Kettner Edelmetalle
13.01.2026
20:29 Uhr

Definanzialisierung bedeutet nicht Frieden – sondern Vorbereitung auf den Krieg

Definanzialisierung bedeutet nicht Frieden – sondern Vorbereitung auf den Krieg

WĂ€hrend westliche Finanzanalysten jahrelang ĂŒber die Probleme der sogenannten "Finanzialisierung" philosophierten, zeichnet sich nun eine tektonische Verschiebung ab, die viele Marktbeobachter schlichtweg ignorieren. Die Definanzialisierung, jener Prozess der Abkehr von einer rein finanzmarktgetriebenen Wirtschaftsordnung, entpuppt sich nicht als friedliche Transformation – sie ist vielmehr die systematische Vorbereitung auf eine Ära geopolitischer Konfrontation.

Trumps "Großes Spiel": Bergbau, Kartographie und Merkantilismus

Die Financial Times bringt es auf den Punkt: Das neue "Große Spiel" der Trump-Administration dreht sich um Rohstoffe, strategische Territorien und wirtschaftlichen Nationalismus. Der Wettstreit zwischen den USA und China um globale Ressourcen wird nicht mit dem Ende der Trump-PrĂ€sidentschaft enden – er wird uns alle betreffen. Was Analysten bereits seit ĂŒber einem Jahrzehnt prognostizierten, manifestiert sich nun in konkreter Politik.

Venezuela und der Iran stehen exemplarisch fĂŒr diese neue Strategie: Die gezielte Störung von Rohstofflieferketten, die nach China fĂŒhren, soll Pekings Dominanz bei seltenen Erden, der Verarbeitung und industriellen GĂŒtern spiegeln. Doch wĂ€hrend Think Tanks und globale Medien endlich erkennen, dass hinter Trumps "America First"-Rhetorik ein neo-imperialistischer Zug steckt, wischen die MĂ€rkte diese Entwicklungen beiseite – als wĂ€ren es bloß Memes.

Europa im strategischen Niemandsland

FĂŒr Europa, Großbritannien und die angelsĂ€chsischen VerbĂŒndeten ist diese Konstellation mehr als nur "herausfordernd" – sie ist existenzbedrohend. Über Grönland macht Trump unmissverstĂ€ndlich klar: "Regelbasierte" SouverĂ€nitĂ€t bedeutet nichts, wenn man das eigene Territorium nicht verteidigen kann. Und genau das können die EuropĂ€er nicht.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Europa brĂ€uchte eine 100.000 Mann starke Armee, um ernsthaft verteidigungsfĂ€hig zu sein. Die bis 2035 geplanten EU-Verteidigungsausgaben reichen bei weitem nicht aus – zumal sich die Zielvorgaben stĂ€ndig verschieben. Trump will sein MilitĂ€rbudget bis 2027 um 50 Prozent erhöhen, China rĂŒstet massiv auf, Russland ist "all in". Selbst wenn Europa diese KapazitĂ€ten aufbauen könnte: Woher sollen in einer Welt des Merkantilismus die Rohstoffe gĂŒnstig kommen?

Großbritannien: Vom Empire zum Bittsteller

Besonders pikant ist die Lage des Vereinigten Königreichs. Die Briten sind derart unfĂ€hig, ihre militĂ€rischen Verpflichtungen zu erfĂŒllen, dass das AUKUS-Abkommen gefĂ€hrdet sein könnte. WĂ€hrend London versucht, die geostrategisch wichtigen Chagos-Inseln zu verschenken – was sogar das House of Lords zu einer seltenen RĂŒge veranlasste –, blickt man ausgerechnet nach China, um Schlepper fĂŒr die neue U-Boot-Basis in Faslane zu bauen. Die Ironie könnte kaum grĂ¶ĂŸer sein.

Die neue Weltordnung der Handelsblöcke

Die USA haben soeben 25-prozentige Zölle auf alle LĂ€nder verhĂ€ngt, die GeschĂ€fte mit dem Iran machen – primĂ€r gegen China und Russland gerichtet. Gleichzeitig wurden Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Indien eingeladen, der "Pax Silica" beizutreten, um eine nicht-chinesische Technologie-Lieferkette aufzubauen. Ein G7-Treffen zu seltenen Erden steht bevor, wĂ€hrend Japan mit Unterwasser-Bergbau experimentiert.

China kontert mit verschĂ€rften Exportkontrollen und Lieferketten-Sicherheit. Peking verdoppelt seinen Einsatz auf das bestehende Wirtschaftsmodell. Europa hingegen feiert den Abschluss eines Freihandelsabkommens mit dem Mercosur, das 45 Jahre in der Verhandlung war – just in dem Moment, als die "Donroe-Doktrin" 45 Jahre Neoliberalismus in Lateinamerika faktisch zunichtemachte.

Gold als sicherer Hafen in stĂŒrmischen Zeiten

Die EdelmetallmĂ€rkte spiegeln diese geopolitischen Verwerfungen bereits wider. Gold wird von einigen Analysten auf 5.000 Dollar prognostiziert, Silber erreichte kĂŒrzlich ein neues Rekordhoch nahe 86 Dollar, und Kupfer notiert bei fast 13.273 Dollar auf Rekordniveau. Diese Entwicklungen sind kein Zufall – sie sind die logische Konsequenz einer Welt, die sich auf Konfrontation statt Kooperation einstellt.

Bemerkenswert ist dabei, dass die USA Gold exportieren statt akkumulieren, wĂ€hrend ein italienisches Parlamentsgremium den "Volksanspruch" auf die Goldreserven der Zentralbank gegenĂŒber der EZB genehmigt hat. Die traditionellen Korrelationen der FinanzmĂ€rkte lösen sich auf – neue entstehen.

Das Ende der alten Gewissheiten

Definanzialisierung bedeutet nicht Frieden – sie bedeutet Vorbereitung auf den Krieg. Sie bedeutet nicht Freihandel – sondern Handelsblöcke. Sie bedeutet nicht freie MĂ€rkte – sondern die Befreiung der MĂ€rkte vom Fokus auf kurzfristige Profite. Sie bedeutet nicht höhere Zinsen und niedrigere Staatsausgaben – sondern niedrigere Zinsen und höhere Staatsausgaben fĂŒr andere Dinge: Verbraucher, Kartographie, Bergbau und Merkantilismus.

FĂŒr konservative Anleger, die traditionelle Werte und langfristige Vermögenssicherung schĂ€tzen, bieten physische Edelmetalle in diesem Umfeld eine bewĂ€hrte Absicherung gegen die UnwĂ€gbarkeiten einer sich fundamental wandelnden Weltordnung.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist selbst fĂŒr seine Investitionsentscheidungen verantwortlich und sollte vor einer Anlageentscheidung eigene Recherchen durchfĂŒhren sowie gegebenenfalls professionelle Beratung in Anspruch nehmen.

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