
Der "schwarze Metzger" rÀumt auf: Rainers Kehrtwende spaltet die Landwirtschaft
Wenn Markus Söder seinen neuen Landwirtschaftsminister als "schwarzen Metzger" anpreist, der endlich Schluss mache mit der "Tofu-TĂŒmelei" seines VorgĂ€ngers, dann weiĂ man: Hier weht ein anderer Wind. Alois Rainer, seines Zeichens Metzgermeister aus Niederbayern, liefert seit seinem Amtsantritt genau das, was die CSU-FĂŒhrung bestellt hat â eine radikale Abkehr von allem, was auch nur entfernt nach grĂŒner Politik riecht.
Geschenke fĂŒr die Bauernlobby
Der neue Minister lĂ€sst keine Zeit verstreichen. Wie ein Weihnachtsmann im SpĂ€tsommer verteilt er PrĂ€sente an die Landwirtschaft: Die verhasste Nitratverordnung? Gekippt. Die Fristen fĂŒr das Tierwohlkennzeichen? GroĂzĂŒgig verlĂ€ngert. Und als SahnehĂ€ubchen obendrauf gibt es ab 2026 wieder die volle Agrardiesel-Subvention zurĂŒck â jene Streichung, die unter der Ampel zu wochenlangen Traktorblockaden fĂŒhrte.
Man könnte meinen, Rainer habe die Wunschliste des Bauernverbandes einfach abgearbeitet. Stefanie Sabet, GeneralsekretĂ€rin des Verbandes, gibt sich dennoch betont zurĂŒckhaltend. Von "positiven Signalen" spricht sie â als hĂ€tte man ihr gerade einen Lottogewinn in Raten versprochen. Nur beim Mindestlohn fĂŒr Erntehelfer musste selbst der willige Minister passen. Rechtlich sei da nichts zu machen, heiĂt es. Offenbar gibt es doch noch Grenzen, selbst fĂŒr einen "schwarzen Metzger".
Naturschutz als Kollateralschaden
WĂ€hrend die Bauernlobby jubelt, schlagen Tier- und NaturschĂŒtzer Alarm. Der Deutsche Tierschutzbund spricht von einem "tierschutzpolitischen Beben". Die bislang unabhĂ€ngige Tierschutzbeauftragte wurde kurzerhand durch eine linientreue StaatssekretĂ€rin ersetzt. Wölfe sollen leichter abgeschossen werden können. Und auf die Frage, was ihm wichtiger sei â Klimaschutz oder Fleischkonsum â antwortet Rainer allen Ernstes, das eine habe mit dem anderen nichts zu tun.
"Hier scheint sich im Ministerium auch eine neue Linie durchzusetzen â nĂ€mlich alles zu tun, dass die Landwirte glĂŒcklich sind, aber die Tiere leiden."
So bringt es Thomas Schröder, PrÀsident des Deutschen Tierschutzbundes, auf den Punkt. Man möchte ergÀnzen: Und das Klima gleich mit.
RĂŒckwĂ€rts in die Zukunft
Kai Niebert vom Deutschen Naturschutzring befĂŒrchtet, dass sich die mĂŒhsam befriedeten Konflikte zwischen Landwirtschaft und Naturschutz wieder verschĂ€rfen könnten. Als Mitglied der Zukunftskommission Landwirtschaft hatte er jahrelang an Kompromissen gefeilt. Jetzt sieht er seine Arbeit mit FĂŒĂen getreten. Die ausgestreckte Hand der NaturschĂŒtzer? Rainer scheint sie nicht einmal zu sehen.
Was hier geschieht, ist mehr als nur ein Politikwechsel. Es ist die systematische Demontage aller Fortschritte, die in Sachen Nachhaltigkeit und Tierwohl mĂŒhsam erkĂ€mpft wurden. Rainer mag sich als Retter der deutschen Landwirtschaft inszenieren, doch in Wahrheit zementiert er ĂŒberholte Strukturen und ignoriert die drĂ€ngenden Herausforderungen unserer Zeit.
Die neue Bundesregierung hatte versprochen, vieles anders zu machen als die gescheiterte Ampel. In der Landwirtschaftspolitik hĂ€lt sie Wort â nur leider in die falsche Richtung. Statt zukunftsfĂ€hige Konzepte zu entwickeln, die Ăkonomie und Ăkologie versöhnen, setzt man auf kurzfristige Klientelpolitik. Die Rechnung dafĂŒr werden kommende Generationen bezahlen mĂŒssen â in Form von verseuchtem Grundwasser, ausgerĂ€umten Landschaften und einem Klima, das endgĂŒltig aus den Fugen gerĂ€t.
Immerhin: Der LeberkÀs ist gerettet. Ob das reicht, um die Zukunft unserer Landwirtschaft zu sichern, darf bezweifelt werden.
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