einen Hauch von Optimismus. Das deutsche GeschĂ€ftsmodell sei nicht am Ende. „Wir sind unverĂ€ndert Weltmeister in der Herstellung komplexer Produkte mit Technologiefokus – Komponenten, Subsysteme, Maschinen, Anlagen und andere GĂŒter, die tiefes Wissen benötigen", betont er. Diese hochtechnischen Produkte werde die Welt weiter brauchen.

Doch dieser Hoffnungsschimmer kann nicht darĂŒber hinwegtĂ€uschen, dass Deutschland dringend einen Kurswechsel braucht. Die aggressive Stimmung unter den Unternehmern ist ein Warnsignal, das die Politik nicht lĂ€nger ignorieren darf. Ob die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD den Mut zu echten Reformen aufbringt, bleibt abzuwarten. Die bisherige Bilanz stimmt jedenfalls nicht optimistisch.

In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und politischer EnttĂ€uschungen suchen viele Anleger nach stabilen Werten. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich ĂŒber Jahrhunderte als verlĂ€sslicher Wertspeicher bewĂ€hrt und können eine sinnvolle ErgĂ€nzung eines breit gestreuten Anlageportfolios darstellen – gerade wenn das Vertrauen in politische EntscheidungstrĂ€ger schwindet.

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